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Update 17. Juni 2020

Faktencheck Tiertransporte in Deutschland: Das sind die Vorschriften

Tiertransporter
am Mittwoch, 17.06.2020 - 13:53 (Jetzt kommentieren)

Der Transport von Tieren, vor allem Nutztieren, steht immer wieder in Kritik. Tierschützer planen jetzt einen Aktionstag zum Verbot von Lebendtiertransporten. Das sollten Sie über Tiertransporte wissen.

Tierschützer planen am 14. Juni einen Aktionstag zu Lebendtiertransporten. Am 1. Juli ist Tag des Tiertransportes. Außerdem stehen Tiertransporte, vor allem die Transporte von Rindern und Schweinen in Drittländer, immer wieder in Kritik.

Zum Beispiel genehmigen einige Bundesländer derzeit keine Lebendtiertransporte nach oder durch Russland. Derzeit sei die Versorgung der Tiere nicht sichergestellt. Trotzdem sieht die Bundesregierung keinen Grund ein Moratorium für Lebendtiertransporte in Drittländer zu initiieren. So lautet die Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke. Die Bundesregierung verweist auf die Zuständigkeit der Länder, die die Vorgaben der Verordnung ausreichend überwachen, „zusätzliche Maßnahmen sind nicht erforderlich“

Klar ist: Nicht ordnungsgemäß durchgeführte Tiertransporte sind für die Tiere mit Leiden verbunden. Aber es gibt strikte Regeln, die für den Tierschutz sorgen. Das sollten Sie zum Thema Viehtransporte wissen:

Welche Arten von Tiertransporte gibt es?

Ein Tiertransport ist die Beförderung von mindestens einem lebenden Tier. Es handelt sich genaugenommen also immer um Lebendtiertransporte. Folgende Tiere werden transportiert:

  • Zuchttiere
  • Masttiere
  • Sporttiere
  • Hobby- und Heimtiere
  • Zoo- oder Zirkustiere

Welche Vorschriften gelten für Tiertransporte?

Der Transport ist in der für die EU geltenden Richtlinie 91/496/EWG und der dazugehörigen Verordnung (EG) Nr. 1/2005 geregelt. Sie wird in Deutschland in der Tierschutztransportverordnung (TierSchTrV).

Laut EU-Recht zählt zum Tiertransport zum Beispiel auch die damit zusammenhängenden Vorgänge wie das Verladen, Entladen, Umladen und Ruhen.

Ausgenommen von der Regelung sind Transporte, die „nicht in Verbindung mit wirtschaftlichen Tätigkeiten“ oder auf Anleitung eines Tierarztes durchgeführt werden.

Außerdem gilt sie nur eingeschränkt für Landwirte mit eigenen Transportmitteln, die ihre eigenen Tiere beispielsweise zur Weidehaltung oder Umstallung im Umkreis von weniger als 50 km um ihren Betrieb transportiert.

Der Transport bestimmter Tiere ist verboten. Dies gilt einerseits für sehr junge Tiere (weniger als zehn Tage alte Kälber, weniger als drei Wochen alte Ferkel und weniger als eine Woche alte Lämmer), es sei denn, die Beförderung erfolgt über eine Strecke von weniger als 100 Kilometer. Die EU-Verordnung verbietet außerdem den Transport von trächtigen weiblichen Tieren im letzten Gestationsstadium sowie während einer Woche nach der Geburt.

Wie viele Tiere passen in einen Tiertransporter?

Das ist weniger die Frage. In der TierSchTrV ist genau geregelt, wie viel Platz jede Tierart in welchem Alter und mit welchem Gewicht haben muss und wie viele Tiere zusammen transportiert werden dürfen. Hier nur einige Beispiele:

  • Für Hühner, Puten, Gänse und Enten ist festgelegt, dass bis zu einem Lebendgewicht von 1 kg je Tier eine Fläche von 200 cm²/kg vorgesehen sein muss. Das Transportbehältnis muss mindestens 23 cm hoch sein.
  • Bis zu 25 Kälber oder bis zu sechs erwachsenden Rinder bei Querverladung oder bis zu acht erwachsende Rinder beim Transport in der Gruppe sind beim Straßentransport jeweils durch eine stabile Trennvorrichtung abzutrennen.
  • Für Ferkel gilt bis zu einem Lebendgewicht von 25 kg, dass eine Gruppe höchstens 50 Tiere umfassen darf und pro Tier mindestens eine Fläche von 0,18 qm zur Verfügung stehen muss. Mastschweine über 70 kg dürfen in bis zu 15 Tiere großen Gruppen transportiert werden. Die Fläche pro Tier muss 0,37 qm betragen.

Je nach Tierart dürfen ein bis vier Ladeebenen genutzt werden:

  • Pferde: einstöckig
  • Rinder: zweistöckig
  • Schweine, Schafe und Kälber: dreistöckig
  • Jungtiere wie Lämmer und Ferkel auch vierstöckig

So kommt man bei der maximalen Anzahl der Tiere bei einer Ladefläche von 33 bis 38 qm auf zum Beispiel folgende Tierzahlen:

  • Erwachsene Rinder: 30 bis 35
  • Mastschweine: bis ca. 150

Wie sind moderne Tiertransporter ausgestattet?

Bei einem Transport unter 8 Stunden sind Normalfahrzeuge erlaubt. Bei den darüberhinausgehenden langen Beförderungen (> 8 Stunden) dürfen nur Fahrzeuge eingesetzt werden, die technisch dafür zugelassen sind und besondere Anforderungen erfüllen müssen. Hier ist eine Zulassung als Transportunternehmer Typ II erforderlich. Dies betrifft eher die Fahrzeuge des gewerblichen Viehhandels.

Vorgeschrieben sind Spezialfahrzeuge mit ständig zugängigem Tränkesystem und ein Temperaturregelungssystem (mechanische Belüftungseinrichtungen, Temperaturschreiber, Warnsystem für den Fahrer).

Moderne Transporter sind häufig vollklimatisiert und sogar mit Filtern ausgestattet, damit über die Frischluft keine Viren und Bakterien in den Transporter gelangen.

Wie lange dauern Tiertransporte?

Das ist sehr unterschiedlich. Wenn Landwirte beispielsweise Ferkel absetzen und in einen anderen Stall transportieren, dauert dies mitunter nur Minuten. Im Inland darf der Transport zu einem Schlachtbetrieb höchstens 8 Stunden dauern.

Die EU-Verordnung sieht je nach Tierart unterschiedliche Fahrtzeiten vor:

  • noch nicht entwöhnte Tiere, das sind Tiere, die noch gesäugt werden (neun Stunden Transport, dann eine Stunde Ruhezeit mit Tränke, dann neun Stunden Transport)
  • Schweine (24 Stunden Transport bei ständigem Zugang zu Trinkwasser)
  • Pferde (24 Stunden Transport mit Tränke alle acht Stunden)
  • Rinder, Schafe und Ziegen (14 Stunden Transport, dann eine Stunde Ruhezeit mit Tränke, dann 14 Stunden Transport)

Die genannten Transportabschnitte können wiederholt werden, wenn die Tiere an einer zugelassenen Kontrollstelle entladen, gefüttert und getränkt werden und 24 Stunden Ruhezeit haben.

Eine tierschutzgerechte Versorgung müsse bis zum Zielort gewährleistet werden, auch wenn dieser nicht in der EU liegt. So müssten Transportunternehmer und Organisatoren der Transporte bei jeder Anmeldung eines Tiertransports zwingend Ruheorte und Versorgungsstellen im Drittland nachvollziehbar und sicher belegen.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat die Vorgaben für Tiertransporte in Drittländer zusammengefasst:

  • Der Transport von Tieren, insbesondere über lange Strecken, sollte soweit wie möglich vermieden werden.
  • Der Transport von Schlachttieren über große Entfernungen sollte durch Fleischtransporte ersetzt werden.

Das Landwirtschaftsministerium weist jedoch auch darauf hin, dass es keine Möglichkeit gäbe, lange Transporte grundsätzlich zu verbieten, auch nicht in Nicht-EU-Länder.

Welche Schulungen und Qualifikationen benötigt der Fahrer

Ein Fahrer verlädt Schweine.

Egal ob Landwirt, Tierhalter oder angestellter Fahrer: Um Nutztiere (Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und teilweise auch Pferde) über 65 km in Verbindung mit einer wirtschaftlichen Tätigkeit transportieren zu dürfen, braucht man einen Befähigungsnachweis und eine Transportzulassung.

Tierhalter, die einen berufsqualifizierenden Abschluss als Landwirt, Pferdewirt, Tierwirt oder ein Hochschulstudium im Bereich Landwirtschaft oder Tiermedizin ab 2007 erworben haben, gilt die Qualifikation mit ihrer Ausbildung als erworben und sie erhalten den Befähigungsnachweis mit Vorlage des Abschlusszeugnisses bei ihrem zuständigen Veterinäramt. Alle anderen Personen müssen einen Lehrgang absolvieren. Der Befähigungsnachweis ist in der Regel nicht befristet.

Für Tiertransporte über 65 km und bis 8 Stunden Dauer (12 Stunden sofern nur in Deutschland gefahren wird) ist zusätzlich eine Zulassung als Transportunternehmer (Typ 1) notwendig. Diese Zulassung beantragt der Betriebsleiter als Inhaber des Transportfahrzeugs. Dies ist eine allgemeine Zulassung, die sich nicht auf ein konkretes Fahrzeug bezieht.

Wichtig: die Zulassung als Transportunternehmer ist auf 5 Jahre befristet und ist somit alle 5 Jahre wieder neu zu beantragen!

Für alle Strecken von mehr als 65 Kilometern müssen die Transportunternehmer eine Zulassung besitzen, die von der zuständigen Behörde des Mitgliedstaats, in dem sie ansässig sind oder einen Vertreter haben, erteilt wurde. Um diese Zulassung zu erhalten, müssen die Antragsteller unter anderem nachweisen, dass sie über ausreichend und geeignetes Personal sowie über ausreichende und angemessene Ausrüstungen und Verfahren verfügen.

Weiterhin sind auch von Landwirten bei den Transporten über 65 km und bis zu 8 bzw. 12 Stunden innerstaatlich Transportpapiere mitzuführen. Diese sollen allgemeine Angaben zu Herkunft und Eigentümer der Tiere, Versandort, Tag und Uhrzeit des Beginns der Beförderung, Bestimmungsort und voraussichtliche Dauer der Beförderung beinhalten.

Befähigungsnachweis und Zulassung als Transportunternehmer 1 sind als Begleitdokumente mitzuführen. Das Vorhandensein der entsprechenden Dokumente wird bei Auktionen etc. von Veterinären geprüft.

Werden Tiertransporter überprüft?

Ja. die zuständigen Behörden müssen während der wichtigsten Phasen des Transports Kontrollen vornehmen, insbesondere an den Ausgangsorten und Grenzkontrollstellen. Darüber hinaus können in jeder Phase des Transports Stichproben oder gezielte Kontrollen durchgeführt werden.

Bei den Kontrollen prüft die zuständige Behörde die Gültigkeit der Zulassungen, die Zulassungsnachweise und die Befähigungsnachweise sowie die Eintragungen im Fahrtenbuch.

Der Amtstierarzt prüft den Zustand der Tiere im Hinblick auf ihre Weiterbeförderung. Bei Seetransporten sind auch der Zustand und die Konformität des Schiffes zu prüfen.

Für Langstreckentransporte (einer Dauer von mehr als acht Stunden) muss der Antragsteller außerdem Folgendes liefern:

  • spezifische Dokumente: Befähigungsnachweise für Fahrer und Betreuer; Zulassungsnachweise für die Transportmittel, die eingesetzt werden sollen; Einzelheiten zu den Verfahren, nach denen die Bewegungen der Fahrzeuge verfolgt und aufgezeichnet werden; Notfallpläne;
  • den Nachweis, dass sie ein Satellitennavigationssystem einsetzen.

Diese Zulassungen gelten für fünf Jahre. Die Bescheinigungen werden in einem EU-weit einheitlichen Format ausgestellt und in einer elektronischen Datenbank erfasst, auf die die Behörden sämtlicher Mitgliedstaaten Zugriff haben.

Warum müssen Tiere überhaupt transportiert werden?

In der Landwirtschaft werden Nutztiere als Schlacht- oder Zuchttiere transportiert. Die wichtigsten Gründe sind die Wirtschaftlichkeit, Spezialisierung und Zentralisierung. Unter dem Kostendruck sowie der Gewinnsteigerung von Lebensmittelunternehmen werden Standorte in der Produktionskette dorthin verlegt, wo beispielsweise das Lohnniveau gering ist.

Außerdem ist die moderne Landwirtschaft so spezialisiert, dass die Zucht und Aufzucht häufig an einem anderen Ort oder sogar Land stattfindet als die Mast.

Es ist wirtschaftlich kaum anders darstellbar, als die Schweine zentral in zu schlachten und dann weiter zu verarbeiten und zu verteilen. Große Schlachthöfe wachsen weiter, die kleinen können in dem Wettbewerb nicht mehr mithalten. So verlängern sich die Transportwege.

Teilweise spielen beim Schlachtvieh auch örtliche, religiöse oder traditionelle Riten eine Rolle, wie beim Schächten.

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