Login
Friedrich-Loeffler-Institut

FLI: Überträger der Geflügelpest sind eindeutig Wildvögel

Podium bei der Pressekonferenz des Friedrich Loeffler Instituts am 20.03.17
Sabine Leopold
am
21.03.2017

Die Geflügelpest macht Deutschland zu schaffen. Jede Woche werden neue Ausbrüche gemeldet. Woher kommt der Erreger und warum ist die Infektion so schwer in den Griff zubekommen? Diesen und vielen weiteren Fragen stellten sich Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf der Insel Riems am 20. März in einer Pressekonferenz unter dem Motto: "Geflügelpest: Kein Ende in Sicht?".

Der Killer heißt H5N8 und gehört zu den infektiösesten Viren aus der Vogelgrippe-Erreger-Familie. Ist ein Bestand mit Hühnervögeln einmal infiziert, dauert es selten länger als 48 Stunden, bis ein Großteil der Tiere tot ist oder mit schweren Ausfallerscheinungen im Sterben liegt. "Die Geflügelpest ist keine Krankheit, die man einfach mal so 'durchrollen' lässt und am Ende schaut, was überlebt hat", stellte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, Prof. Dr. Thomas Mettenleiter, klar. Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Bereichen Virusdiagnostik und Epidemiologie hatte Mettenleiter zu einem Pressegespräch auf die Insel Riems geladen.

Ein solcher Termin an diesem Standort hat Seltenheitswert, immerhin verbieten Hochsicherheitslabore und der Umgang mit zahlreichen infektiösen Tierseuchenerregern einen allzu offenen Publikumsverkehr auf der Insel. Doch die Flut der Anfragen zur nicht abklingen wollenden Geflügelpest in Deutschland veranlasste das FLI zu einem Vor-Ort-Gespräch.

Ende der Geflügelpest noch nicht abschätzbar

Karte der Geflügelpestausbrüche in Europa 2016/17

Seit Anfang November des vergangenen Jahres breitet sich das H5N8-Virus in Europa aus. In den ersten Wochen waren ausschließlich Wildvögel betroffen, doch inzwischen hat der Erreger längst auf Geflügelhaltungen – kommerzielle Geflügelproduktion, Rassegeflügelzucht, Kleins- und Hobbyhaltung sowie Zoos – übergegriffen. Mit 28 Ausbrüchen in Geflügelbeständen Ende letzten Jahres und bereits 66 Ausbrüchen im Jahr 2017 ist die aktuelle Epidemie die schwerste ihrer Art bisher (siehe Karte). Und bislang, so Thomas Mettenleiter, könne über ein Ende bestenfalls blind spekuliert werden. "Uns fehlen die Erfahrungen, um hier verlässliche Voraussagen zu treffen."

Entwarnung könne jedenfalls noch nicht gegeben werden, auch wenn einzelne Bundesländer die Aufstallungspflicht wieder gelockert hätten. Das zeigten die immer wieder aufflammenden Fallzahlen. Biosicherheit sei deshalb das äußerste Gebot, betonte der FLI-Präsident. Für eine wirksame Infektionsabwehr genüge in vielen Fällen schon eine flexible Überdachung und ein sicherer Zaun. 

Geflügelpest: Übertragung durch Vogelzug

Geflügelpest-Warnschild

Mit dem immer wieder infrage gestellten Ursprung der Seuche befasste sich Prof. Dr. Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik des FLI. Er ließ dabei keinen Zweifel an der Feststellung, dass das Virus mit Zugvögeln aus Asien nach Europa gekommen ist. Überträger seien vor allem wilde Wasservögel, weil bei ihnen – im Gegensatz zu Hühnervögeln – die Mortalitätsrate relativ gering und der Krankheitsverlauf generell langsamer sei. Das ermögliche Wildente und Co. ein Verschleppen und Übertragen des Erregers über weite Entfernungen. Zwar liegen die Routen der Vögelzüge überwiegend in Nord-Süd-Richtung, was Vertreter der Auffassung, die hochpathogenen Erreger entstünden hierzulande in der Intensivgeflügelhaltung und würden erst anschließend auf Wildvögel übertragen, als Beweis für ihre Theorie ins Feld führen. Doch jene Vogelzugrouten überlappen sich in starkem Ausmaß, was die "Bewegung" der Infektion von Osten nach Westen erkläre, so Beer.

Dieser Übertragungsweg lässt sich aber längst nicht mehr nur anhand von ornithologischen Beobachtungen festmachen. "Wir arbeiten inzwischen wie Kriminalisten mit DNA-Beweisen", erklärte Prof. Mettenleiter und verwies auf die umfangreiche internationale Gen-Datenbank für Aviäre Influenza-Viren (Vogelgrippe-Viren), in der mittlerweile über 700.000 Sequenzen erfasst seien. Das ermögliche eine sichere Nachstellung, wie sich Viren über weite Strecken bewegen und dabei auch verändern.

 

Auch interessant