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Geflügelpest

Immer mehr Geflügelhalter müssen ihre Tiere keulen

Mastputen in einem Stall
am Montag, 29.03.2021 - 13:47 (1 Kommentar)

Noch nie musste so viel Geflügel gekeult werden wie seit Beginn des aktuellen Geflügelpest-Seuchenzugs im Oktober 2020. Mit einem Verlust von 1 Mio. Tieren ist Niedersachsen am härtesten getroffen. Ein Aufzuchtbetrieb aus Nordrhein-Westfalen lieferte Junghühner nach Baden-Württemberg und Thüringen.

Wie der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) gegenüber agrarheute mitteilte, wurden seit Bestätigung des ersten infizierten Nutzgeflügels im November 2020 bis heute etwa 1,5 Mio. Tiere gekeult. Beim Seuchenzug 2016/17 waren es etwa 880.000 Stück.

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Babara Otte-Kinast (CDU) berichtete vor einer Woche von 64 Ausbrüchen der aviären Influenza im Land. In Baden-Württemberg besteht nach Angaben des dortigen Landwirtschaftsministeriums bei 60 Geflügelhaltungen ein Verdacht auf Geflügelpest.

Auch 26 Betriebe in Thüringen müssen mit Ausbrüchen in ihren Beständen rechnen. In Schleswig-Holstein waren bisher zehn Hausgeflügelhaltungen betroffen.

Wiederaufstallungsverbote und verschärfte Maßnahmen in Niedersachsen

Mehr als 17.000 Proben von Hausgeflügel seien bisher in Niedersachsen auf die Geflügelpest getestet worden, teilte Otte-Kinast bei einem Gespräch mit Geflügelhaltern mit. Tag und Nacht arbeiteten die Labormitarbeiter an der Untersuchung der Proben. Wegen der zahlreichen betroffenen Wildvögelpopulationen und der hohen Infektiosität sei für die kommenden Wochen von weiteren Ausbrüchen in Nutzgeflügelbeständen auszugehen.

Deshalb hätten die Biosicherheitsmaßnahmen verschärft und die Landkreise Wiederaufstallungsverbote anordnen müssen, so Otte-Kinast. Außerdem müssten die Schlachttiere aus Restriktionsgebieten möglichst früh abgeliefert werden. Ziel sei es, den Geflügelbestand im Bundesland zeitweise zu reduzieren.

38 der 64 Gelfügelpest-Ausbrüche in Niedersachsen sind laut Otte-Kinast dem Landkreis Cloppenburg zuzurechnen. Hier habe es bisher in 34 Putenmast-, drei Entenmast und einem Hähnchenmastbetrieb Infektionen gegeben. Insgesamt seien im Bundesland bisher zehn Landkreise beziehungsweise kreisfreie Städte von der Vogelgrippe betroffen.

Aufzuchtbetrieb aus Nordrhein-Westfalen belieferte zahlreiche Betriebe

Der Aufzuchtbetrieb aus dem Raum Paderborn, bei dem die Geflügelpest amtlich nachgewiesen wurde, belieferte 16 Kreise beziehungsweise Städte in Baden-Württemberg. In Thüringen habe es insgesamt 94 direkte und indirekte Kontaktbestände gegeben, die sich über zehn Landkreise und die Städte Erfurt und Weimar verteilten. Die 26 Geflügelbetriebe mit konkreten Verdachtsfällen aufgrund klinischer Befunde befänden sich in den Landkreisen Weimarer Land, Saalfeld-Rudolstadt, Saale-Orla-Kreis, Sömmerda, Saale-Holzlandkreis und in der Stadt Erfurt. Unter Hochdruck arbeiteten die Veterinärbehörden in Thüringen daran, weitere betroffene Bestände zu ermitteln.

In Baden-Württemberg wurden die Junghühner aus Paderborn an viele Kleinsthaltungen geliefert. Insgesamt besteht laut Landwirtschaftsministerium in Stuttgart nun bei 60 Geflügelhaltungen ein Verdacht auf Vogelgrippe. Es seien schnell die notwendigen Maßnahmen eingeleitet worden, um eine Ausbreitung auf andere Betriebe zu verhindern. Betriebe, die seit Anfang März Junghennen aus Nordrhein-Westfalen erhalten haben, müssen sich beim zuständigen Veterinäramt melden.

Darüber hinaus seien die Veterinärämter noch mit der Nachverfolgung der Lieferwege beschäftigt, teilte das Ministerium mit. Die meisten Lieferwege endeten im Südwesten Baden-Württembergs.

Bisher 17.000 tote Wildvögel in Schleswig-Holstein

Neben der Geflügelwirtschaft sieht Jan-Philipp Albrecht, Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein (Grüne), die Wildvogelpopulation als besonders gefährdet an. Bislang seien etwa 17.000 Wildvögel verendet – seit fünf Monaten würden Tag für Tag tote Vögel aufgefunden, so Albrecht. Das Bundesland sei damit am stärksten und am flächendeckendsten betroffen.

Bei 100 Vogelarten sei die Geflügelpest in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden. In Hausgeflügelhaltungen seien zehn Ausbrüche verzeichnet worden, die 134.000 Keulungen zur Folge hatten.

Mit Material von Agra-Europe (AgE)

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