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Interview

Fipronil im Ei: Die Folgen des Eierskandals für die Geflügelbranche

Eier im Karton
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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
21.08.2017

Der Skandal um mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier schadet der Geflügelwirtschaft wirtschaftlich und zerstört Vertrauen. Was sind die Folgen?

Auch wenn es nur eine Handvoll Betriebe waren, in denen hierzulande das für Lebensmittel verbotene Insektizid Fipronil eingesetzt wurde, rechnet die Branche in Deutschland durch den Eierskandal mit einem Schaden in Millionenhöhe. Neben Eiern konnten auch Eierprodukte nicht ausgeliefert werden, sagt der Vorsitzende der niedersächsischen Geflügelwirtschaft und Präsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft, Friedrich-Otto Ripke, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Oldenburg.

Kann man den Schaden für deutsche Betriebe schon beziffern?

Ripke: Es ist noch ein Stochern im Nebel. In Niedersachsen sind vier Legehennenbetriebe und ein Junghennenbetrieb betroffen. Die Betriebe haben einen Schaden von 20.000 bis 25.000 Euro pro Woche, und die Sperren dauern nun schon einige Wochen an. Für die Legehennenbetriebe wird der Schaden einige Hunderttausend Euro erreichen. Die Landwirte verdienen im Moment kein Geld und sie sind schuldlos in diese Situation gekommen. Hinzu kommen die Eierprodukte. Dort sind auch vorsorglich Chargen beprobt worden, und es konnten viele Waren nur verzögert ausgeliefert werden, so dass auch dort erhebliche Verluste entstanden sind.

Ich kann die Summe im Millionenbereich beziffern, aber deutlich geringer - etwa hundert Mal geringer - als in Holland, wo man von 150 Millionen Euro Schaden spricht.

Sind die Betriebe gegen den Schaden versichert?

Ripke: Ja, es gibt Ertragsschadensversicherungen. Diese zahlen Ertragsausfälle bei verunreinigten Produkten, wenn man nicht mit Vorsatz gehandelt hat. Davon gehen wir in allen Fällen aus. Nun gibt es aber die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Oldenburg, und die Versicherungen werden nicht zahlen, solange hier kein Ergebnis vorliegt. Es ist zu hoffen, dass schnell Ergebnisse auf dem Tisch liegen. Es ist ja auch ein Imageschaden, wenn die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Hängt das Verfahren in Deutschland nicht auch von den Ermittlungen in Belgien und den Niederlanden ab?

Ripke: Ich gehe davon aus, dass die in Niedersachsen gesperrten Betriebe darauf verweisen können, dass der niederländische Dienstleister das Fipronil in die Ställe gebracht hat. Das ließe sich direkt ohne Rückgriff auf die Ermittlungen in Holland klären. Wenn auf den Rechnungen "Chickfriend" - der Name des niederländischen Desinfektionsdienstleisters - steht, wäre die Sache für mich geklärt. Aber ich bin kein Staatsanwalt.

Auch wenn nur eine Handvoll Betriebe das Mittel genommen haben, der Imageschaden betrifft doch die gesamte Eierbranche?

Ripke: Das ist das Dilemma, dass ein breiter Imageschaden entstanden ist, obwohl man das Problem schnell auf eine bestimmte Zahl von Betrieben eingrenzen konnte. Das hängt damit zusammen, dass man in Belgien den strafrechtlichen Ermittlungen den Vorrang vor der Information der Verbraucher gegeben hat. Was in der Folge auch für die holländischen Betriebe zu schweren Imageschäden geführt hat.

Wir als deutsche Geflügelwirtschaft sagen, man sollte differenzieren: Mit 180 Betrieben in Holland, 60 gesperrten Betrieben in Belgien und 5 gesperrten Betrieben in Deutschland ist deutlich, dass es Unterschiede zwischen den Ländern gibt und dass das deutsche Ei offensichtlich mit größerer Sorgfalt produziert wurde.

Mit Material von dpa
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