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Geflügel

EFSA untersucht Tierschutz bei Mast- und Zuchthühnern

von , am
03.08.2010

Parma - Ein zu schnelles Wachstum von Masthühnern sorgt für Tierschutzprobleme. Zu diesem Schluss kommt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

© Werkbild

Die EFSA-Sachverständigen stellen fest, dass die meisten Tierschutzprobleme mit zu raschem Wachstum zusammenhingen, das durch genetische Selektion der Hühner erreicht worden sei.

Masthühner: Wachstum um das Vierfache beschleunigt

Ferner beschreiben sie Probleme durch Wechselwirkungen zwischen genetischen Merkmalen und der Umwelt der Hühner, beispielsweise die Haltung und das Management auf Geflügelfarmen. In den vergangenen 60 Jahren sei das Wachstum von Masthühnern um das Vierfache beschleunigt worden, hauptsächlich durch die genetische Auswahl.

Selektion führte zu Tierschutzproblemen

Es gelte als allgemein unbestritten, dass diese Selektion zu Tierschutzproblemen geführt habe; allerdings eröffne diese Methode auch die Möglichkeit zur Verbesserung von Wohlbefinden und Widerstandsfähigkeit der Tiere. EFSA räumt ein, dass die genetische Auswahl von Hühnern inzwischen auch Tierschutzaspekte berücksichtige; entsprechende Verbesserungen oder sonstige Veränderungen seien jedoch schwer zu messen, weil keine verlässlichen Daten zur Verfügung stünden.

Verlässliche Tierschutzindikatoren entwickeln  

Die Sachverständigen unterstreichen deshalb die Notwendigkeit, Tierschutzindikatoren für Masthühnerbestände zu entwickeln beziehungsweise auf EU-Ebene zu harmonisieren und systematisch zu überwachen. Die EFSA-Empfehlungen werden in eine Mitteilung der Europäischen Kommission zum Thema Tierschutz bei Masthühnern einfließen. Diese Mitteilung wird allerdings frühestens im kommenden Jahr erwartet - auch weil die Kommission noch eine sozioökonomische Bewertung vornehmen muss.

Skeletterkrankungen als Hauptproblem

Die Experten haben laut EFSA die wissenschaftliche Literatur berücksichtigt und darüber hinaus Informationen ausgewertet, die von Interessengruppen wie der Geflügelindustrie, Zuchtunternehmen, Forschungsgruppen und Nichtregierungsorganisationen bereitgestellt wurden. Als Hauptproblem, das im Zusammenhang mit der genetischen Auswahl und schnellem Wachstum ermittelt wurde, nennt EFSA Skeletterkrankungen, die zu Lahmheit, Entzündungen der Haut, unregelmäßigen Körperformen und plötzlichem Herztod führen könnten. Zwischen Ländern, Regionen und Haltungssystemen gebe es Unterschiede.

Gezielt Widerstandsfähigkeit erhöhen

Das Wohlbefinden der Tiere könne verbessert werden, wenn sie genetisch auf höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Umweltbedingungen ausgewählt würden. EFSA empfiehlt beispielsweise für heiße Klimabedingungen langsam wachsende Masthühner, da schnell schlachtreife Tiere anfällig für Hitzestress seien. Außerdem solle bei der genetischen Selektion besonderer Wert auf die Verringerung des Auftretens von Lahmheit sowie Kontaktdermatitis gelegt werden. Als Beispiel für einen Faktor, der Kontaktdermatitis zusätzlich begünstigt, wird feuchte Einstreu genannt.

Nahrungskonkurrenz verringern

Hinsichtlich der speziellen Situation von Zuchthühnern betonen die Experten, die Tiere hätten aufgrund der Auswahl auf schnelles Wachstum und hohen Muskelansatz eine sehr hohe Futteraufnahme. Deshalb seien Futterbeschränkungen zur Begrenzung der Wachstumsrate erforderlich, um die Gesundheit der Tiere zu erhalten. Unter Hühnern werde Nahrungskonkurrenz beobachtet, wenn kein Futter bereitgestellt werde; dies gelte es zu minimieren. Dadurch könne man auch die damit einhergehenden Verletzungen verringern. Als künftige Eltern sollten solche Tiere ausgewählt werden, die weniger Futterbeschränkungen erforderten.

Haltungsbedingungen verbessern  

Bei Zuchthühnern ermittelten die Experten fünf Hauptrisikofaktoren für das Wohlergehen: neben erneut dem schnellen Wachstum eine reizarme Umgebung, die Besatzdichte, die Futterbeschränkung sowie begrenzte Lichtquellen. Auch die Wechselwirkungen zwischen Genetik und Umwelt bedingten Tierschutzprobleme. Die Bereitstellung von Reizen wie Sitzstangen oder erhöhte Nestkästen seien dem Wohlbefinden von Zuchthühnern zuträglich. Schließlich wird empfohlen, falls nicht unbedingt erforderlich auf Maßnahmen zu verzichten, die dem Ziel der Verringerung von Verletzungen dienten - beispielsweise auf das Kürzen der Zehen oder des Kamms. In jedem Fall solle dies nur von geschultem Personal unter Verwendung der am wenigsten schmerzhaften Methode vorgenommen werden. (AgE)

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