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Wolfsmanagement

Herdenschutz vor Wölfen: Diese Bundesländer übernehmen Kosten zu 100 %

Schafherde hinter Weidezaun
am Sonntag, 19.12.2021 - 05:00 (1 Kommentar)

In Deutschland nimmt die Anzahl der Wolfsrudel zu. Während Naturschützer das als Erfolg verbuchen, sind Tierhalter besorgt. In fast allen Bundesländern mit Wolfsvorkommen gibt es staatliche Zuschüsse für den Herdenschutz von kleineren Nutztieren und Gehegewild. NRW fördert nach Ponyrissen auch Kleinpferde. Welche Maßnahmen förderfähig sind, erfahren Sie hier.

Die Zahl der Wölfe in Deutschland nimmt zu – um bis zu 20 Prozent allein im vergangenen Jahr. In der Herdenschutz-Förderung setzen die Bundesländer unterschiedliche Schwerpunkte. Die meisten setzen auf vorbeugende Maßnahmen, wie Elektrozäune und Herdenschutzhunde, um möglichst viele Nutztierhalter zu fördern. Nicht nur Nutztierhaltende im Haupt- und Nebenerwerb, sondern auch Kleinst- oder Hobbyhalter können Förderungen beantragen. 

In der Regel werden für Herdenschutzmaßnahmen Landesmittel verwendet. Die Finanzierung von Herdenschutzmaßnahmen beträgt in Deutschland ein Vielfaches dessen, was für einen reinen Schadensausgleich ausgegeben wird. So gaben die Länder für Herdenschutzmaßnahmen im Jahr 2020 mit 9.501.690 Euro ein Vielfaches der Ausgleichszahlungen aus, die sich auf 800.294 Euro belaufen. Damit soll die Akzeptanz für die zurückkehrenden Wölfe erhöht und den Betroffenen im ländlichen Raum die Koexistenz mit ihnen erleichtert werden. Ausführliche Informationen und übersichtliche Tabellen finden Sie bei der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW).

In den meisten Bundesländern bekommen Sie Zuschüsse nur dann, wenn Sie den Antrag einreichen, bevor Sie Herdenschutzmaßnahmen anschaffen.

Mit Material von Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW)

Nordrhein-Westfalen weitet den Herdenschutz auf kleine Pferde aus

    Die „Richtlinien Wolf“ des Landes Nordrhein-Westfalen machen die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen in Wolfsgebieten möglich. Neben dem so genannten Grundschutz erlaubt die Erweiterung der Förderrichtlinie auch die Kombination folgender Schutzmaßnahmen:

    1. Anschaffung mobiler Zäune
    2. Material für den Festzaunbau
    3. Aufrüstung bestehender Zäunen
    4. Investition in ausgebildete Herdenschutzhunde

    Nordrhein-Westfalen hat in Wolfsgebieten zum Schutz von Weidetieren die Förderrichtlinie Wolf erweitert. Im Wolfsgebiet Schermbeck hat es seit Oktober wiederholt Übergriffe auf Kleinpferde gegeben. Ab 2022 finanziert das Land hier Herdenschutz-Maßnahmen auch für Kleinpferde wie Ponys, Fohlen und Jungpferde.

    Darüber hinaus wird das Antragsverfahren erleichtert. Im neuen Jahr übernimmt die Landwirtschaftskammer NRW die Prüfung und Förderung von Herdenschutzmaßnahmen vollständig. Bislang waren die zuständigen Bezirksregierungen zuständig.

    "Ziel unserer Wolfspolitik ist es, das Leben mit dem Wolf so konfliktfrei wie möglich zu gestalten und Naturschutz und Herdenschutz in Einklang zu bringen", sagt Ursula Heinen-Esser, Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen.

      Mit Material von www.umwelt.nrw.de

      Wolfsschutz in Bayern: Förderungen gibt es für Herdenschutzmaßnahmen

      Der Freistaat Bayern übernimmt die Kosten für:

      • Kosten für Investitionen in mobile Elektrozäune, elektrifizierte Festzäune oder mobile Ställe (bis zu 100 % möglich).
      • Mobile Elektrozäune und elektrifizierte Festzäune
      • Mobile Ställe (nur für Schafe und Ziegen)
      • Herdenschutzhunde werden bis zu 3.000 Euro je Hund gefördert; ggf. zusätzlich Zubehör und die Umsatzsteuer
      • Wenn Antragsteller die Umsatzsteuer nach § 24 UStG Pauschalieren oder nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, zählt die Mehrwertsteuer zu den Aufwendungen.

      Wer kann in Bayern Fördermittel zum Wolfsschutz beantragen?

      In der landwirtschaftlichen Primärproduktion tätige Unternehmen mit Betriebsstätte in Bayern und private Nutztierhalter, die keine Unternehmen der Landwirtschaft sind.

      Welche Einschränkungen gibt es bei Zuschüssen für die Wolfsabwehr?

      • Mit dem bayerischen Länderprogramm können keine Eigenleistungen, Ersatzinvestitionen, Reparatur- und Unterhaltsmaßnahmen, Haltungskosten der Herdenschutzhunde und der Erwerb gebrauchter Gegenstände gefördert werden.
      • Gefördert werden nur Investitionen in der "Förderkulisse Herdenschutzhunde" bzw. "Förderkulisse Zäune". Die Förderkulissen definiert das Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) Das LfU legt anhand fachlicher Kriterien Gebiete, sog. Förderkulissen, fest und veröffentlicht diese auf der Homepage des LfU.
      • Bei der Eignung von Herdenschutzhunden gelten in Bayern eine Reihe von Einschränkungen. Die Vorgaben sind hier aufgelistet.

      2020 hat Bayern 510.423 Euro für Präventionszahlungen ausgegeben. Die Ausgleichszahlungen waren mit 7.982 Euro vergleichsweise niedrig. 

      Mit Material von Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF)

      Sachsen übernimmt die kompletten Kosten für den Schutz vor Wölfen

      Auch Sachsen finanziert Maßnahmen zur Vermeidung von Nutztierschäden durch Wolfsübergriffe zu 100 Prozent, die Schafe, Ziegen und Gehegewild schützen. Dies gilt sachsenweit für Hobbyhalter wie für Tierhalter im landwirtschaftlichen Haupt- oder Nebenerwerb.

      Sachsen fördert folgende Investitionen zum Herdenschutz:

      •     Material für mobile Elektrozäune (Netz- als auch Litzenzäune)
      •     Breitbandlitze ("Flatterband" als Übersprungschutz)
      •     Herdenschutzhunde
      •     Untergrabschutz bei Wildgattern (inkl. Installationsleistung)

      Hinweis: Bei Antragsstellung in Sachsen müssen Sie die Formulare und mindestens ein Kostenangebot einreichen. Hier können Sie die Richtlinie einsehen und die Antragsformulare downloaden.

      Neben den Zuschüssen für präventiven Herdenschutzes können Schaf- und/oder Ziegenhalter mit mindestens 50 Tieren über die RL SZH/2019 gefördert werden. Das Förderprogramm soll eine nachhaltige Landbewirtschaftung durch Beweidung unterstützen und Konflikte zwischen Artenschutz und Weidehaltung verringern. Das betrifft die laufenden Betriebsausgaben, die für Schutzmaßnahmen vor Schäden durch den Wolf, anfallen. Nähere Informationen sowie Antragsformulare sind über Referat 33/Förderung des LfULG abrufbar: Förderrichtlinie Schaf- und Ziegenhaltung FRL SZH/2021Sachsen investierte 2020 in Präventionsmaßnahmen 1.108.813 Euro und gab 81.068 Euro für Ausgleichszahlungen aus. 

      Mit Material von Sächsische Staatskanzlei (www.sachsen.de)

      Vom Weidezaun zum Herdeschutzhund: Niedersachsen finanziert Maßnahmen im Rahmen der Richtlinie Wolf

      Herdenschutzhund hinter Weidezaun

      Niedersachsen unterstützt Nutztierhalter finanziell, die Präventionsmaßnahmen in Form von wolfsabweisenden Schutzzäunen und Herdenschutzhunden durchführen. Gefördert werden Maßnahmen zum Herdenschutz für die durch Wölfe besonders gefährdeten Nutztierarten Schafe, Ziegen und Gatterwild. Niedersachsen hat letztes Jahr 1.250.000 Euro für Präventionszahlungen ausgegeben. Die Ausgleichszahlungen beliefen sich dagegen auf 214.665 Euro.

       

      Im Rahmen der Richtline Wolf wird Folgendes zur Herstellung eines wolfsabweisenden Grundschutzes gefördert:

      • Elektrisch geladene Nutzgeflecht- oder Litzenzäune mit einer Mindesthöhe von 90 cm
      • Festzäune aus Knotengeflecht oder Maschendraht mit einer Mindesthöhe von 120 cm inkl. Untergrabeschutz
      • Bei Gatterwild: Wildzäune aus Knotengitter oder Maschendraht mit einer Mindesthöhe von 180 cm und zusätzlichem Untergrabeschutz

      Eine Förderung von Herdenschutzmaßnahmen für Rinder und Pferde ist in Einzelfällen möglich. Beispielsweise im Falle eines amtlich bestätigten Wolfsrisses für den direkt betroffenen Betrieb oder auch im Sonderfall für umliegende Betriebe: Wenn drei amtlich bestätigte Wolfsübergriffe auf Rinder oder Pferde innerhalb von 12 Monaten in einem Umkreis von 30 km auftreten, sind im jeweiligen Gebiet für die entsprechende Tierart Herdenschutzmaßnahmen förderfähig.

      Einen Antragsvordruck der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und die Richtlinie Wolf finden Sie online bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

      Mit Material von Landwirtschaftskammer Niedersachsen

      Brandenburg fördert beim Herdenschutz Präventionsmaßnahmen

      Auch Brandenburg fördert Maßnahmen zur Prävention von Wolfsübergriffen auf Weidetiere. Sie sind in der Richtline Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor Schäden durch geschützte Tierarten festgehalten. Neben den Zuwendungen für investive Maßnahmen lassen sich auch laufende Betriebsausgaben zur Vermeidung von Schäden durch den Wolf fördern. 2020 betrugen in Brandenburg die Kosten für Präventionszahlungen 1.821.867 Euro. Die Ausgleichszahlungen kosteten das Land 125.658 Euro.

      Welche Herdenschutzmaßnahmen fördert Brandenburg?

      In Brandenburg erfolgt eine Zuwendung für Maßnahmen

      • des technischen Herdenschutzes (zum Beispiel wolfssichere Zäune),
      • des nicht technischen Herdenschutzes (zum Beispiel Anschaffung Herdenschutzhunde),
      • zusätzliche laufende Betriebsausgaben zum Schutz vor Schäden durch den Wolf an landwirtschaftlichen Nutztieren in Weidehaltung (Herdenschutzhunde, wolfsabweisende Zäune)

      Ansprechpartner für die fachliche Beratung zur Prävention Wolf, Richtlinien und Antragsformulare finden Sie auf den Internetseiten des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK).

       

      Mit Material von Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK)

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