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Tierseuche

Herpesvirus: EHV1-Impfpflicht für Turnierpferde ab Januar 2023

Pferde schauen aus Turniertransporter
am Donnerstag, 20.01.2022 - 14:00 (Jetzt kommentieren)

Das Equine Herpesvirus EHV1 ist hochansteckend und verlustreich. Nach mehreren Infektionsfällen im vergangenen Jahr hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) nun eine Impfpflicht für Turnierpferde beschlossen.

Herpesviren sorgen in Nutztierpopulationen immer wieder für herbe Verluste. Das gilt auch für die Pferdehaltung. Vor allem Reit- und Fahrturniere wirken hier nicht selten als Hot Spots für die Virenverbreitung.

Im vergangenen März infizierten sich zahlreiche Sportpferde auf einem Turnier in Spanien mit dem Equinen Herpesvirus EHV1. Mehrere Tiere verstarben schon vor Ort, andere trugen das Virus in ihre Heimatställe und sorgten dort für weitere Verluste.

FN legt Impfpflicht für Turnierpferde ab Januar 2023 fest

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat inzwischen auf diese Gefährung reagiert: Ab dem 1. Januar 2023 gilt für Turnierpferde eine EHV1-Impfpflicht.

Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfungen. Die erste und zweite Vakzinierung müssen bei Inaktivatimpfstoffen im Abstand von mindestens 28 und höchstens 42 Tagen und bei Lebendimpfstoffen innerhalb von drei bis höchstens vier Monaten erfolgen. Eine dritte Impfung wird nach maximal sechs Monaten verabreicht (gilt sowohl für Inaktivat- als auch für Lebendimpfstoffe).

Auffrischungsimpfungen sind innerhalb von jeweils sechs Monaten durchzuführen. In der Vollblutzucht ist eine solche Impfung für alle Tiere in einem Zuchtbestand bereits seit 1984 Pflicht. Ein einigermaßen sicherer Schutz besteht nur, wenn alle Pferde einer Stallanlage geimpft sind.

Vereinzelte geimpfte Pferde können trotzdem erkranken, meist allerdings mit leichterem Verlauf. Ziel der Impfung ist aber vor allem, die Virenlast und damit die Ansteckung weiterer Tiere zu vermindern.

Rechtzeitig einen Impfplan aufstellen!

In Deutschland sind zwei Inaktivat- und ein Lebendimpfstoff für die Immunisierung gegen EHV1 zugelassen. Bei den ersten beiden Impfungen der Grundimmunisierung darf dabei nicht zwischen Inaktivat- und Lebendimpfstoff gewechselt werden.

Ein Turnierstart ist erst 14 Tage nach der zweiten Impfung der Grundimmunisierung möglich. Zwischen der dritten Impfung der Grundimmunisierung sowie Wiederholungsimpfungen und einer Turnierteilnahme müssen sieben Tage vergangen sein. 

Für Pferdehalter mit sportlichen Ambitionen heißt das, bereits jetzt die notwendigen Impftermine zu planen, damit ihr Pferd im Januar 2023 ausreichend geschützt ist.

So äußert sich EHV1 bei infizierten Pferden

EHV1 verursacht bei Pferden eine Vielzahl von teils fatalen Symptomen. Erste Anzeichen für eine solche Herpesinfektion können folgende sein:

  • Atemwegsprobleme
  • (hohes) Fieber
  • Appetitlosigkeit
  • Lethargie
  • Nasenausfluss
  • geschwollene Lymphknoten
  • nervöse Störungen
  • Lähmungserscheinungen
  • dauerhafte Rückenmarksschädigungen
  • Aborte im letzten Trächtigkeitsdrittel

Vor allem die Nervensystemsymptomatik ist hochgefährlich und kann schnell zum Tod oder zu unheilbaren Schäden führen. Sollten Pferde in Ihrem Stall entsprechende Symptome aufweisen, müssen sie sofort isoliert und ein Tierarzt benachrichtigt werden.

Ansteckungsgefahr für den Menschen oder andere Haustiere (mit Ausnahme von Eseln, Maultieren etc.) besteht nicht.

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