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Geschlechtsbestimmung im Ei ohne Mehrkosten für die Brüterei

Ludger Breloh, Julia Klöckner und Jan Kunath
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Anke Fritz, agrarheute
am
08.11.2018

In Berlin stellte Landwirtschaftsministerin Klöckner eine Methode zur Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei vor. Für die Brütereien soll es eine kostenneutrale Dienstleistung sein. Ab sofort sind die Eier in Berliner Rewe- und Pennymärkten erhältlich.

Als Durchbruch bezeichnete Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Non-invasive Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei mit dem SELEGGT-Verfahren. Es sei ein echte Alternative zum Kükentöten, betonte Klöckner. Dr. Ludger Breloh, Geschäftsführer von SELEGGT, sowie Jan Kunath, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der REWE Group erklärten, wie das Verfahren in der Praxis funktionieren soll und vor allem, wie es finanziert wird.

Unter folgendem Link gelangen Sie zum Video des BMEL von der Pressekonferenz. Wegen eines technischen Problems beginnt der Ton allerdings erst bei 5:30 min.

Das Ei soll 1 bis 2 Cent mehr kosten

Breloh erläuterte, die Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei werde den Brütereien als kostenneutrale Dienstleitung angeboten – spätestens ab 2020. Aktuell bestimmt SELEGGT in einer Brüterei in den Niederlanden im Auftrag der Rewe Group das Kükengeschlecht im Brutei. Ab sofort sollen die Eier von diesen Hennen in 229 Rewe- und Pennymärkten verkauft werden. "Das Ei kostet 1 bis 2 Cent mehr. Eine zumutbare Erhöhung für den Verbraucher", sagte Kunath. Über eine Lizenzgebühr will SELEGGT die Kosten für Logistik und die Dienstleistung wieder reinholen. Am Ende wird der Verbraucher mit seiner Wahl entscheiden, ob sich das Verfahren durchsetzt.

In über 5.000 Märkten will Rewe bis Ende 2019 die sogenannten SELEGGT-Eier in Deutschland verkaufen.

So funktioniert das Verfahren in der Praxis

SELEGGT ist ein Joint Venture der Rewe Group mit einem Technologie-Unternehmen, gefördert durch das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL). Bei dem Verfahren wird in die Schale des Brut-Eies mit Hilfe eines Lasers ein maximal 0,3 Millimeter kleines Loch gebrannt. Über dieses wird non-invasiv eine winzige Menge der so genannten Allantoisflüssigkeit entnommen. Das Innere des Brut-Eies wird dabei nicht berührt und bleibt unversehrt.

Im nächsten Schritt wird die Allantoisflüssigkeit auf einen patentierten Marker außerhalb des Brut-Eies gegeben. Dieser zeigt durch eine Verfärbung, ob sich in dem Brut-Ei das geschlechtsspezifische Hormon Östronsulfat nachweisen lässt. Ist dies der Fall, entwickelt sich in dem Brut-Ei ein weibliches Küken. Nach der Geschlechtsbestimmung muss das Brut-Ei nicht verschlossen werden, da sich die innere Eimembran selbstständig zusammenzieht und das winzige Loch von innen verschließt. Am 21. Bruttag schlüpft dann ein weibliches Küken. Fehlt Östronsulfat, handelt es sich um ein männliches Brut-Ei, das aussortiert und zu Tierfutter weiter verarbeitet wird. Das Verfahren hat in der Praxis laut Herstellerangaben eine Bestimmungsgenauigkeit von rund 98 Prozent.

Geflügelwirtschaft: 100.000 Eier pro Tag müssen sortiert werden können

Die deutsche Geflügelwirtschaft reagierte auf die Präsentation irritiert. Für Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), ist eine wirkliche Praxistauglichkeit eine zentrale Voraussetzung. Nach Einschätzung der Branche wäre eine Sortierkapazität von rund 100.000 Eiern pro Tag erforderlich. Das vom Ministerium als praxisreif bezeichnete Verfahren dürfte mit nach eigenen Angaben derzeit 3.500 Eiern pro Stunde weit hinter dieser Kapazität zurückbleiben.

Breloh sprach von einer Kapazität von bis zu 50.000 Eiern am Tag. Möglich sei aber auch, das mehrere Verfahren parallel laufen und so auch 100.000 Eier täglich sortiert werden können.

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