Login
Geflügel

Federpicken nicht vollständig vermeidbar

von , am
07.10.2013

Vechta - Aktuelle Ergebnisse aus Wissenschaft und Praxis zeigen, dass Kannibalismus und Federpicken bei Legehennen auf ein Minimum reduziert werden kann. Vollständig vermeiden allerdings ist schwer.

Experten vermuten, dass die der Vogelgrippe-Virus H5N8 von Wildvögeln übertragen wird. © uschi dreiucker/pixelio.de
Bei einer Umsetzung der aktuellen wissenschaftlichen und praktischen Erkenntnisse können Kannibalismus und Federpicken bei Legehennen auf ein Minimum reduziert werden; vollständig ausmerzen lässt sich das Fehlverhalten der Tiere allerdings noch nicht. Das waren die wichtigsten Ergebnisse einer Fachveranstaltung zur Hennenhaltung, zu der das Agrar- und Ernährungsforum (AEF) Oldenburger Münsterland vergangene Woche nach Vechta eingeladen hatte.
 
Viele Gründe fürs Federpicken
 
Wie Dr. Sabine Petermann vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in einem Vortrag erklärte, gibt es für das Federpicken eine Vielzahl von Gründen. Unter anderem seien dafür Besatzdichte, Fütterung, Stallmanagement, Genetik, Stress, Stallklima oder aber Erkrankungen am Tier verantwortlich. Insbesondere die Anforderungen an das Licht im Stall müssten noch intensiver untersucht und die Tierhalter noch gezielter geschult werden. Bei exakter Berücksichtigung aller aktuellen Empfehlungen könne es aber möglich sein, Federpicken und Kannibalismus bei ungestutzten Herden bis auf einen vergleichsweise kleinen Anteil zu unterdrücken. Angesichts dieser Erkenntnisse sieht der AEF-Vorsitzende Uwe Bartels trotzdem Probleme bei dem von der niedersächsischen Landesregierung für 2016 angestrebten Verbot des Schnabelkürzens. "Die oberste Prämisse bei der Umsetzung muss sein: Sorgfalt vor Schnelligkeit", erklärte der ehemalige niedersächsische Landwirtschaftsminister.
 
Entschädigungsfond für Tierhalter erforderlich
 
Im Sinne der Tierhalter und im Sinne des Tierwohles sei eine gezielte Folgenabschätzung für das Schnabelkürzen dringend erforderlich. Da die Tierhalter in der Übergangsphase mit finanziellen Verlusten zu rechnen hätten, müsse hier eine Fondslösung für die Betroffenen geschaffen werden. Petermann plädierte in diesem Zusammenhang für eine stufenweise Umsetzung des Kürzens von Schnäbeln wie bei der Jung- und Legehennenhaltung in Österreich. Dort werde bereits seit 2004 auf das Kürzen der Schnäbel verzichtet. Für die Übergangszeit sei dort ein Entschädigungsfonds eingerichtet worden, in den die konventionellen Tierhalter eingezahlt hätten.
Auch interessant