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Gesundheit

FLI-Präsident: Immer mehr Tierseuchen kommen über die Grenzen

ASP-Schutzzaun
am Mittwoch, 27.01.2021 - 12:00 (1 Kommentar)

Einheimische Tierseuchen haben wir immer besser im Griff. Dafür drohen hierzulande zunehmend Seuchen aus anderen Teilen der Welt. Ob Vogelgrippe, SARS oder Afrikanische Schweinepest – die Forschung versucht sich zu wappnen.

Kaum ein Tag vergeht ohne neue Meldungen zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) oder zur Vogelgrippe. Von Corona gar nicht erst zu reden. Zunehmend bedrängen uns Tierseuchen und Zoonosen aus anderen Teilen der Welt. Können wir dieser Entwicklung überhaupt noch etwas entgegensetzen? 

Prof. Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass Wissenschaft und Forschung in den vergangenen Jahren deutlich internationaler geworden seien. Auch sein Institut habe entsprechend reagiert. So versuche man, "auf das halbwegs Denkbare" vorbereit zu sein.

Globalisierung und Klimawandel

Man habe, so Mettenleiter, in den vergangenen Jahrzehnten viele der hierzulande ursprünglich vorkommenden Tierseuchen getilgt. Aber nun kommen die Einträge zunehmend aus anderen Teilen der Welt. 

Vorläufer der Vogelgrippe-Viren, die schließlich in Deutschland gelandet seien, haben sich vermutlich in Sibirien gebildet. Und der Seuchenzug der Afrikanische Schweinepest, der inzwischen auch die Wildschweinpopulation in Deutschland erreicht hat, kam aus Richtung Georgien.

Die Mobilität des Menschen und der wachsende globale Handel tragen mit Sicherheit ihren Teil dazu bei. Und auch der Klimawandel spiele eine Rolle, sagte Mettenleiter im dpa-Interview, auch wenn die konkreten Mechanismen in vielen Fällen noch nicht ganz klar seien. Man sehe aber auf jeden Fall die Veränderungen in den Lebensräumen der Wirte.

Diese Veränderungen ergeben sich einerseits durch das engere Zusammenrücken von Mensch und Wildtier in den Ursprungsgebieten. Andererseits erschließen die Klimaveränderungen so manchem Wirt neue Verbreitungsgebiete, so dass sich viele von ihnen inzwischen auch in unseren Breiten wohlfühlen.

"One Health" als wichtigstes Konzept

Durch Covid-19 hat sich die Angst vor Zoonosen in der Bevölkerung massiv verstärkt. Die Corona-Pandemie ist zwar nicht die erste zwischen Tier und Mensch übertragbare Krankheit. Von Tollwut über Salmonellosen bis hin zu früheren Corona-Stämmen: Zoonosen gab es schon immer. Dennoch scheint ihre Zahl zuzunehmen. Das dürfte wohl vor allem der wachsenden Weltbevölkerung und ihrer zunehmenden Mobilität zuzuschreiben sein.

Umso wichtiger ist es, Tier- und Humanmedizin als Gesamtkonzept zu verstehen. Im August vergangenen Jahres verwies Prof. Thomas Mettenleiter in einem Interview mit agrarheute (siehe Link unten) eindringlich auf die Wichtigkeit der "One-Health-Strategie", die genau diesen Gedanken in den Mittelpunkt stellt. Gemeinsame Präventions- und Bekämpfungspläne könnten helfen, kommende Seuchen besser in den Griff zu bekommen.

Mit Material von dpa
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