Login
Geflügel

Geflügelschlachthof Wietze: Streit geht weiter

von , am
06.02.2012

Hannover - In Niedersachsen herrscht weiter Uneinigkeit. Während die FDP den Geflügelschlachthof in Wietze verteidigt, sprechen die Grünen vom "Megaflop", der am Markt vorbei produziere.

Inzwischen fertig: Der umstrittene Hähnchenschlachthof in Wietze. © landpixel
Der neue agrarpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Hans-Heinrich Sander, verteidigt die Entscheidung der Landesregierung, den Bau des umstrittenen Geflügelschlachthofes in Wietze finanziell zu unterstützen. Als Beweis zieht er die weiter steigende Nachfrage nach Geflügelfleisch heran. Grünen-Vizefraktionschef Christian Meyer verweist indes auf die relativ niedrige Auslastung des Schlachthofes.

Sander: Verbraucher entscheidet durch Nachfrage

Sander betonte, die Verbraucher stimmten mit den Füßen ab. Es gebe weiterhin eine große Nachfrage nach Hähnchenfleisch. "Über die Essgewohnheiten der Verbraucher entscheiden keine rot-grünen Politiker im Landtag", sagte Sander. Er unterstrich, durch die richtige Strukturpolitik würden viele hundert Arbeitsplätze im ländlichen Raum geschaffen, könnten die Bedingungen der Tierhaltung, des Tiertransports und der Schlachtung lückenlos nachverfolgt und somit höchster Verbraucherschutz gewährleistet werden. Eine Produktion im Ausland könne das nicht nachvollziehbar leisten. Der Landwirtschaftskammer zufolge seien 2011 trotz höherer Eigenproduktion mehr als 600.000 Tonnen Hähnchenfleisch aus dem Ausland importiert worden, stellte Sander fest.
 
Meyer: Schlachthof nutzt nur ein Viertel der beantragten Menge
 
Dagegen sprach Meyer in Bezug auf den Schlachthof in Wietze von einem Negativbeispiel. Dort werde zurzeit nur ein Viertel der beantragten Produktionsmenge verarbeitet. Meyer forderte Landwirtschaftsminister Gert Lindemann dazu auf, eine Bundesratsinitiative für die Abschaffung des Bauprivilegs für entsprechende Anlagen auf den Weg zu bringen. "Die für Wietze genehmigte Schlachthofauslastung mit 135 Millionen Tieren pro Jahr mit 400 Tierfabriken mit je 40.000 Hühnern liegt in weiter Ferne", erklärte der Grünen-Politiker.
 
Verarbeitete Tiere kommen nicht aus der Region
 
Nach Angaben der Landesregierung seien im Einzugsbereich des Schlachthofes im Jahr 2010 nur 22 neue Mastställe genehmigt worden; 2011 seien 28 weitere Anträge im Verfahren gewesen. Brancheninsider würden bestätigen, dass die Mehrzahl der in Wietze verarbeiteten Tiere nicht aus der Region stamme, sondern Tiere teilweise aus Dänemark "angekarrt" würden. Der vom Land mit 6,5 Millionen Euro geförderte Schlachthof erweise sich damit als Megaflop und produziere am Markt vorbei.
 

Brandanschläge auf Hähnchenmastanlagen

Auch interessant