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Geflügel

Geflügelwirtschaft kritisiert 'Panikmache'

von , am
18.11.2011

Berlin - Die Geflügelwirtschaft wirft NRW-Landwirtschaftsminister Johannes Remmel "gefährliche Panikmache" vor. Remmel hatte vor multiresistenten Keimen aus der Tierhaltung gewarnt.

Hähnchenmast: Niedersächsischen Mäster bevorzugen Mittellangmast oder Schwermast. © Mühlhausen/landpixel
Johannes Remmel hatte in seiner Interpretation der in dieser Woche veröffentlichten Antibiotika-Studie gesagt, der Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht forciere die Ausbreitung multiresistenter Keime und damit eine gesundheitliche Bedrohung für Menschen. "Es ist nicht in Ordnung, auf diese Weise diffuse Ängste bei den Verbrauchern zu schüren", zeigt sich Leo Graf von Drechsel als Präsident des Zentralverbandes der deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) von dieser Darstellung empört.

Bewertung 'greift zu kurz'

Remmels Bewertung greife deutlich zu kurz und werde der Brisanz des Themas nicht gerecht, kritisiert Graf Drechsel: Er korrigiert, dass Infektionen des Menschen mit nutztierassoziierten MRSA (multiresistenten Keime) einer Analyse des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zufolge lediglich "eine sehr untergeordnete Rolle" spielten.  Mit weitem Abstand dominieren die krankenhausassoziierten Stämme. Als "sehr gering" werde der BfR-Studie zufolge die Bedeutung kontaminierten Fleisches als Quelle humaner Besiedlung mit MRSA eingeschätzt.
 
"Wir dürfen die Problematik multiresistenter Keime nicht bagatellisieren", fordert Graf Drechsel, den Fokus indes alleine auf die Tierhaltung zu richten, gehe deutlich an der Realität vorbei. EU-Kommissar John Dalli hatte gestern unter anderem angekündigt, eine Verschärfung der Regelungen über die Anwendung von Tierarzneimitteln zu prüfen, gemeinsame Leitlinien im Umgang mit Antibiotika zu schaffen und die Infektionsprävention als wesentliches Ziel des neuen EU-Tiergesundheitsrechts zu verankern. "Wir begrüßen diese Maßnahmen ausdrücklich", betont der ZDG-Präsident.
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