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Gesundheit

Infektionskrankheiten: Was Sie über Zoonosen wissen sollten

Das Coronavirus breitet sich wieder stärker aus
am Mittwoch, 26.08.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Der Begriff „Zoonose“ ist seit dem Ausbruch des Coronavirus in aller Munde. Doch was sind Zoonosen eigentlich? Wir haben uns die Infektionskrankheiten einmal genauer angesehen.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) zählen Zoonosen zu Infektionskrankheiten, die wechselseitig zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können.

Erreger von Zoonosen sind:

  • Bakterien
  • Parasiten
  • Pilze
  • Prionen
  • Viren

Was bedeutet "Zoonose"?

Der Begriff Zoonose leitet sich aus den griechischen Wörtern zoon (Lebewesen) und nosos (Krankheit) ab. Zu den bekanntesten Zoonosen zählen Vogelgrippe, Schweinegrippe, Tollwut, FSME, EHEC und Kryptosporidien.

In der Tabelle finden Sie eine Übersicht über die häufigsten Zoonosen.

Welche Übertragungswege für Zoonosen gibt es?

So vielfältig wie die Erkrankungen sind auch die Übertragungswege: Der enge Kontakt zum infizierten Tier und die Tröpfcheninfektion ist nur eine Gefahrenquelle.

Häufig finden Infektionen durch kontaminierte Lebensmittel wie etwa Milch, Eier und Fleisch statt oder sie werden durch einen Vektor wie beispielsweise Stechmücken oder Zecken übertragen.

Wie entsteht eine Zoonose?

Täglich übertragen Tiere Erreger auf andere Tiere oder auf den Menschen. Zoonosen gab es schon immer. Damit es zu einer Pandemie, also einer Ausbreitung der Krankheit über Kontinente und Ländergrenzen hinaus, kommt, muss sich in einem biologischen System Folgendes ändern:

  • Es taucht ein neuer Erreger auf, auf den sich das Immunsystem einer Tierart oder des Menschen noch nicht einstellen konnte.
  • Es kommt zu neuen Übertragungswegen. Überträger (z. B. die asiatische Tigermücke) können sich an neue Lebensräume anpassen und den Erreger mitbringen.
  • Ein bisher bekannter Erreger verändert seine Struktur und wird so beispielsweise gegen bestimmte Antibiotika resistent.

Was trägt zur Ausbreitung von Zoonosen bei?

Laut Professor Franz Conraths, Vizepräsident des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI), gibt es drei Aspekte, die zur Entstehung von Zoonosen beitragen:

  1. Orte, an denen der Übergang von Krankheitserregern vom Tier auf den Mensch erleichtert wird. Beispiele dafür sind Lebendtiermärkte oder das Jagen und Fangen von Wildtieren.
  2. Bei einer hohen Bevölkerungsdichte können Zoonoseerreger leichter von Mensch zu Mensch übertragen werden.
  3. Die globale Mobilität führt dazu, dass Menschen nahezu jeden Punkt der Erde in der Inkubationszeit (die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbrechen der Krankheit) vieler Erreger erreichen können und sie unbemerkt verschleppen.

Welche Rolle spielt die Landwirtschaft beim Thema Zoonosen?

Die Landwirtschaft sei Teil des Spiels, sagt der Virologe Albert Osterhaus. Der gebürtige Niederländer ist Direktor des Forschungszentrums für sich ausbreitende Infektionen und Zoonosen an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover.

„Überall dort, wo Tiere gehalten werden, besteht auch die Möglichkeit einer Krankheitsübertragung.“ Je mehr Tiere auf engem Raum gehalten würden, desto schneller verbreite sich die Krankheit. Er ist jedoch auch davon überzeugt, dass die Landwirte mit den bisherigen Maßnahmen das Risiko einer Zoonose erheblich eindämmen können.

Zahlen und Fakten über Zoonosen

  • 60 Prozent der bekannten menschlichen Infektionskrankheiten sind nach Angaben der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) zoonotischen Ursprungs.
  • 75 Prozent der beim Menschen neu auftretenden Infektionskrankheiten haben einen tierischen Ursprung. Aktuelles Beispiel ist Covid-19.
  • 2,2 Mio. Todesfälle und 2,4 Mrd. Erkrankungen beim Menschen entfielen 2012 laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf die 13 wichtigsten Zoonosen.

Wie sich Zoonosen bekämpfen lassen, lesen Sie im Interview mit dem Präsidenten des Friedrich-Loeffler-Instituts Prof. Thomas Mettenleiter.  

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