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Betriebsführung

Kaninchenzucht im Gefängnis

Betriebsleiter Manuel Lutz im Gespräch im einem Häftling der JVA Landsberg
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Dagmar Deutsch, agrarheute
am
16.10.2017

Manuel Lutz leitet den landwirtschaftlichen Betrieb der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech. Bei seiner Arbeit helfen ihm im Schnitt zehn Häftlinge.

Wie viele andere Landwirte streift sich Manuel Lutz morgens seine Arbeitskluft über und macht sich auf den Weg in den Stall. Mit 25 Kilometern ist dieser allerdings länger als bei den meisten anderen Landwirten. Manuel Lutz führt sein Arbeitsweg jeden Morgen in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Landsberg. Dort leitet er den dazugehörigen landwirtschaftlichen Betrieb, das Gut Spötting.

Zehn Häftlinge helfen im Betrieb

Hier arbeitet der 34-jährige Betriebsleiter im Schnitt mit zehn Gefangenen zusammen. Sie erledigen alle Arbeiten: Mast und Zucht der 400 Biokaninchen sowie die Haltung von 230 Legehennen im mobilen Stall und Anbau, Pflege und Ernte der 90 ha Fläche. Sein Stellvertreter Andreas Knauer und zwei Angestellte helfen Manuel Lutz, die Insassen zu betreuen. „Am Anfang war es schon ein komisches Gefühl, mit Häftlingen zu arbeiten“, gesteht er. Die meisten von ihnen haben gelogen, betrogen oder waren gewalttätig. Das blendet er mittlerweile aus. In den letzten acht Jahren hat der Landwirt gelernt, mit seiner Situation und der schwierigen Klientel umzugehen.

Strenge Regeln für die Insassen

Manuel Lutz und sein Team beaufsichtigen die Inhaftierten und leiten sie an. Für alle Arbeiten haben er und sein Stellvertreter einen strikten Plan aufgestellt. Hier gibt’s kein links und rechts. Ich sage, wie es gemacht wird“, behauptet sich der junge Betriebsleiter. So gewöhnen sich die Häftlinge an einen geregelten Alltag. Er hilft ihnen nach der Entlassung aus der JVA. „Außerdem erfordert es der häufige Mitarbeiterwechsel, die Arbeit auf dem Hof genau zu strukturieren“, erklärt Manuel Lutz, denn die Gefangenen auf Gut Spötting befinden sich drei bis sechs Monate vor ihrer Entlassung.

Betrieb ist Teil des offenen Vollzugs

Der Betrieb ist ein Teilbereich des offenen Vollzugs. Die Inhaftierten sind im Freigängerhaus außerhalb der Gefängnismauern untergebracht und gehen jeden Tag zur Arbeit. Um auf dem Betrieb arbeiten zu dürfen, müssen sich die Häftlinge bewähren. Sie dürfen nicht mehr gefährlich sein und es dürfen keine Fluchtbefürchtungen bestehen. Wer schwerste Straftaten wie Mord, Vergewaltigung oder sexuellen Missbrauch von Kindern begangen hat, scheidet grundsätzlich aus.

Landwirt und Justizvollzugsbeamter

Bevor er die Leitung von Gut Spötting übernehmen durfte, musste Manuel Lutz die Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten machen. Nach der Technikerschule hieß es für ihn also nochmal Schulbankdrücken: Sozialpädagogik, Selbstverteidigung und Schusswaffenausbildung. Auch eine Art Rechnungswesen stand auf dem Programm. Hier hat er gelernt, wie zum Beispiel Geschäftsvorgänge beim Staat funktionieren und wie er als staatlicher Angestellter Sachen abzurechnen hat.

Gefängnis statt elterlicher Betrieb

Seinen Entschluss, den elterlichen Milchviehbetrieb nicht zu übernehmen, bereut Manuel Lutz nicht. Er und seine Familie hätten viel investieren müssen und die Arbeit auf Gut Spötting macht ihm Spaß. Er genießt das Angestelltenverhältnis. Und natürlich die 41-Stunden-Woche. „Ich hab’s als Beamter viel leichter als die anderen Landwirte“, glaubt der 34-Jährige. Schließlich müsse er sich keine Sorgen machen um schwankende Milchpreise und Ähnliches. „Ich kann davon ausgehen, dass ich auch weiterhin einen gesicherten Arbeitsplatz habe“, freut sich Manuel Lutz. Auch, wenn er dafür einen Teil seiner unternehmerischen Freiheit aufgegeben hat.

Landwirtschaft in der JVA Landsberg

Manuel Lutz leitet den landwirtschaftlichen Betrieb der JVA Landsberg
Kaninchen der Zucht von Gut Spötting
Kaninchenhaltung auf Gut Spötting
Manuel Lutz im Gespräch mit einem Häftling der JVA Landsberg
Die Stalleinrichtung der Kaninchenzucht auf Gut Spötting
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