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Gibt es einen verlässlichen Impfschutz gegen PCV2d?

Gibt es einen verlässlichen Impfschutz gegen PCV2d?
am Donnerstag, 01.04.2021 - 07:40 (Jetzt kommentieren)

Seit längerer Zeit werden im Feld immer wieder sog. Circo-Erkrankungen (Erreger ist das PCV2-Virus) beobachtet, auch wenn die Herde regelmäßig gegen PCV2 geimpft wird. Mögliche Ursachen gibt es viele, von unsachgemäßer Lagerung des Impfstoffes bis hin zu falscher Verabreichung.

Ebenso beobachtet man aber auch immer häufiger das Vorkommen des relativ neuen Genotyps PCV2d in Zusammenhang mit Krankheitserscheinungen in geimpften Herden. Dr. Matthias Eddicks von der Schweineklinik der Universität München berichtete bereits 2018 über derartige Vorkommnisse.

Die kommerziell verfügbaren Impfstoffe gegen Circo enthalten alle ausnahmslos den PCV2a-Genotyp.

In der Fachwelt besteht weitgehend Konsens darüber, dass alle aktuell zugelassenen PCV2a-basierten Impfstoffe ein gewisses Maß an Kreuzschutz gegen den neueren Genotypen PCV2d bieten1.

Dr. Eddicks führte in 2018 besonders das bestehende Problem von im Uterus (also bereits vor der Geburt) infizierten Ferkeln aus und erklärte, dass solche Tiere durch eine Impfung im Alter von 3 Wochen nicht zuverlässig geschützt werden können.

Darüber hinaus belegt neuere Fachliteratur2 inzwischen, dass der Kreuzschutz gegen PCV2d durch PCV2a-basierte Impfstoffe leider nur unvollständig ausgebildet und daher ggf. nicht ausreichend ist, um die Herde wirklich vor klinischen Erkrankungen zu schützen.

In einer neuen Studie aus dem Jahr 2020 (Weissenbacher et al; Veterinary Research (2020) 16:198; https://doi.org/10.1186/s12917-020-02413-4) beziehen sich die Autoren auf verschiedene experimentelle Versuche, die belegen, dass die kommerziell erhältlichen PCV2a-basierten Impfstoffe keinen vollständigen Kreuzschutz gegen andere PCV2-Genotypen induzieren und daher unwirksam sein können. Besonders PCV2d wird mit schweren Erkrankungen, einer gesteigerten Virulenz und schnellerer Übertragung innerhalb der Schweinepopulation assoziiert und könnte daher einfacher eine durch PCV2a impf-induzierte Immunität umgehen.

So können also verschiedene Gründe zu unterschiedlichen Anteilen eine Rolle spielen, wenn trotz Circo-Impfung Probleme mit PCV2d-Erkrankungen auftreten. Eine Verbesserung des Impfschutzes auch gegen den Genotyp PVC2d ist in Anbetracht der aktuellen wissenschaftlichen Literatur wünschenswert. Wirkversprechen für die derzeitigen im Markt befindlichen PCV2a-basierten Impfstoffe im Sinne eines Komplettschutzes gegen alle PCV-Varianten inkl. PCV2d sind daher kritisch zu betrachten.

Quellenangaben:

Ad 1 Seo et al, Veterinary Research 45, Article Number 13, 2014; Jeong et al, Veterinary Microbiology 177 (1-2) 2015; Wei et al, Virus Evol. 2019, 5(2):vez026; Opriessnig et al, Vaccine 38 (8) 2020; Franzo et al, Pathogens 2020, 9(3):221;

Ad 2 Weissenbacher et al; Veterinary Research (2020) 16:198; Karuppannan et Opriessnig, Viruses (2017) May, 9 (5):99; Kolyvushko et al, Veterinary Sciences 2019, 6, 61; Guang-Ting Tsai et al, Scientific Reports 9, Article number 10782 (2019)

https://bmcvetres.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12917-020-02413-4

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