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Geflügel

Freilandeier werden wegen Dioxinfunden zur Mangelware

von , am
22.05.2010

Eppingen - Die Lethargie der vergangenen Wochen auf dem Eiermarkt ist passé. Auch die Dioxinfutter-Meldungen machen sich bemerkbar: 'Normale' Freilandeier werden zur Mangelware.

© agrarfoto

Eier
Eierabsatz stabil

Mit Beginn der KW 19 war auf einmal der Eiermarkt umgedreht: Die Lethargie der vergangenen Wochen war auf einmal passé. Dieser Trend setzte sich in der aktuellen KW 20 fort. Wie schon vor ein paar Wochen erwähnt, ist die "Nach-Oster" Zeit immer die schwierigste Saison der Eiererzeuger im ganzen Jahr. Der Oster-Hype ist mit einem Schlag vorbei; aber alle Hühnerställe sind voll, da man ja über Ostern alle Kunden bedienen will. Dazu kommt dann - wie jedes Jahr- der schlechte Eierabsatz direkt nach Ostern. Einerseits hat fast jeder Verbraucher mal wieder viel zu viel eingekauft angesichts der Eiertage; andererseits legen die Hennen, wie schon oben erwähnt, weiterhin tapfer Eier.

Die Frage, die seit Wochen den Eierhandel beschäftigte war "Wann ist unten?". Nun, unten war wohl dieses Jahr die KW 18, also vor zwei Wochen. Mittlerweile hat sich der Markt deutlich stabilisiert. Die Freiland-Eier mausern sich mal wieder zu den berühmten "weißen Mäusen": Plötzlich gibt es keine mehr. Dies liegt wohl zum Teil an der Tatsache, dass ein großer Discounter in Deutschland die Bio-Eier ausgelistet hat aufgrund der aktuellen Dioxin-Problematik.

Aufgrund Dioxin-belastetem Futter wurde in den letzten Wochen vermehrt Bio-Eier mit erhöhten Dioxin-Werten im Handel gefunden. Der Handel reagierte wie immer schnell und listete teilweise die Bio-Eier komplett aus. In der Not greifen die Verbraucher dann wohl zu den "normalen" Freilandeiern. Die Dioxin-Funde der letzten Wochen bei den Bio-Eiern zeigen ganz deutlich, dass die Einführung des EU-Bio-Siegels durch die damalige grüne Landwirtschaftsministerin Künast einen grundlegenden Konstruktionsfehler hat: Anstatt mit dem Bio-Siegel auch gleichzeitig die Regionalität der Bio-Produkte sicher zu stellen, wurde aus ideologischen Gründen heraus der Bio-Markt für alles geöffnet, was das Bio-Siegel trägt, egal woher die Ware kommt. Was allerdings an einem Ei noch Bio ist, wenn es auf dem Weg zum Verbraucher durch halb Europa gefahren wird - nun, diese Frage wurde nie beantwortet, da es ja um die Ideologie ging ("Wir fördern Bio").

Bei den aktuellen Funden wurde wohl offensichtlich Bio-Mais aus der Ukraine beim Trocknen mit dem Dioxin verseucht. Dieser Mais wurde an Futtermittelwerke in Deutschland sowie die Niederlande geliefert. Die betroffenen Bio-Hennen-Halter wussten also gar nichts von ihrem Glück, dass sie gerade belastetes Futter an die Hennen verfütterten. Aber, wie so oft, sind genau diese Landwirte die leidtragenden bei der ganzen Affäre, da urplötzlich Betriebssperren kommen, obwohl sie doch eigentlich alles richtig gemacht hatten. Verkehrte Welt.

Geflügel:
Hoffnung auf grillfreundliches Wetter

Insgesamt dominieren freundliche Tendenzen an den deutschen Geflügelmärkten. Das hartnäckig überwiegende kühle und nasse Wetter in diesem Mai dämpft allerdings die Grillfreude der hiesigen Privathaushalte. Die Umsätze mit grillfähigen Artikeln, dies sind insbesondere frische Teilstücke von Hähnchen und Pute, blieben daher in den zurückliegenden Wochen doch hinter den Erwartungen der Anbieter zurück. Dennoch bleibt Hähnchenfleisch insgesamt rege gefragt. Die hiesige Produktion kann problemlos abgesetzt werden. Die Schlachtereiabgabepreise blieben zumeist unverändert.

Bei dem zum Pfingstfest angekündigten wieder sommerlicheren Wetter und auf Grund der laufenden Spargelsaison wird mit einer Absatzbelebung gerechnet. Auch Putenfleisch, insbesondere Brustfleisch, ist lebhaft gefragt. Die Großhandelspreise für frische Ware konnten in diesem Bereich überwiegend angehoben werden. Rotfleischartikel blieben vorerst lediglich stabil, saisonal stehen diese Artikel eher im Hintergrund des Interesses. Trotz steigender Produktion gibt es derzeit nach EMA-Informationen keine Probleme, die anfallenden Mengen am Markt unterzubringen. Dies gilt sowohl für den Hähnchen- als auch für den Putensektor. Die hiesige Erzeugung tritt auf eine saisonal belebte Nachfrage. Positive Impulse werden durch die Spargel- und Grillsaison gegeben.

{BILD:115548:jpg} Georg Heitlinger
Eierproduzent aus dem baden-württembergischen Eppingen, 40.000 Legehennen, davon ca. 12.000 in Freilandhaltung, 28.000 in Bodenhaltung, ca. 90 ha Ackerbau, inkl. Packstelle, analysiert ab sofort wöchentlich für agrarheute.com in Zusammenarbeit mit der EMA, Bonn, die Marktentwicklung bei Eiern und Geflügelmast.

 

 

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