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Ukraine-Krieg und Futterknappheit

Futterknappheit: Bio-Tierhalter müssen eventuell konventionell füttern

Getreide Silo Wagen
am Mittwoch, 30.03.2022 - 07:33 (Jetzt kommentieren)

Der Krieg in der Ukraine könnte deutsche Bio-Betriebe bald dazu zwingen, ihre Tiere mangels Öko-Futter konventionell zu füttern.

Laut Präsident des Landvolks Niedersachen, Holger Hennies, bezögen viele Betriebe ihr gentechnikfreies Eiweißfutter aus der Ukraine und der Schwarzmeerregion. "Für gentechnikfreies Futter gibt es keine anderen Lieferanten", sagt Hennies. 

Das Problem betreffe die gesamte Veredelungsbranche, also die Schweine- wie auch die Geflügelmast. Die Folge: In wenigen Wochen dürften die Lager mit Ökofutter leer sein. Dann müssten die Bio-Tierhalter auf konventionelles Futter umsteigen. Das gelte auch für die Eier-Produktion, sagte Friedrich-Otto Ripke,  Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG). Ob die Betriebe dann auch ihr Biosiegel beibehalten könnten, liege an der EU. Die strengen Regeln müssten zeitweise ausgesetzt werden, fordert der Verbandspräsident.  

Bund Ökologischer Lebensmittel: Panik schüren bringt nichts

Der Bund Ökologische Lebensmittel (BÖLW) mahnt unterdessen davor, aufgrund der gestörten Warenströme aus der Ukraine und der Schwarzmeerregion jetzt Panik zu schüren. Das sei übertrieben und hilft niemanden. Bio bedeute auch, dass die Tierhaltung flächengebunden ist. Das heißt, dass die Höfe einen bedeutenden Teil des Futters auf dem Hof anbauen oder von Kolleginnen und Kollegen aus der Region beziehen.

Laut Mitteilung des BÖLW hätten viele Bio-Betriebe verstärkt und langfristig auf heimische Futtermittel gesetzt, vor allem Höfe, die einem Bio-Verband angehören. Die Verbandsbetriebe sind aktuell deutlich weniger betroffen als Betriebe, die auf eine kurzfristige Beschaffung von Bio-Futtermitteln setzen. 

BÖLW: Bio-Tieralter müssen ihre Tiere weiterhin zum Teil mit konventionellen Futtermitteln versorgen können

Der BÖLW würde es zudem begrüßen, wenn in der aktuellen Notlage eine Ausnehme zugelassen würde. Das heißt, dass alle Bio-Tiere mit einem gewissen Anteil konventioneller Eiweißfuttermittel versorgt werden können, solange das Futter knapp ist. Eigentlich sollte der zulässige Anteil konventioneller Eiweißfuttermittel ab diesem Jahr weiter reduziert werden, das heißt nur noch bei Bio-Ferkeln und Bio-Junggeflügel sollte ein Anteil von bis zu 5 Prozent konventioneller Futtermittel erlaubt sein. Aufgrund der angespannten Lage sei es nach Angaben des BÖLW geboten, dass diese Regelung nun erst später greift.  

Friedrich-Otto Ripke: Wir brauchen höhere Erzeugerpreise

Durch den Krieg in der Ukraine sind viele Landwirte unerwartet in eine wirtschaftlich schwierige Situation geraten: Fehlende Weizenlieferungen aus dem osteuropäischen Land haben die weltweiten Warenströme umgeleitet. Die Preise für Futter, Dünger und Energie sind stark gestiegen.

Gerade die Tierhalter bekommen das zu spüren. Das gilt nicht zuletzt für die Schweinehalter, die in den vergangenen zwei Jahren ohnehin schon unter dramatisch niedrigen Erzeugerpreisen gelitten hatten, berichtet Hubertus Berges, der im Landkreis Cloppenburg Schweine mästet, gegenüber der Tagesschau. Ein Tier bis zur Schlachtreife zu füttern, koste ihn im Moment 120 Euro.

Im Geflügelbereich hätten die Putenhalter bereits 20 Prozent Leerstand in den Ställen, sagt Ripke. Diese Entwicklung habe schon vor dem Ukraine-Krieg eingesetzt, weil sie keine auskömmlichen Preise mehr erzielten. In der Hähnchenmast überlegten nun die ersten Landwirte, Ställe leer stehen zu lassen. "Wir brauchen für die Kosten von Energie und Futter höhere Erzeugerpreise", fordert der Funktionär.

Mit Material von dpa, Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, tagesschau

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