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Geflügel

Holländische Forscher hadern mit EU-Geflügelpeststrategie

von , am
24.08.2011

Wageningen - In den Niederlanden könnte ein erneuter Ausbruch der Geflügelpest ähnlich folgenschwere Auswirkungen haben wie ein Seuchenzug vor acht Jahren.

Nach dem Ausbruch der gefährlichen Vogelgrippe H5N8 in Niedersachsen sind zunächst keine weiteren Fälle festgestellt worden. © Mühlhausen/landpixel
Davor warnen Wissenschaftler der Universität Wageningen in einem Bericht, mit dem sie zur Politikberatung beitragen wollen. Auf der Grundlage von Simulationen zu verschiedenen Ausbruchsszenarien kommen sie zu dem Schluss, dass die gegenwärtige EU-Bekämpfungsstrategie nicht ausreicht, um in Gebieten mit hoher oder mittelstarker Geflügeldichte eine Epidemie zu stoppen.
 
Als Anforderungen der EU sehen die Forscher eine "minimale Kontrollstrategie zur Bestandsräumung auf infizierten landwirtschaftlichen Betrieben, eine Regulierung von Tiertransporten in betroffenen Gebieten, Überwachung in Schutz- und Monitoringzonen sowie die Rückverfolgung von risikoreichen Kontakten".

Notimpfungen nicht gleichermaßen effektiv

In Gebieten mit hoher Geflügeldichte reiche diese Strategie nicht, um eine Epidemie effektiv einzudämmen. Wie die Wissenschaftler aus Wageningen feststellen, können vorsorgliche Keulungen von Geflügel den Seuchenzug verkürzen, verstärken aber dessen Auswirkungen, da mehr Farmen von den Tötungen der Tiere betroffen sind. Notimpfungen seien zur zeitlichen Verkürzung einer Epidemie nicht gleichermaßen effektiv; sie begrenzten die Folgen des Seuchenzugs aber auf ein Minimum. Für ausreichend halten die Forscher die EU-Strategie hingegen bei Ausbrüchen in Gebieten mit geringer Geflügeldichte.

Keulung auf 20 Betrieben pro Tag ausreichend

Mit Blick auf die Tötung von Geflügel halten die Wissenschaftler aus Wageningen eine "Kapazität" von 20 abzuarbeitenden landwirtschaftlichen Betrieben pro Tag für ausreichend, um innerhalb eines Tages nach Seuchennachweis die Keulung durchzuführen. Das gilt laut ihren Erkenntnissen für alle in den Szenarien durchgespielten Bekämpfungsstrategien. Für nicht sinnvoll wird eine Ausweitung des Gebietes, in dem gekeult werden muss, von einem 3- auf einen 10-km Radius gehalten, und zwar wegen der begrenzten Kapazitäten zur Tötung der Tiere. Die Kombination von vorsorglichen Tötungen in einem engeren Umkreis mit einer Impfung in einem größeren Radius habe gegenüber einer ausschließlich auf Keulung basierenden Strategie keinen Mehrwert, so die Wissenschaftler weiter.

Impfung von Hobbybeständen empfohlen

Blieben Hobbyhaltungen bei vorsorglichen Keulungen außen vor, würde sich das auf den Verlauf eines Seuchenzugs in kommerziellen Betrieben nicht auswirken. Präventivmaßnahmen wie die vorsorgliche Impfung von Hobbybeständen sollten aber vorgenommen werden, um eine Infektion der Eigentümer zu verhindern. Mit einem folgenschweren Seuchenzug der Geflügelpest hatten die Niederlande 2003 zu kämpfen, als nach einem Ausbruch des Erregerstamms H7N7 rund 30 Millionen Tiere gekeult werden mussten. Die Bestände auf fast 1.350 kommerziellen Farmen und mehr als 16.500 Kleinbetrieben mussten laut der Studie ausgelöscht werden. Die resultierenden direkten Verluste beziffern die Autoren der Universität Wageningen auf rund 270 Millionen Euro. Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen seien auch große gesellschaftliche Folgen zu verzeichnen gewesen, heißt es in der Studie. Die massive Keulung von Tieren auf Kleinbetrieben habe zu Unmut geführt. Zudem sei ein Tierarzt an einer Infektion mit der Geflügelpest gestorben.
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