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Eier-Sexen

Geschlechtsbestimmung im Ei: Kükentöten bis 2019 beenden

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Julia Eder, agrarheute
am
03.04.2018

Das Töten männlicher Eintagsküken soll keine Praxis mehr sein. Darin sind sich Geflügelwirtschaft und Julia Klöckner einig. An einem praxistauglichen Verfahren zum Sexen scheiterte es jedoch bisher.

Im vergangenen Jahr in Deutschland mehr als 40 Millionen Küken direkt nach dem Schlüpfen getötet worden, meldet die dpa. Zwar gebe es dazu keine amtlichen Angaben - die Zahl ließe sich jedoch aus der Zahl geschlüpfter weiblicher Küken ableiten. Die lag 2017 in größeren Brütereien bei 45.739.700, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervorgeht. Das seien rund 1,6 Millionen mehr als im Jahr zuvor.

Im Januar hatte der Zentralverband der Geflügelwirtschaft (ZDG) angekündigt, dass bis Ende 2019 die ersten Maschinen zur Geschlechtsbestimmung im Ei im Einsatz sein würden. Das in diesem Zusammenhang häufig gebrauchte Wot "Kükenschreddern" ist dem ZDG zufolge jedoch keine Praixs: Männliche Küken werden in Deutschland nicht geschreddert, sondern mit CO2 erstickt.

Spektroskopisches Sexen von Bruteiern

Ein neues Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei haben nun sächsische Forscher entwickelt.
Es beruht auf einer Strahlentechnik, dem sogenannten "spektroskopischen Sexen von Bruteiern". Die spektroskopische Methode setzt am Blut an. "Es ist biochemisch codiert", erklärt Steiner, Gerald Steiner, technischer Koordinator des an der TU Dresden und der Universität Leipzig angesiedelten Forschungsprojekts. Zur Untersuchung des bei Männchen und Weibchen spezifischen Hämoglobinprofils wird das drei bis fünf Tage bebrütete Ei mit Licht bestimmter Wellenlänge bestrahlt. Das daraufhin gewonnene Strahlenspektrum fangen die Forscher an der Eischale auf und analysieren es. Wenn alle störenden Einflüsse beseitigt sind, lasse sich anhand der Hämoglobin-Daten das Geschlecht erkennen, sagt die Chemikerin Grit Preuße von der TU Dresden.

Sie hat das Verfahren so weiterentwickelt, dass die Eischale unversehrt bleibt. Bisher musste ein etwa zehn Millimeter kleines Loch gestochen und dann wieder verschlossen werden. Nun sei die größte Herausforderung die optische Beschaffenheit der Schale, sagt Preuße. Das Öffnen und Schließen des Bruteis galt bisher als Haupthindernis für die Einführung der Methode in Großbrütereien.

Schnelles und kostengünstiges Verfahren zur Geschlechtsbestimmung

Laut Steiner ist das perfektionierte Verfahren, das nur Farbspektrometer, Datenbox und Computer benötige, auch für Großbrütereien bezahlbar - und schnell. Je nach Bedarf können auch 15 Eier pro Reihe einer Standardpalette in einer Sekunde gecheckt werden. Es brauche aber sicher noch zwei Jahre, bis das Verfahren einsetzbar ist. Die Geräteentwicklung sei noch mal eine Herausforderung.

Neben dem spektroskopischen gibt es ein endokrinologisches Verfahren, bei dem Hormone bestimmt werden. Das letztere benötige laut Steiner neun bis elf Tage lang bebrütete Eier. "Da sind schon Nervenzellen da und es gibt möglicherweise Schmerzempfinden."

Klöckner: "Küken zu töten ist moralisch nicht hinnehmbar"

"Küken zu töten, weil sie das falsche Geschlecht haben, ist moralisch nicht hinnehmbar", sagt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) laut Presseinformation. "Wir müssen das Töten männlicher Eintagsküken mit einer praxistauglichen Alternative schnellstmöglich beenden – ich begrüße alle Initiativen,  die uns diesem Ziel näher bringen, wie zum Beispiel die aktuellen Forschungsergebnisse der TU Dresden."

Das Ministerium habe die Geschlechtsbestimmung im Hühnerei seit 2008 mit rund fünf Millionen Euro gefördert. Zudem fördert der Bund Projekte zu sogenannten Zweinutzungshühnern, also Rassen, deren weiblichen Tiere als Legehennen und die männlichen als Masthähnchen verwendet werden, von Sommer 2015 bis Sommer 2018 insgesamt mit 1,8 Millionen Euro.

Mit Material von BMEL, dpa

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