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Eierskandal

Fipronil-Folgen: Knappe Eier, gesperrte Betriebe und freie Verdächtige

© Cmon/Fotolia
von , am
12.10.2017

Zwei Monate nach Bekanntwerden des Fipronil-Skandals sind die Folgen noch bemerkbar. Ein Zwischenstand.

Obwohl vor allem niederländische Eiererzeuger mit Hofsperrungen betroffen sind, zahlen auch deutsche Legehennenhalter derzeit kräftig drauf. Denn um die Lieferverträge mit dem Lebensmitteleinzelhandel erfüllen zu können, müssen die Eierlieferanten teure Ware aus dem Ausland hinzukaufen. Und da die Preise mit den Einzelhandelsriesen wie Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka vertraglich festgelegt sind, müssen sie den Preisunterschied aus eigener Tasche zahlen.

"Die Eierpreise auf Großhandelsebene sind schon deutlich gestiegen", sagt die Expertin Margit Beck von der Marktinfo Eier und Geflügel in Bonn. Sie hat jüngst Preissteigerungen von um die 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr beobachtet. Die Erzeuger, die ein paar Eier übrig haben und am freien Markt verkaufen können, verdienen am Markt Geld. "Diejenigen, die im Moment zukaufen und zu den alten Preisen an den Handel verkaufen müssen, die haben ein Problem", sagt Beck.

Verbraucherpreise für Eier stabil

Die Verbraucherpreise sind im Moment relativ stabil, die Regale gefüllt. Die Preise könnten sich aber ändern, denn jetzt laufen die Verhandlungen über Kontrakte fürs nächste Jahr.

Insgesamt habe sich das Kaufverhalten nach dem Skandal wieder schnell stabilisiert, nachdem klar war, dass mit den Fipronil-Eiern nach Expertenansicht keine gesundheitlichen Gefahren verbunden waren. Das sagt Aline Veauthier, Geschäftsführerin des Wissenschafts- und Informationszentrums Nachhaltige Geflügelwirtschaft an der Uni Vechta. Auffallend sei, dass die Direktvermarktung zugenommen habe.

Geflügelbetriebe in Niedersachsen noch gesperrt

Einigen Geflügelhaltern in Niedersachsen nützt das jedoch nichts. Noch immer sind die vom Fipronil-Skandal betroffenen Höfe dort gesperrt. Im Landkreis Grafschaft Bentheim sind drei Höfe betroffen, im Landkreis Leer ein Landwirt. Die Landwirte hatten nach derzeitigem Kenntnisstand unwissentlich ein Reinigungsmittel benutzt, in dem das für Nutztierbestände verbotene Insektizid Fipronil enthalten war.

Verdächtige im Fipronil-Skandal frei

Währenddessen dauern die Ermittlungen gegen Verdächtige noch an: Zwei Leiter des Unternehmens Chickfriend werden verdächtigt, ein mit dem Insektizid Fipronil vermischtes Desinfektionsmittel an Geflügelzüchter verkauft zu haben. Die zwei niederländischen Verdächtigten werden jedoch nach einem richterlichen Beschluss vorläufig aus der Untersuchungshaft entlassen. Das entschied ein Haftrichter am Mittwoch im niederländischen Zwolle. Die Männer waren im August vorläufig festgenommen worden. Wann der Prozess gegen sie eröffnet wird, ist noch nicht entschieden.

Mit Material von dpa
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