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Lebensmittelskandal

Eierskandal: Discounter sortieren Eier unter Fipronil-Verdacht aus

Eierschachteln
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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
03.08.2017

Die großen deutschen Discounter haben den Verkauf von Eiern aus Betrieben unter Fipronil-Verdacht gestoppt. Verunreinigte Chargen werden aus immer mehr Bundesländern gemeldet.

Große deutsche Discounter haben den Verkauf von Eiern aus Betrieben unter Fipronil-Verdacht gestoppt. Zugleich betonten die großen Ketten, dass Kunden die Ware unkompliziert zurückgeben könnten.

Sämtliche Eier von Höfen, auf denen das Milbenbekämpfungsmittel DEGA 16 eingesetzt wurde, seien "unverzüglich aus dem Verkauf genommen" worden, teilte Lidl am Donnerstag mit. "Der Warenbezug von Höfen, auf denen Fipronil festgestellt wurde, ist komplett eingestellt."

Rewe und seine Discounttochter Penny hatten am Mittwoch mitgeteilt, Eier aus den Niederlanden - "also diejenigen, die mit NL geprintet sind" - vorsorglich komplett aus dem Verkauf zu nehmen.

Auch Aldi räumt verdächtige Eier aus dem Regal

Auch Aldi Süd bezieht nach eigenen Angaben bereits seit Anfang der Woche keine Eier mehr "aus Betrieben, bei denen der Einsatz von Fipronil bekannt ist oder der Status unklar" sei. "Darüber hinaus haben wir in einzelnen Regionen Freiland-, Bodenhaltungs- und Bio-Eier aus niederländischen Betrieben aus dem Verkauf genommen. Diese wiesen geringe Gehalte an Fipronil auf. Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sind diese Gehalte so gering, dass keine gesundheitliche Beeinträchtigung gegeben ist."

Aldi Nord hat solche gering belasteten Chargen ebenso aus dem Regal genommen. Darüber hinaus bezieht die Kette nach eigenen Angaben keine Eier mehr aus den gesperrten niederländischen Betrieben. Es gebe aber derzeit keinen Rückruf, "da nach derzeitigem Stand keine Eier an uns geliefert wurden, von deren Verzehr abgeraten wird", wie eine Sprecherin erläuterte. "Kunden, die bereits Eier bei uns gekauft haben, können diese ebenfalls bedenkenlos verzehren." Sollte sich herausstellen, dass in Eiern Fipronil-Gehalte nachgewiesen werden, bei denen eine gesundheitliche Beeinträchtigung nicht ausgeschlossen werden kann, werde man die Eier unverzüglich öffentlich zurückrufen.

Eierskandal: Niederländische Geflügelzüchter kritisieren Verkaufsstopp

Der Verband der niederländischen Geflügelzüchter hat den Verkaufsstopp von niederländischen Eiern in deutschen Supermärkten hingegen kritisiert. "Alle niederländischen Eier, die nun in den Handel kommen, sind garantiert frei von Fipronil", sagte der Vorsitzende des Verbandes, Eric Hubers, am Donnerstag im niederländischen Radio. Hubers nannte die Maßnahmen und Warnungen auch der Behörden im eigenen Land für überzogen. "Das ist Panikmache, denn man weiß, dass es keine Risiken gibt."

Bislang waren in den Niederlanden in 28 Betrieben mit Fipronil belastete Eier entdeckt worden. Insgesamt 180 Betriebe wurden in den Niederlanden gesperrt, bis die Testergebnisse vorliegen.

Eierkandal: Immer mehr Bundesländer betroffen

Mittlerweile sind in Deutschland neben Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auch in weiteren Bundesländern mit Fipronil verseuchte Eier aufgetaucht. Möglicherweise wurden verseuchte Eier aus den Niederlanden auch nach Hessen und Bayern geliefert, wie die Behörden am Mittwochabend mitteilten. Auch in Baden-Württemberg und im Bundesland Bremen tauchten ebenfalls belastete Eier auf.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) muss vor allem die Information der Kunden verbessert werden: "Neben einer zentralen Risikobewertung durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) brauchen wir zukünftig konkrete Verhaltensempfehlungen im Sinne einer Krisenkommunikation - und zwar bundesweit einheitlich", sagte die Lebenmittelexpertin des Verbands, Jutta Jaksche, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Sie forderte für das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) einen klaren Auftrag der Bundesländer: Die Behörde sollte auf der Website auf der Grundlage einer BfR-Bewertung "klare Handlungsempfehlungen geben und nicht nur die Warnungen der Bundesländer zusammentragen".

Mit Material von dpa
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