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Impfservice erfolgreich angelaufen

Impfservice erfolgreich angelaufen
am Montag, 07.09.2020 - 07:19 (Jetzt kommentieren)

Die Impfung gegen Ebergeruch gewinnt derzeit stark an Bedeutung, seit Ende 2019 ist es dabei auch möglich die Schweine von Impfteams des Herstellers Zoetis impfen zu lassen.

Obwohl die Impfung gegen Ebergeruch bereits seit >20 Jahren weltweit im Einsatz ist, ist der Anteil geimpfter Schweine in Deutschland erst im letzten halben Jahr stark gestiegen. Die Gründe für diesen Anstieg sind zum einen, dass sich die Vermarktungssituation deutlich verbessert hat und zum anderen, dass jetzt die Möglichkeit besteht, die Tiere gegen ein Entgelt von einem Impfteam impfen zu lassen. Diese Möglichkeit kommt gerade Mastbetrieben entgegen, bei denen sich die Impfung sonst nur schwierig in den Betriebsablauf integrieren lässt. Derzeit arbeiten bereits rund 20 Impftechniker bei Zoetis, wobei geplant ist, das Team auf bis zu 45 Personen aufzustocken. Der Service wird dabei, deutschlandweit, allen schweinehaltenden Betrieben angeboten.

Ablauf des Services

Der Service beinhaltet die Applikation des Impfpräparates und die anschließende Nachkontrolle anhand des Eberverhaltens. Der Bezug erfolgt weiterhin, wie bei allen Tierarzneimitteln, über den bestandsbetreuenden Tierarzt. Auch sind eine Schulung und Zertifizierung des Betriebsinhabers erforderlich, genau wie bei Betrieben, welche die Impfung selbst durchführen. Die Zertifizierung kann bequem online durchgeführt werden. Da die Methode bei korrekter Durchführung genauso sicher ist wie eine chirurgische Kastration1,2,3, bietet Zoetis (unter bestimmten Bedingungen) zudem eine Garantie auf Freiheit von Ebergeruch an. Zudem kann der Service kostenfrei getestet werden.

Verbesserte Wirtschaftlichkeit

Wie Berechnungen des bundeseigenen Thünen-Instituts zeigen4, weisen gegen Ebergeruch geimpfte Tiere gegenüber Kastraten eine verbesserte Wirtschaftlichkeit auf. Der Grund liegt u.a. in den besseren biologischen Leistungen: So weisen (geimpfte wie ungeimpfte) Eber z.B. gegenüber Kastraten eine verbesserte Futterverwertung auf, da die Kastration den Stoffwechsel des Schweins negativ beeinflusst. Auch wird laut VEZG für kastrierte Ferkel ab dem 01.01.2021 ein Kastrationszuschlag von 2€ für die Gesamtpartie (=4€ / männlichem Schwein) erhoben5, was die Wirtschaftlichkeit gegen Ebergeruch geimpfter Schweine für den Mäster weiter verbessert.

Impfservice erfolgreich angelaufen
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Einheitliche Bezahlung ist wünschenswert

Die Bezahlung der gegen Ebergeruch geimpften Tiere ist derzeit noch uneinheitlich. Während einige mittelständische Schlachtunternehmen die Tiere nach der „normalen“ Schlachtmaske ohne Abzüge bezahlen, nehmen andere Unternehmen noch Abzüge vor, wobei natürlich auch die generellen Unterschiede zwischen den jeweiligen Schlachtmasken zu beachten sind. Da die Fleisch-/Verarbeitungsqualität vergleichbar zu der von weiblichen Schweinen ist6, wäre es aber folgerichtig, wenn es zukünftig nur noch zwei Kategorien von Schweinefleisch in Deutschland gäbe: Eberfleisch und Schweinefleisch (von gegen Ebergeruch geimpften, kastrierten oder weiblichen Schweinen), und auch entsprechend nur in diesen beiden Qualitätsstufen bezahlt wird.

1: http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/EPAR_-_Scientific_Discussion/veterinary/000136/WC500064057.pdf
2: Poulsen Nautrup et al. (2018): The effect of immunization against gonadotropin-releasing factor on growth performance, carcass characteristics and boar taint relevant to pig producers and the pork packing industry: A meta-analysis. Res Vet Sci. 2018 Jun 15;119:182-195.
3: Sattler et al. (2014): Effect of time of second vaccination on feed intake, carcass quality and fatty acid composition of male fatteners compared to entire boars and barrows. Berl Münch Tierärztl Wochenschr. 2014 Jul-Aug;127 (7-8):290-6.
4: Thünen Working Paper 110 | https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn060351.pdf
5: https://www.vezg.de/news/ab-2021-werden-ferkelnotierungen-angepasst.html
6: Stiebing (2019): Ohne jede Einschränkung geeignet. Artikel Fleischwirtschaft 9/2019 MM-09677

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