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Agrarfakten

Faktencheck zum Begriff "Massentierhaltung"

Schweine
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Katharina Krenn, agrarheute
am
03.08.2018

Agrarwissenschaftler haben sich mit der Definition von „Massentierhaltung“ auseinandergesetzt. Das sind die Fakten hinter dem gerne verwendeten Begriff.

Der Begriff „Massentierhaltung“ ist negativ besetzt und wird gerne von der Öffentlichkeit verwendet, um intensive Tierhaltung mit großen Bestandsgrößen anzuprangern. Als Kriterien werden oft folgende Punkte angeführt: hohe Tierbestände, „Hochleistungstiere“, Automatisierung der Haltung, fehlende Einstreu, kein Auslauf etc.

Fakten versus Behauptungen

Eine Gruppe von Agrarwissenschaftlern (Prof. Dr. Gerhard Breitschuh, Dr. Simone Müller, Dr. Lothar Jäkel, Hartmut Boettcher) hat sich eine Definition des Begriffs "Massentierhaltung" und seine angeführten Kriterien genauer angesehen(Studie: "Massentierhaltung in Thüringen"/2013). "Die 'typischen Merkmale' und die Untergrenzen für die Massentierhaltung entbehren nach unserer Auffassung der wissenschaftlichen Begründung", so das Fazit.

Mit folgenden 7 Fakten begründen die Wissenschaftler ihre Auffassung.

Behauptung 1: "Massentierhaltung ist die Überschreitung einer gewissen Anzahl von Tieren je Betrieb"

Faktencheck: Tiergerechtheit ist an den Bedingungen für jedes einzelne Tier zu messen und zwar unabhängig von der Bestandsgröße. Die Größe eines Bestandes hat keinen Einfluss z. B. auf die Vorgaben zum Platzbedarf eines Tieres oder die anderen einzuhaltenden Tierschutzanforderungen. Es gelten dafür gesetzliche Vorgaben.

Behauptung 2: "Massentierhaltung ist geprägt durch das Fehlen landwirtschaftlicher Nutzflächen"

Faktencheck: Nicht die Bestandsgröße, sondern die Flächenbesatzdichte (Großvieheinheiten/ha) ist entscheidend für Futterversorgung und für die umweltverträgliche Verwertung der organischen Dünger.

Wenn z. B. ein 1.500 ha großer Betrieb 1.500 Milchkühe mit entsprechender Nachzucht hält, beträgt der Flächenbesatz ca. 1,0 GV/ha. Damit können sowohl der Grundfutter- und der Futtergetreidebedarf von der eigenen Fläche gedeckt als auch die anfallenden organischen Dünger umweltverträglich verwertet werden. Gleiches gilt für spezialisierte Tierhaltungsbetriebe, die mit Ackerbaubetrieben die Flächenbindung auf vertraglicher Grundlage absichern.

Behauptung 3: "Massentierhaltung beruht auf dem Einsatz von Hochleistungstieren."

Faktencheck: Für alle Bestände werden unabhängig von der Betriebsform, Produktionsweise und Bestandsgröße Tiere ausgewählt, die unter den jeweiligen Haltungsbedingungen optimale Leistungen (z. B. Milchleistung je Kuh, Zunahme je Tag, Eier je Huhn) erbringen. Darauf beruhen Tierhaltung und -zucht.

Behauptung 4: "Massentierhaltung betreibt eine weitgehende Automatisierung der Arbeitsabläufe"

Faktencheck: Automatische Fütterungs- und Melksysteme sind heute in Tierbeständen jeder Größenordnung etablierte Praxis. Automatische Melksysteme wurden z. B. ursprünglich insbesondere für Bestände mit 50 bis 100 Tierplätzen entwickelt. Erst in den letzten Jahren haben diese auch in größeren Beständen Einzug gehalten.

Behauptung 5: "Massentierhaltung ist gekennzeichnet durch fehlende Einstreu"

Faktencheck: Bei allen Vorteilen erhöht Einstreu das Risiko z. B. einer Schimmelpilzbildung, des Eintrags von Krankheitserregern (z. B. Salmonellose) und Parasiten (Würmern). Sie verursacht höhere Emissionen. Deshalb haben sich einstreulose Stallhaltungssysteme mit speziell ausgestalteten Liegeflächen weltweit und zwar unabhängig von der Bestandesgröße durchgesetzt.

Behauptung 6: "Massentierhaltung ist gekennzeichnet durch ausschließliche Kraftfütterung"

Faktencheck: Eine ausgewogene, bedarfsgerechte Versorgung mit Energie und Nährstoffen gelingt in der Regel nicht mit ausschließlich hofeigenem Futter. Dazu müssen spezielle Eiweißfuttermittel, Mineralstoffe, Vitamine und andere Komponenten zugekauft werden. Dies gilt unabhängig von der Bestandsgröße und ist u.a. abhängig von den jeweiligen Standort- und Wachstumsbedingungen im Feldbau.

Behauptung 7: "Massentierhaltung ist gekennzeichnet durch keinen Zugang ins Freie"

Faktencheck: Der "Zugang ins Freie" birgt seuchenhygienische und gesundheitliche Risiken, weil der Kontakt zu Schadnagern, Haustieren, Vögeln und Wildtieren sowie das Einschleppen von Krankheitserregern kaum unterbunden werden können. Die Gewährung von Auslauf ist aus diesen Gründen in der Schweinehaltung die Ausnahme.

Mit Material von agrarfakten.de

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