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Wissenschaft

Klimaschutz: Nutztierhaltung aus Deutschland verlagern hilft nicht

Die Nutztierhaltung in Deutschland wird immer wieder wegen ihrer Emissionen an den Pranger gestellt. Aber eine Verlagerung der Tierproduktion in eine Region mit geringer Effizienz wäre kontraproduktiv.
am Sonntag, 02.10.2022 - 05:00 (3 Kommentare)

In der Nutztierhaltung geht es heute um mehr als um die bestmögliche Nutzung knapper Ressourcen. Es geht auch um den Schutz von Umwelt und Klima. Die Nutztierhaltung zu verlagern könnte höhere Emissionen zur Folge haben. Deshalb sollte es darum gehen, sie hier vor Ort noch nachhaltiger zu gestalten.

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In Deutschland reißt die Diskussion über den Beitrag der Landwirtschaft zur Klimaerwärmung nicht ab. Es geht um die Emissionen. Dabei beträgt der Anteil der Tierhaltung an den Treibhausgasemission in Deutschland aktuell nur rund 9 Prozent. Ungefähr 35 Prozent davon stammen direkt aus der Tierhaltung, wobei die Rinderhaltung mit rund 22 Mio. t den größten Anteil verantwortet.

Somit erscheint der Anteil im Vergleich zu den übrigen Emissionen in Deutschland gering. Trotzdem also die Kritik an der Landwirtschaft häufig auf Missverständnissen beruht, mündet sie nicht selten in der Forderung, den Tierbestand zu reduzieren. Dabei wird häufig vergessen, dass die Tierhaltung neben der Bereitstellung hochwertiger Nahrung zahlreiche andere Funktionen erfüllt.

Dazu zählen die Aufrechterhaltung der Bodenfruchtbarkeit, die Schonung nicht erneuerbarer Ressourcen, die Einsparung mineralischer Düngemittel, die Förderung der Biodiversität im ländlichen Raum und natürlich die Sicherung des familiären Einkommens und der volkswirtschaftliche Beitrag ländlicher Räume. Im biologischen Landbau ist die Tierhaltung unverzichtbar.

UN: Nachfrage nach tierischen Produkten wird sich weltweit verdoppeln

Nach Einschätzung der UN wird sich die Nachfrage nach tierischen Produkten weltweit vermutlich verdoppeln. Eine Verlagerung der Tierproduktion in Regionen mit geringer Effizienz wäre daher kontraproduktiv; die Treibhausgase würden nicht sinken, sondern steigen.

Simulationen bestätigen diesen Zusammenhang für Europa. Daher sollte nach Möglichkeiten gesucht werden, die heimische Tierhaltung noch nachhaltiger zu machen. Hierfür gibt es bereits ermutigende Ansätze.

Tool zur Optimierung der CO2-Bilanz

So hat die CONVIS-Beratungsabteilung in Luxemburg ein Tool für Flächen- und produktbezogene C02-Bilanzen entwickelt, das auch in Deutschland bereits eingesetzt wird. Damit lassen sich die Betriebe in vier Gruppen einteilen:

  • extensive Betriebe,
  • mittelintensive Betriebe mit hoher Effizienz,
  • mittelintensive Betriebe mit niedriger Effizienz
  • und intensive Betriebe.

Angestrebt wird ein Produktionsniveau, das sowohl je Flächen- als auch Produkteinheit die besten C02-Bilanzen aufweist und damit der optimalen Zielgröße der „mittelintensiven Betriebe mit hoher Effizienz“ nahekommt.

Der Weg dahin ist unterschiedlich. Neben einer Verbesserung des Fütterungs-, Tiergesundheits- und Haltungsmanagements kann das Ziel auch über Kooperationen von Betrieben erreicht werden. Nicht nur, um das Nährstoffmanagement für Wirtschaftsdünger zu optimieren, sondern auch um Maschinen besser zu nutzen oder Fruchtfolgen betriebsübergreifend zu planen. Das ist in vielen Betrieben Deutschlands und im Biolandbau bereits gängige Praxis.

Schwerpunkt nachhaltige Intensivierung

Die Landwirtschaft wird sich vermutlich daran gewöhnen müssen, dass eine weitere Intensivierung kein hohes Betriebseinkommen garantiert, wenn gleichzeitig ökologische Ziele berücksichtigt werden müssen. Der Beratungsschwerpunkt sollte daher auf einer nachhaltigen Intensivierung liegen.

Vor dem Hintergrund steigender Nachfragen nach tierischem Eiweiß wäre es fatal, wenn in Europa die Tierbestände reduziert werden; dies wird vermutlich zu einer Verlagerung, wenn nicht sogar zu einem Anstieg von Treibhausgasen führen. Es gilt, die Betriebe auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit zu unterstützen. Dafür gibt es gute Hilfsmittel.

Mit Material von BRS

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