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Geflügel

Hohe Keimbelastung bei Masthähnchen und Geflügelfleisch

von , am
11.03.2015

Laut aktuellem Bericht des Zoonosen-Monitorings 2013 hat sich die Keimbelastung bei Geflügel kaum reduziert. 50 Prozent der untersuchten Schlachtkörper waren stark kontaminiert - inbesondere mit Campylobacter und MRSA.

Frisches Hähnchenfleisch war mit 37,5 % der Proben wiederholt mit Campylobacter belastet. © Peter Smola/pixelio.de
Die Ergebnisse des Zoonosen-Monitorings 2013, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) kürzlich veröffentlicht hat, zeigen, dass bei der Reduzierung der Keimbelastung von Masthähnchen und frischem Hähnchenfleisch in den letzten fünf Jahren keine Fortschritte erzielt wurden. Auch antibiotikaresistente Keime wie MRSA und ESBL-bildende Bakterien wurden häufig in der Hähnchenfleischkette nachgewiesen.
 
"Die hohen Kontaminationsraten der Schlachtkörper von etwa 50 % mit potentiell krankmachenden Keimen verdeutlichen, dass die Geflügelschlachthygiene umfassend verbessert werden muss", so das Fazit des BVL.

Campylobacter: Rate erhöht

Die Kontaminationsrate der Schlachtkörper von Masthähnchen mit Campylobacter hat sich im Vergleich zum Zoonosen-Monitoring 2011 um 12 Prozent erhöht. Auch frisches Hähnchenfleisch war mit 37,5 % positiver Proben wiederholt häufig mit Campylobacter belastet. Etwa 20 % der Schlachtkörperproben wiesen Keimzahlen oberhalb des in der EU diskutierten Grenzwertes für Campylobacter von 1.000 KbE/g auf. Angesichts der hohen Zahl an Erkrankungen des Menschen an einer Campylobacter-Infektion besteht aus Sicht des gesundheitlichen Verbraucherschutzes Handlungsbedarf. Die Anstrengungen zur Einhaltung guter Hygienepraktiken bei der Geflügelschlachtung müssen intensiviert werden.

MRSA: 50 Prozent der Schlachthühner positiv

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) wurden auf etwa der Hälfte der Masthähnchenschlachtkörper (49,0 % positive Halshautproben) und in rund 20 % der Proben von frischem Hähnchenfleisch nachgewiesen. Die Schlachtkörper von Mastrindern (5,0 % positive Proben) und frisches Rindfleisch (5,5 % positive Proben) waren im Vergleich dazu deutlich seltener mit MRSA kontaminiert.
 
Bei den nachgewiesenen MRSA-Typen handelte es sich überwiegend um sogenannte „Nutztier-assoziierte“ MRSA-Stämme, so dass von einer Übertragung der Keime von den Tieren auf die Lebensmittel im Zuge der Lebensmittelgewinnung auszugehen ist. Nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft ist der Verzehr oder die Handhabung von mit MRSA kontaminierten Lebensmitteln nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden, durch diese Bakterien besiedelt oder infiziert zu werden.

ESBL: Frisches Hähnchenfleisch zu 60 % belastet

ESBL/AmpC-bildende E. coli wurden in über 60 % der Proben von frischem Hähnchenfleisch nachgewiesen. Die Bedeutung der unterschiedlichen Übertragungswege von ESBL/AmpC-bildenden E. coli ist Gegenstand intensiver Forschung. Nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand ist aber davon auszugehen, dass ESBL/AmpC-bildende E. coli auch über Lebensmittel auf den Menschen übertragen werden können.

Salmonellen: Rapspresskuchen kontaminiert

Erstmalig wurden im Zoonosen-Monitoring auch Futtermittel untersucht. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass durch die Verfütterung von Rapspresskuchen (2,1 % positive Proben) an Lebensmittel liefernde Tiere ein Eintrag von Salmonellen in die Lebensmittelkette möglich ist. Dies verdeutlicht, dass höchste Anforderungen an die Qualität der eingesetzten Saaten und die Hygiene in den Anlagen gestellt werden müssen, um salmonellenfreie Futtermittel herzustellen.

Rückgang der Resistenzen

Im Vergleich zu den Vorjahren wurde im Zoonosen-Monitoring 2013  tendenziell ein Rückgang der Resistenzen beobachtet.
  • 44,4 % der Salmonella-Isolate aus Hähnchenfleisch und 23,7 % der Isolate von Masthähnchenschlachtkörpern waren resistent gegenüber den getesteten Antibiotika.
  • Etwa die Hälfte der Campylobacter jejuni-Isolate aus der Rindfleischkette war resistent gegen alle Substanzen. Der durchschnittliche Anteil resistenter Isolate in der Hähnchenfleischkette lag dagegen bei rund 66 %. Insbesondere wiesen die Isolate von Masthähnchen eine höhere Resistenzrate gegenüber Fluorchinolonen (47,5 % Ciprofloxacinresistenz) auf als Isolate vom Rind (39,4 %).
  • E. coli-Isolate aus Hähnchenfleisch wiesen deutlich höhere Resistenzraten von etwa 80 % auf als Isolate aus Rindfleisch, die zu etwa 30 % resistent waren. Als positiv zu bewerten ist die im Jahr 2013 im Vergleich zu 2011 beobachtete geringere Resistenzrate von Isolaten aus Hähnchenfleisch gegenüber dem in der Humanmedizin bedeutenden Wirkstoff Ciprofloxacin, die von 52,3 % auf 39,1 % gesunken ist.
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