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Geflügel

Käfighaltungsverbot: Druck auf EU-Kommission erhöhen

von , am
02.02.2012

Bonn – Vergangene Woche haben Vertreter der Europäischen Wild- und Geflügelwirtschaft und der EU-Kommission über die Problematik der „illegalen“ Eier nach dem Käfighaltungsverbot diskutiert.

Das Aktionsbündis will sich für eine artgerechtere Tierhaltung einsetzen. © Mühlhausen/landpixel
Trotz des EU-weiten Käfighaltungsverbotes seit 1. Januar 2012 dürften aktuell noch über 100 Millionen Legehennen in konventionellen Käfigen sitzen. Das ist fast ein Drittel aller in der EU gehaltenen Legehennen. Aufgrund dessen trafen sich vergangene Woche Vertreter der Europäischen Eier-, Wild- und Geflügelwirtschaft (EPEGA), darunter auch der Geschäftsführer sowie Vorsitzende und Vorstandsmitglieder von KAT (Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e.V.),  mit Abgeordneten des Europäischen Parlaments und Vertretern der EU-Kommission unter Schirmherrschaft der FDP-Abgeordneten im Europäischen Parlament Britta Reimers in Brüssel und diskutierten Lösungen, um das bestehende Käfighaltungsverbot besser durchzusetzen. Deutlich wurde, dass durch die klaren und strikten Kennzeichnungsvorgaben (z.B. Eier-Code) keine Probleme beim Handel mit Schaleneiern bestehen. Die Experten sind sich jedoch einig: Eier aus Käfighaltung werden vermehrt in Eiprodukten auftauchen und dieser Bereich macht fast die Hälfte des gesamten Eiermarktes aus.

Druck seitens der EU-Kommission zu gering

Nach Auffassung der anwesenden EU-Parlamentarier hat die EU-Kommission viel zu viel Zeit verstreichen lassen und nicht genügend Druck auf diejenigen Mitgliedstaaten ausgeübt, die den Tierschutz nicht ernst nehmen. Nun sind die Sanktionsmöglichkeiten für säumige Mitgliedsländer eng begrenzt. Zwar wird die EU-Kommission Vertragsverletzungsverfahren einleiten. Doch dieser formale rechtliche Weg ist langwierig und wird keine abschreckende Wirkung haben. Caspar von der Crone, Geschäftsführer von KAT, fordert daher eine freiwillige Herkunftskennzeichnung von Produkten, die Eier enthalten. „Nur so hat der Verbraucher die Möglichkeit, zu erkennen, woher die Eier aus den Nahrungsmitteln stammen. Eine garantierte Rückverfolgbarkeit muss auch für verarbeitete Eier gewährleistet sein.“, betont von der Crone.

KAT-Siegel für Eiprodukte schafft Transparenz

Der Lebensmittelhandel in Deutschland verlangt bereits von seinen Lieferanten auf dem Verarbeitungssektor den Verzicht auf Eier aus konventioneller Käfighaltung. Bei Eigenmarken, die verarbeitete Eier enthalten, kann dies umgesetzt werden. Bei Markenware ist der Einfluss des Lebensmittelhandels jedoch begrenzt. KAT hat bereits vor einem Jahr das Siegel „Herkunft der Eier – kontrolliert durch KAT“ für Eiprodukte eingeführt. Der Nachweis, dass die Eier aus alternativer Haltung stammen, erfolgt ähnlich wie bei lose verkauften Eiern: Ein datenbankgestütztes, chargenbasiertes Kontrollsystem mit Absicherung der Warenbewegungen sorgt dafür, dass sich die Eier in einem geschlossenen System befinden. Dies garantiert eine durchgehende Rückverfolgbarkeit für verarbeitete Eier. Die Auslobung erfolgt nur, wenn die gesamte Prozesskette – vom Legebetrieb bis zum Keks- oder Nudelfabrikanten – in das System einbezogen wird.

EU-Tierschutz-Strategie vorgestellt

John Dalli, EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, hatte im Rahmen der Grünen Woche das EU-Tierschutz-Strategiepapier vorgestellt. Er betonte, es müsse zu einer Standardisierung der Zuständigkeiten kommen und ein Netz von EU-Referenzstellen für den Tierschutz gebildet werden. Die verbraucherorientierte Tierschutz-Strategie solle allerdings nicht zu Wettbewerbsnachteilen für die EU-Tierhaltung und beteiligte Wirtschaftsbranchen führen. Die anwesenden EU-Parlamentarier kündigten an, sich weiterhin für die Umsetzung des Verbots der konventionellen Käfighaltung einsetzen zu wollen. Sie werden nach eigenen Angaben mit EU-Kommissar Dalli über Kennzeichnungsfragen reden und nicht nachlassen, Druck auf die EU-Kommission auszuüben.

KAT: Was steht auf dem Ei?

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