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Geflügel

KAT Deutschland kündigt Österreich-Partner

von , am
12.10.2010

Die Probleme mit der österreichischen Kontrollstelle für artgemäße Nutztierhaltung (KAN) scheint KAT Deutschland (Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e.V.) Leid zu sein und kündigte den Kooperationsvertrag auf.

© Mühlhausen/landpixel.de

Die rasche Nachzertifizierung dutzender österreichischer Eiererzeugerbetriebe wird derzeit organisiert.

Vor einigen Monaten wurden mehrere LKW-Züge mit österreichischen Frischeiern zurück in die Alpenrepublik geschickt. Grund: Bei den Herkunftsbetrieben war die KAT-Zertifizierung - ein Muss für Eierexporte nach Deutschland - ausgelaufen und die Betriebe gesperrt worden. Der Fehler dafür lag beim Partner der KAT, der in der Steiermark ansässigen Kontrollstelle für artgemäße Nutztierhaltung GmbH (KAN).

Diese Kontrollstelle, im Eigentum dreier österreichischer Tierschutzorganisationen stehend, bei der es seit Monaten drunter und drüber geht, hatte die erforderlichen Prüfberichte nicht rechtzeitig erstellt.

Trotz Versicherung keine Besserung

Nach dem Zwischenfall mit den gesperrten Eiern mahnte die KAT Besserung ein, Hilfe durch eine deutsche Kontrollstelle lehnte die KAN dem Vernehmen nach ab und versicherte, dass man die Kontrolldefizite wieder im Griff hätte. Die KAT ortete zwischenzeitlich auch die Nichterfüllung der Akkreditierungserfordernisse bei der KAN und kündigte Ende September den Partnerschaftsvertrag auf. Auch der Zugang zur KAT-Datenbank wurde umgehend gesperrt und österreichische Eierpackstellen mit KAT-Direktverträgen müssen seit 1. Oktober ihre Warenflüsse nun an die KAT nach Bonn melden, um weiter Frischeier im deutschen Lebensmittelhandel absetzen zu können.

Nun fiel dabei endgültig auf, dass bei rund 250 österreichischen Erzeugerbetrieben die KAT-Zulassungen wegen fehlender Vor-Ort-Kontrollen und entsprechender KAN-Prüfberichte ausgelaufen waren. KAT Deutschland will nun rasch Vor-Ort-Kontrollen dieser Betriebe organisieren.

Nationale Eierdatenbank

Die KAT-Kündigung ist für die KAN doppelt bitter, versuchen die Tierschützer derzeit doch der österreichischen Eierbranche und dem Landwirtschaftsministerium die eigene Eierdatenbank (formaler Eigentümer ist der Verein "GAN - Gesellschaft für artgemäße Nutztierhaltung") als Basis für die neue nationale Eierdatenbank anzubieten. Die Schaffung einer solchen wurde von Agrar- und Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) im Sommer ausgerufen, um die ständigen Eiertricksereien wirksamer bekämpfen zu können. Allerdings will das Ministerium dafür nicht wirklich Geld in die Hand nehmen und präferiert eine privatwirtschaftliche Lösung.

Einige österreichische Eiervermarkter denken mittlerweile aber an eine Datenbank-Lösung mit dem staatlichen Bundesamt für Ernährungssicherheit oder der staatlichen Marktordnungsstelle Agrarmarkt Austria. Diese könnte dann auch als neue Schnittstelle für die Eiermeldungen an KAT werden und die notwendigen Kontrollen der Betriebe gegenseitig anerkennen.

Unterschiedliche Auffassungen

KAN und GAN indes werben weiter für ihre Datenbank, betreffend der KAT-Kündigung sagte deren derzeitige Doppel-Geschäftsführerin Dr. Madeleine Petrovic (Grüne Abgeordnete im Niederösterreichischen Landtag) gegenüber der Österreich-Ausgabe vom dlz agrarmagazin, dass alles wieder in Ordnung sei und man die künftige Zusammenarbeit gemeinsam mit der KAT der Branche präsentieren werde. Nur: Die KAT weiß nichts davon. Vielen Betrieben fehle ein Prüfzertifikat. Und: Es gäbe zwar Gespräche, unter welchen Bedingungen man sich eine weitere Zusammenarbeit mit KANN/GAN vorstellen könne. Fixiert sei allerdings gar nichts und die Kündigung ist weiter aufrecht, schallt es aus der KAT-Zentrale in Bonn. Letztlich könnte es in dieser Angelegenheit viel Arbeit für die jeweiligen Rechtsvertreter geben. (dlz agrarmagazi/sp)

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