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Eiweißfuttermittel

Immer mehr Rapsschrot landet im Futtertrog

Josef Koch, dlz agrarmagazin
am
01.08.2017

Deutsche Bauern verfüttern immer mehr Rapsschrot. Bald könnte sogar Sojaschrot vom ersten Platz verdrängt werden. Leguminosen spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle.

Rapsabtanken auf Anhänger

Vergangenes Jahr haben deutsche Landwirte erstmals 4 Millionen Tonnen Rapsschrot verfüttert, so viel wie noch nie. Damit verfestigt Raps seinen Status als bedeutendstes heimisches Eiweißfuttermittel.

Den Spitzenplatz bei den Eiweißfuttermitteln belegt dagegen nach wie vor das proteinreiche Sojaschrot, dessen Verbrauch im Jahr 2016 laut aktuellen Zahlen von Oil World 4,2 Millionen Tonnen betrug.

Derzeit stammen zwei Drittel aller in Deutschland verbrauchten Eiweißfuttermittel aus Importen. Mittelfristig bleiben nach Auffassung des Verbandes der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID) damit Soja-Einfuhren aus Nord- und Südamerika weiterhin die tragende Säule für die deutsche Versorgung mit Eiweißfuttermitteln.
 

Raps: 60 Prozent fürs Futter

Gemessen an seinem qualitativ hochwertigen Eiweiß mit wertvollen Aminosäuren sowie seinem Energiegehalt ist Sojaschrot anderen eiweißliefernden Rohstoffen überlegen. Gerade Legehennen, Hähnchen oder Puten sind auf dieses hochwertige Eiweiß angewiesen. Zudem haben die Unternehmen der agrarwirtschaftlichen Wertschöpfungskette in der Vergangenheit große Anstrengungen unternommen, damit mehr und mehr nachhaltig zertifiziertes Soja nach Europa gelangt.

Gleichzeitig gewinnt Raps immer mehr an Bedeutung: Seit 2004 hat sich der Verbrauch an Rapsschrot in Deutschland von 2 auf 4 Millionen Tonnen verdoppelt. Zuletzt stagnierte jedoch die Entwicklung. „Dieser beeindruckende Zuwachs ist ein positiver Nebeneffekt der heimischen Biodiesel-Produktion. Die Zahlen belegen: Raps ist keine reine ‚Energiepflanze‘, wie fälschlicherweise oft unterstellt wird. Vielmehr fällt bei der Erzeugung von Rapsöl auf Ebene der Ölmühlen zu 60 Prozent Futter an.

Zusätzlich entsteht bei der Weiterverarbeitung zu Biodiesel Glycerin – ein wichtiger Bestandteil von Zahnpasta, Handcremes oder Kaugummi. Zwei Drittel der Rapssaaten werden damit außerhalb des energetischen Sektors genutzt!“, betont Wilhelm F. Thywissen, Präsident von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland.
 

Ölsaaten sind effizienter als Leguminosen

Daneben nimmt der Anbau alternativer Eiweißquellen zu: Neben Soja aus dem Donauraum sind dies die viel diskutierten heimischen Körnerleguminosen wie Futtererbse, Ackerbohne und Lupine. Zahlen von Oil World belegen, dass die Ernte von Körnerleguminosen in den Jahren bis 2014 mit knapp 0,3 Millionen Tonnen nahezu unverändert blieb. Erst die Greening-Vorgaben ab 2015 brachten neue Impulse zur Ausweitung des Anbaus, sodass die Produktionsmenge in 2016 auf 0,5 Millionen Tonnen stieg.

Thywissen dazu: „Im Unterschied zu den politisch und medial gehypten heimischen Körnerleguminosen sind Ölsaaten in der Fläche deutlich effizienter und liefern zusätzlich Pflanzenöl. Das gewonnene Öl ist ein begehrter Rohstoff nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für die chemische Industrie.“

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