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Umwelt

Gefährdete Ziegenrassen in Deutschland

© CC BY-SA 3.0/wikipedia
von , am
02.05.2017

Wer Ziegen hält, gilt meist schon als Exot. Doch auch bei den kleinen Widerkäuern gibt es interessante Rassen. Hier zeigen wir Ihnen ein paar der seltensten:

Thüringer Wald Ziege

Die Thüringer Wald Ziege entstand durch Einkreuzung der Schweizer Toggenburger Ziegen und wurde früher Thüringer Toggenburger genannt. © CC BY-SA 3.0/wikipedia

Die Thüringer Wald Ziege ist mittelgroß und kräftig gebaut. Ihr kurzes Haarkleid liegt eng an und ist schokoladenbraun, vereinzelt kommen auch schwarze Tiere vor. Durch den fehlenden Aalstrich und der typisch weißen Gesichtsmaske setzt sich die Thüringer Wald Ziege deutlich von den anderen rehbraunen Ziegenrassen ab. Die Ohren und das Maul der Ziegen sind weiß gesäumt und die Unterbeine und der Spiegel unterhalb des Schwanzes erscheinen ebenfalls weiß.

Die Ziegen wiegen zwischen 50 und 70 Kilo, das Gewicht der Böcke beträgt zwischen 65 und 90 Kilo. Die Rasse eignet sich hervorragend zur milchbetonten Doppelnutzung. Weibliche Tiere sind sehr frühreif und fruchtbar. Es treten oft Mehrlingsgeburten auf. Die Brunst ist saisonal. Die durchschnittliche Milchleistung der Thüringer Wald Ziegen liegt bei 700 bis 800 Kilo pro Jahr mit einem Fettanteil von 3,5% und 3% Eiweiß.

Die Ziegen sind an das raue Klima des Thüringer Waldes angepasst und deshalb sehr widerstandsfähig. Sie eignen sich gut für die Landschaftspflege. Die Thüringer Wald Ziege ist eine eigenständig in Thüringen gezüchtete Rasse, die schon zu Zeiten der DDR als bedroht anerkannt und finanziell unterstützt wurde. Heute sind die Zuchttiere in ganz Deutschland verteilt, ein Drittel davon aber im Ursprungsgebiet Thüringen.
Im Jahr waren 201 Böcke und 1.370 Ziegen als Bestand registriert. Laut der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) ist die Thüringer Wald Ziege in der Roten Liste als stark gefährdet eingestuft.

Braune Harzer Ziege

Im Naturpark Südharz würd auf der Ziegenalm Sophienhof für den Erhalt der Harzziege gesorgt. Von April bis November sind die Tiere auf den Weiden. © Naturpark Südharz

Die Braune Harzer Ziege ist rehfarben, kurzhaarig und mit einem hellen Bauch, der duch einen deutlich sichtbaren schwarzen Aalstrich stark abgegrenzt ist. Die Beine sind schwarz geschient und der schwarze Aalstrich ist stark abgesetzt. Oft hat die Rasse eine dunkle Gesichtsmaske.

Die Ziegen haben ein Gewicht von 55 bis 75 Kilo und die Böcke von 70 bis 100 Kilo. Die Braune Harzer Ziege ist eine robuste und genügsame Rasse, die gerne zur Wiesenpflege auf steilen Hängen eingesetzt wurde. Die Brunst ist saisonal und die erste Ablammung erfolgt im Alter von 15 Monaten mit durchschnittlich 1,8 bis 2 Lämmern pro Jahr. Die Milchleistung liegt bei 850 bis 1.000 Kilo bei einem Fettgehalt von 3,2 bis 3,5% und einem Eiweißgehalt von 2,8 bis 3,0 %.

Bei der Rasse handelt es sich um einen regionalen Typ der Bunten Deutschen Edelziege, die überwiegend im Harz und der näheren Umgebung verbreitet ist.

Auf der Roten Liste wird die Braune Harzer Ziege als Beobachtungspopulation geführt. 2013 gab es 184 weibliche und 14 männliche registrierte Tiere.

Bunte Deutsche Edelziege

Die Bunte Deutsche Edelziege unterscheidet sich kaum von der Braunen Harzer Ziege. © Flominator/wikipedia

Die Bunte Deutsche Edelziege ist eine hochproduktive Milchziege. Ihr Fell ist hellbraun bis schwarzbraun mit einem schwarzen Aalstrich auf dem Rücken. Die Gesichts- Bauch- und Beinfarbe variiert von hell bis dunkel.

Die Ziegen haben ein Gewicht von 55 bis 75 Kilo, die Böcke wiegen zwischen 70 und 100 Kilo. Die Bunte Deutsche Edelziege ist eine widerstandsfähige und langlebige Ziege und eigenet sich gut für die Landschaftspflege. Sie sind sehr frühreif und haben eine saisonale Brunst. Die erste Ablammung erfolgt im Alter von 15 Monaten mit ebenfalls 1,8 bis 2 Lämmern pro Jahr. Die Milchleistung liegt bei 850 bis 1.200 Kilo bei einem Fettgehalt von 3,2 bis 3,5% und einem Eiweißgehalt von 2,8 bis 3,0%.

Die Ziegenrasse entstand 1928 aus den verschiedenen Farbvarianten brauner Ziegen in ganz Deutschland. Auch heute gibt es keinen regionalen Schwerpunkt.

Die Bunte Deutsche Edelziege befindet sich ebenfalls auf der Roten Liste der gefährdeten Haustierrassen in der Beobachtungspopulation. 2013 waren 4.473 weibliche und 236 männliche Tiere registriert.

Weiße Deutsche Edelziege

Die Weiße Deutsche Edelziege tritt sowohl behornt, als auch hornlos auf. © Frank Vincentz/wikipedia

Die Weiße Deutsche Edelziege ist eine hochproduktive Milchziege. Die Behaarung ist kurz und glatt und ist reinweiß . Die Rasse hat einen mittleren bis großen Rahmen und tritt sowohl gehornt als auch hornlos auf.

Die Ziegen haben ein Gewicht von 65 bis 75 Kilo, die Böcke wiegen 90 bis 100 Kilo. Weiße deutsche Edelziegen sind sehr fruchtbar und wiederstandsfähig. Sie haben außerdem eine große Wirtschaftlichkeit wegen ihrer hohen Fett- und Eiweißmengenleistungen. Sie eigenen sich auch zur Landschaftspflege.

Die Ziegen sind frühreif und haben eine saisonale Brunst. Die erste Ablammung erfolgt im Durchschnitt bis zum Alter von 15 Monaten mit 1,8 bis 2,0 Lämmern. Die Milchleistung liegt bei 850 bis 1.200 Kilo bei einem Fettgehalt von 3,2 bis 3,5 % und einem Eiweißgehalt von 3,0 %. Bei entsprechender Fütterung sind auch höhere Leistungen möglich.

Die Weiße Deutsche Edelziege ging aus weißen Schlägen heimischer Ziegen hervor, die mit Schweizer Saanenziegen veredelt wurden. Bis 1928 wurden sie auch als Saanenziegen bezeichnet. Heute ist die Ziegenrasse deutschlandweit verbreitet.

Auf der Roten Liste wird sie ebenfalls als Beobachtungspopulation geführt. 2013 gab es 4.197 weibliche und 200 männliche registrierte Tiere.

Frankenziege

Die Frankenziege ist ein regionaler Farbschlag der Bunten Deutschen Edelziege. © Martin Bursch/genussregion-oberfranken

Die Frankenziege hat kurzes, glattanliegendes, rehbraunes Haar mit schwarzem Aalstrich. Auch der Unterbauch und die Unterbeine sind schwaz. Die Rasse ist mittelrahmig mit einem festen Fundament und einem gut angesetztem Euter. Sie kann hornlos oder behornt vorkommen. Die Tiere sind sehr sanftmütig. Die Frankenziege hat eine hohe Fruchtbarkeit und zeigt eine hohe Futterverwertung bei einer guten Mastleistung. Die Milchleistung liegt bei 800 bis 1.000 Kilo.

Die Frankenziege gilt als ursprünglich typische Ziegenrasse im Verbreitungsgebiet zwischen Fichtelgebirge, Frankenwald, Jura und Steigerwald bis zum Spessart und in die Rhön. Die Frankenziege ist ein regionaler Farbschlag der Bunten Deutschen Edelziege und in ihrem Ursprungsgebiet in Bayern recht stark verbreitet.

Seit den 1930er Jahren wird sie nicht mehr als eigenständige Rasse geführt und zählt zu der Population der Bunten Deutschen Edelziege, weshalb es auch keine Herdbucheinträge gibt. Die Gesellschaft für alte und seltene Haustierrassen (GEH) stuft sie als extrem gefährdet ein. Es gibt nur noch wenige Liebhaber der Frankenziege.

Seltene Nutztierrassen in Szene gesetzt

Bagot-Ziege: Sie gelten als die älteste britische Ziegenzüchtung mit dokumentierter Abstammung. Die erste schriftliche Nennung der Rasse stammt von 1389. Besitzer der ursprünglichen Herde war damals Sir John Bagot aus Blithfield in Staffordshire, Midlands. © Claire Watson
Balwen-Welsh Mountain Schaf: Diese Schafe stammen aus dem Tywi Tal in Wales. Sie haben ein charakteristisches Farbmuster mit schwarzem Körper und weißen Extremitäten. © Claire Watson
Native Aberdeen Angus: Als Kennzeichen weisen sie im Vergleich zu den modernen Angusrassen kürzere Beine und einen bulligeren Körperbau auf. © Claire Watson
Leicester Longwool Schaf: Diese Rasse bildet eine lange, in Locken herunterhängende Wolle. Sie wurde ab circa 1760 gezüchtet und war historisch einflussreich, ist heute aber selten geworden. © Claire Watson
Golden Guernsey Ziege: Ihr Ursprung ist unbekannt, aber DNA-Untersuchungen deuteten darauf hin, dass diese Rasse auf der Insel Guernsey im Ärmelkanal heimisch ist. Die kleinen Ziegen sind sehr genügsam bei moderater Milchleistung © Claire Watson
Scott Dumpy Bantam Huhn: Sie sind eine kleinere Version der Scott Dumpy Rasse. Ähnliche Rassen habe man bereits aus der Zeit um 900 v. Chr. gefunden, so Claire Watson. © Claire Watson
Soay Schaf: Diese Rasse ist ein primitiver Typ von Hausschaf. Es soll den Zuchtzustand von Nutzschafen des Neolithikums repräsentieren. Sie werfen ihre Wolle saisonal selbst ab. © Claire Watson
Suffolk Punch Pferd: Aktuell sogar seltener und bedrohter als Pandabären, meint Claire Watson. Ein typischen Arbeitstier, um Pflüge zu ziehen. © Claire Watson
Wieder Balwen-Schafe im Schnee. Sie sind weniger anfällig für Krankheiten und sehr umgänglich. © Claire Watson
Ein Llanwenog und ein Balwen Schaf auf der Winterweide. Diese Rassen können problemlos die kalte Jahreszeit draußen verbringen. Llanwenog Schafe werden primär wegen ihrem Fleisch gehalten. © Claire Watson
Gloucetershire Old Spot Schwein: Sehr robustes Tier, das mit beinahe allen Bedingungen klar kommt. Sucht sich problemlos selbst seine Nahrung und wurde vor allem in Obstplantagen gehalten. © Claire Watson
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