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'Was kann ich gegen Fliegen im Stall machen?'

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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
13.07.2016

Fliegen im Stall sind nicht nur lästig für Mensch und Tier, sie können auch das Futter verunreinigen und Krankheiten übertragen. Was kann der Landwirt dagegen tun?

"Was kann ich im Stall gegen Fliegen machen? Wir haben in unserem Stall ein ziemliches Problem damit." Diese Frage stellte uns ein Leser auf unserer facebook-Seite.

Laut Tobias Scholz vom VBZL Haus Düssen der LWK Nordrhein-Westfalen können Fliegen bei Extrembelastung

  • zu Plage für Mensch und Tier werden,
  • Krankheiten übertragen und
  • zu hohen Leistungseinbußen führen.

Darauf gilt es im Außenbereich zu achten

Die Fliegenbekämpfung fängt bei der Stall- und Betriebshygiene an. Im Außenbereich sollte deshalb an folgendes gedacht werden:

  • Bereits bei der Betriebs- und Stallplanung sollte das Problem z.B. beim Güllesystem, der Stallstruktur und der Abteilgröße berücksichtigt werden
  • Mögliche Brutstätten in Stallnähe sollten vermieden werden. Das können Futterreste, Kotecken oder die Mistlagerung sein.
  • Eintragquellen in den Stall sollten minimiert werden, wie z. B. offene Türen, ggf. sollte auch über Fliegengitter nachgedacht werden
  • Eine Reinfektion aus dem Güllelager über den Kanal sollte verhindert werden (Schwimmschichten zerstören und dichte Schieber)

Das sollte im Innenbereich beachtet werden

Innerhalb des Stallgebäudes empfiehlt Scholz folgende präventive Maßnahmen:

  • beim Stallbau sollten Wandsysteme und die Aufstallung entsprechend geplant werden (wenig Holräume, Material wählen, das leicht zu reinigen ist)
  • Brutstätten im Stall minimieren (Futterzentrale sauber halten, Kot- und Futterreste entfernen, Endkappen bei Aufstallungsprofil, Güllekanäle möglichst komplett entleeren (ggf. spülen))
  • Infektion zwischen den Ställen/Stallteilen/Abteilen verhindern (Türen geschlossen halten)
  • in nicht belegten Buchten Kot und Futterreste zügig entfernen

Kombinierte Behandlung empfohlen

Sind die Fliegen im Stall, ist zu beachten, dass die adulten Fliegen nur einen kleinen Teil der Population ausmachen. Daher empfiehlt sich eine kombinierte Behandlung. Ein Großteil der Population hält sich unterhalb der Spalten im Güllesystem auf. Generell sollte eine Behandlung früh im Jahr erfolgen, um die Brut zu reduzieren.

Tobias Schulz unterteilt mehrere Strategien der Fliegenbekämpfung:

  • chemische Bekämpfung: Larvizide, Pyrethrum, (Kresole/Neopretisan), Alzogur; Insektizide: Spritzmittel (Kontaktgifte), Fraßgifte (Köder, Streichgifte)
  • biologische Bekämpfung: Güllefliege im Güllebereich, Schlupfwespe im Mistbereich

Sicherheits- und Anwendungshinweise beachten

Bei der chemischen Bekämpfung sind die Sicherheits- und Anwendungshinweise unbedingt zu beachten. Bei der Anwendung von Alzogur ist beispielsweise darauf zu achten, dass Mensch und Tier nicht mit dem Mittel in Kontakt kommen. Zudem sollten Buchten eingeweicht werden und mit dem Hochdruckreiniger gründlich gereinigt werden. Schwimmschichten sollten zerstört und der Güllekanal entleert werden.

Um die korrekte Aufwandmenge zu berechnen, sollte die Restgüllemenge ermittelt werden. Zur Fliegenbekämpfung im Schweinebereich empfiehlt Tobias Scholz abschließend folgende Maßnahmen:

  • Güllefliege im Wartebereich der Sauenhaltung
  • Alzogur im Abferkelbereich der Sauenhaltung
  • Lavizid im Ferkelaufzuchtbereich (6-8 Wochen)
  • Pyrethrum im Mastbereich
  • zur Unterstützung Fraßgifte

Mehr Antworten auf Userfragen finden Sie hier.

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