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Geflügel

Hofreport: Neue Küken im Hähnchenstall

von , am
03.06.2013

Lengerich - Tag Null eines neuen Durchgangs bei Hähnchenmäster Eilers: Wie die Eilers ihre zwei Ställe vorbereiten und was für die Herde zu Beginn besonders wichtig ist, lesen und sehen Sie hier.

Morgens um acht Uhr fährt der LKW der nahe gelegenen Brüterei vor: 78.000 frisch geschlüpfte Küken, aufbewahrt in grünen Transportkisten, schieben Beate und Alfons Eilers nach dem Ausladen in die Hähnchenställe. Hilfe bekommen sie heute von ihren zwei Kindern, der 13-jährigen Sigrid und dem 12-jährigen Felix, von einer Nichte und einer Nachbarin.
 
Gemeinsam leeren sie die Kisten. Schnell verteilen sich die Tiere auf den mit Kükenpapier ausgelegten Gängen zwischen den Wasserlinien und den Futterbahnen. Auf dem Papier liegt Starterfutter. Sofort beginnen die Küken zu fressen.
 
Sägespäne statt Strohgranulat
 
Gestern sind die Hähnchen der Sorte Ross 708 geschlüpft. Sie haben jetzt ein Gewicht von 40 bis 45 Gramm pro Tier. Nach der ersten Woche wiegen sie etwa 170 Gramm, nach der zweiten Woche schon 400 bis 450 Gramm. Die Elterntiere der neuen Herde waren 32 Wochen alt und somit relativ jung. Das ist auch der Grund, weshalb die Eilers für diesen Durchgang Sägespäne eingestreut haben. Sonst nutzen sie häufig Strohgranulat. Auf den Sägespänen können die eher kleinen Küken dieses Durchgangs aber besser laufen. Außerdem würden sie das Strohgranulat fressen. Das möchte Alfons Eilers aber vermeiden: "Um gut zu starten, sollen die neuen Küken das Starterfutter fressen. Das bekommen sie bis zum 9. oder 10. Tag und es ermöglicht gerade in der Anfangsphase eine gleichmäßigere Futteraufnahme." Weizen ist darin geschrotet und gepresst enthalten und wird von den Eilers erst später als ganzes Korn zugefüttert.
 
Stall reinigen und desinfizieren
 
Den vorangegangenen Durchgang haben die Hähnchenmäster in der letzten Woche ausgestallt. Seitdem haben sie die Ställe für die neuen Küken vorbereitet. Die Futtertröge haben sie zunächst mit einem Laubgebläse gereinigt. Nach dem Ausmisten, das von einem externen Unternehmen erledigt wird, haben sie den Stall ausgefegt.
 
Über die Einweichanlage wurden der gesamte Innenraum und das Zubehör wie Gummistiefel, Schaufeln, Wagen etc. über Nacht anschließend eingeweicht. Zum Reinigen und Desinfizieren kommt ebenfalls ein externes Unternehmen. Der Stall inklusive der Wasserlinien und Futtertröge sowie deren Zuleitungen und das gesamte Equipement wurden mit speziellen Hochdruckreinigern abgesprüht. Dem Wasser werden dabei Reinigungs- und Desinfektionsmittel zugesetzt. Dieses Mal haben Beate und Alfons die Ställe außerdem mit Formalin ausgasen lassen. Das Gas wirkte über Nacht ein. Diese zusätzliche Maßnahme steht zwei bis dreimal im Jahr an.
 
"Wunderbares Gerät" trocknet Boden
 
Schließlich werden die Hähnchenställe getrocknet. Alfons Eilers stellte dafür den Wärmetauscher an: "Pro Stall haben wir einen Wärmetauscher installiert. Mit diesen Geräten sparen wir nicht nur Heizkosten, sondern nutzen sie auch, um Feuchtigkeit aus der Stallluft zu filtern."
 
Zur Trocknung des Stallbodens hat sich die Familie im vergangenen Jahr ein "wunderbares Gerät" angeschafft: "Wir haben ein einseitiges Gefälle im Stall und mussten zur Trocknung vorher immer das Wasser mit einem Gummibesen bis zu 20 Meter über den Boden ziehen. Das war uns zu aufwendig. Wir haben uns schließlich einen großen Gewerbestaubsauger gekauft. Der zieht auch das Wasser auf, hat 6.000 Watt und in den Auffangbehälter passen ca. 50 Liter. Das reicht für einen ganzen Stall und macht sogar den Kindern Spaß."
 
Nachdem der Stall sauber war, konnten die Eilers notwendige Reparaturen beauftragen. Eine Lampe wurde repariert, ein paar Zuluftklappen ausgetauscht. Schließlich brachte Alfons Eilers die Sägespäne mit einer Einstreumaschine aus und stellte die Heizung an. Beim Einstallen soll die Lufttemperatur bei 36 Grad Celsius líegen - genau richtig für die frisch geschlüpften Tiere. Wichtig für die Entwicklung der Küken ist aber auch die Temperatur der Bodenplatte. Sie muss zum Einstallen mindestens 28 Grad Celsius betragen. Das gibt die Firma Rothkötter vor, über die der Betrieb die Hähnchen vermarktet. Nur wenn die Bodenplattentemperatur diesen Wert hat, fühlen sich die Küken wohl und verteilen sich gleichmäßig im Stall.
 
Trinken auf Augenhöhe
 
Die Tränkelinien hängt Beate Eilers zu Beginn der Mast etwa auf Augenhöhe der Küken. Vor Beginn des Durchgangs werden sie mit Wasserstoffperoxid-Lösung (0,15 %) durchgespült, die über Nacht einwirkt. Das Wasser kommt mit etwa 12 Grad Celsius aus der eigenen Brunnenanlage. Es hat nach der Enteisenung eine gute Qualität. In den Wasserlinien im Stall wärmt es sich schließlich auf etwa 20 ° C auf. 
 
Heute, bevor die neuen Küken kamen, hat Beate Eilers noch einmal frisches Wasser durch die Leitungen laufen lassen: "Die Tiere sollen direkt ab ihrem Eintreffen ausreichend trinken, im Durchschnitt am ersten Tag etwa 23 Milliliter pro Tier, am Ende der ersten Woche nehmen sie dann schon 60 bis 70 Milliliter pro Tag zu sich. Sie trinken unser Wasser immer gerne."
 
Tierärztin beurteilt Kükenqualität
 
Nach eineinhalb Stunden sind alle Küken im Stall. Bei einer kurzen Pause mit frischen Brötchen kühlen sich die Einstall-Helfer ab. Dann kommt die Tierärztin. Dr. Ulrike Eggelmeyer soll die neue Herde begutachten. Am Tag Null schaut die Fachtierärztin für Geflügel nach der Kükenqualität und nach den Bedingungen im Stall: Wie verteilen sich die Tiere dort, Wie ist das Stallklima? Wie laufen die Hähnchen? Die Tierärztin hat bei den Eilers einen guten Eindruck: "Der Stall ist ordentlich aufgeheizt, das Klima ist gut."
 
Mit Beate Eilers spricht Dr. Eggelmeyer über eine mögliche Gumboro-Impfung. Anhand der von ihr genommenen Blutproben wird in den nächsten Tagen feststehen, wann, mit welchem Impfstoff und wie oft diese Impfung vorzunehmen ist. Das Gumboro-Virus ist ein Erreger, der zum Tod der Tiere führen kann. Durch gezieltes Impfen können die Hähnchen gegen den Erreger immunisiert werden, das heißt, sie erkranken dann nicht mehr, wenn sie damit in Kontakt kommen.
 
Zusatz ins Trinkwasser
 
Einmal pro Durchgang muss die Tierärztin beim Mäster vorbeischauen, meist kommt sie aber zwei- oder dreimal: "Bei Hähnchen gibt es immer wieder Lebensphasen, die wir besonders aufmerksam begleiten müssen." Die Küken tragen zum Beispiel in den ersten drei Lebenstagen noch die Reste des Dottersacks in sich. In der Zeit könnten die Tiere auf diese eigenen Reserven zurückgreifen, wenn sie beispielsweise kein Futter bekommen würden. Steht der Dottersack danach nicht mehr zur Verfügung, müssen die Tiere alle lebenswichtigen Stoffe aus dem Futter und dem Trinkwasser resorbieren. "Während dieser Umstellungsphase setzen wir, und das werde ich den Eilers empfehlen, dem Trinkwasser vorsorglich Vitamin D3 sowie Phosphor und Kalzium zu. Dann treten Mangelerscheinungen gar nicht erst auf", erklärt Dr. Eggelmeyer und verabschiedet sich. 
 
Bevor Beate Eilers vormittags den Stall verlässt, schaut sie noch einmal, ob Heizung, Wasserzufuhr und Belüftung passend eingestellt sind. Mindestens dreimal täglich wird die Hähnchenmästerin in den kommenden Wochen bei den Tieren sein. Das Team der Hofreporter ist Ende Juni wieder dabei, wenn der Vorfang ansteht.
 
 
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