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Geflügel

Frankreich: Aufruhr wegen sinkender Exporterstattungen

von , am
04.02.2013

Paris - Die Exporterstattungen für Geflügelfleisch werden halbiert. Das sorgt in Frankreich für heftige Diskussionen, die Doux-Gruppe zahlt Bauern bereits weniger für Geflügel.

Nach Mexiko und China rangiert Russland auf Platz drei der wichtigsten Absatzländer für US-Geflügel. © Mühlhausen/landpixel
Die Entscheidung der Europäischen Kommission, die Exporterstattungen für Geflügelfleisch zu halbieren, hat in Frankreich während der vergangenen zwei Wochen zu heftigen Reaktionen geführt. Dabei waren sich Wirtschaft und Pariser Regierung in der Einschätzung einig, dass die neuen Regelungen Gefahren für die heimische Geflügelbranche bergen. Vor allem wurden Wettbewerbsnachteile gegenüber großen Erzeugerländern wie etwa Brasilien angeführt.

Le Foll: Werden jede neue Senkung vermeiden

Der Präsident des Dachverbandes der Geflügelwirtschaft (CFA), Christian Marinow, meinte, dass die EU-Kommission falsch liege, wenn sie sage, dass auch ohne Subventionen exportiert werden könne, und nach Auffassung des Präsidenten der interprofessionellen Vereinigung für Geflügelexport (GIPEP), Francis Ranc, kommt die Entscheidung des Verwaltungsausschusses der EU-Kommission zu früh.
 
Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll und der beigeordnete Minister für Ernährungswirtschaft, Guillaume Garot, widersprachen in einer ersten Reaktion unmittelbar nach Bekanntwerden der EU-Kommissionsentscheidung ebenfalls den Argumenten, mit denen die Brüsseler Behörde ihre Entscheidung gerechtfertigt hatte. Sie kündigten an, "alles dafür zu tun, um jede neue Senkung zu vermeiden".

Doux-Gruppe zahlt Landwirten weniger

Die Exporterstattungen in Höhe von EU-weit 72 Mio Euro gingen 2012 hauptsächlich an die bretonischen Unternehmen Tilly-Sabco und Doux und machten bei diesen beiden Firmen rund 20 Prozent ihrer Exporteinnahmen aus. Einem Leitartikel des französischen Pressedienstes Agra Presse zufolge sind Tilly-Sabco und Doux nach der Halbierung der Exporterstattung auf 10,85 Euro/100 kg nicht mehr ausreichend wettbewerbsfähig. Außerdem befindet sich die Doux-Gruppe seit Juni 2012 im Insolvenzverfahren.
Dieses Unternehmen zog unterdessen in der vergangenen Woche bereits erste Konsequenzen aus der Brüsseler Entscheidung und kündigte laut einem Hinweis des Bauernverbandes im Département Côtes d’Armor (FDSEA) geringere Auszahlungspreise an die Landwirte an. Die Doux-Gruppe begründete diesen Schritt ihrerseits damit, dass sie innerhalb weniger Monate mit einer zweiten Senkung der Exporterstattungen konfrontiert worden sei, die zuvor ein halbes Jahrhundert existiert hätten.
 
Die EU-Kommission hatte ihre Entscheidung mit der aktuell günstigen Marktlage für Geflügelfleisch begründet. Ferner hatte sie erklärt, dass sich die Erzeugerpreise angesichts hoher Absatzpreise und stabiler Futterkosten auf einem ordentlichen Niveau bewegten, und immer mehr Ausfuhren ohne Erstattungen durchgeführt würden.
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