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Geflügel

Knappe Versorgung mit GVO-freiem Soja?

von , am
19.02.2014

Ein Großteil der deutschen Geflügelhalter füttert gentechnik-freies Soja. Das könnte sich bald ändern, da Brasilien die Versorgung mit GVO-freiem Soja nicht mehr sicherstellen kann, befürchtet der ZDG.

Hähnchenmast: Niedersächsischen Mäster bevorzugen Mittellangmast oder Schwermast. © Mühlhausen/landpixel
Das Angebot an GVO-freiem Soja soll in 2014 geringer sein. Der weltweit größte Sojaproduzent im Hauptlieferland Brasilien habe erklärt, nur noch 50 Prozent der Vorjahresmenge bereitstellen zu können, berichtet der Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG). Begründet werde dies, so heißt es, mit einer verstärkten Nutzung der Anbauflächen für GVO-Soja aufgrund des deutlich höheren Ertragspotentials. Außerdem führte der in den letzten Jahren stark gewachsene Anbau von GVO-Soja immer häufiger zu sogenannten "Kreuzkontaminationen".
 
Auch auf dem Produktionsweg, bei der Lagerung und beim Transport ist die Gefahr von Kontaminationen in den letzten Jahren drastisch gestiegen. "Trotz hoher Investitionen und intensiver Anstrengungen seitens der Geflügelwirtschaft, jegliche Form der Kontamination zu vermeiden, nimmt die Zahl dieser von Jahr zu Jahr zu", erklärt Thomas Storck, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Putenerzeuger.
 

Keine Garantie mehr für GV-Freiheit

Die Angebotsknappheit von GVO-freiem Soja stellt eine auch in anderen Ländern schwerwiegende Herausforderung dar: Britische Einzelhändler haben bereits im April des vergangenen Jahres ihre Gentechnikfrei-Garantie für Eigenmarken zurückgezogen, da nicht ausreichend gentechnikfreies Futter zur Verfügung stünde. Der dänische Verband Dansk Slagtefjerkræ beschloss den Rückzug im Dezember 2013.
 
"Diese Entwicklung macht auch vor Deutschland nicht Halt", so Rainer Wendt, Vorsitzender des Bundesverbands bäuerlicher Hähnchenerzeuger e.V. Eine Fütterung ohne Gentechnik für die Hähnchen-und Putenaufzucht in Deutschland sei angesichts der aktuellen Marktsituation leider nicht mehr sicherzustellen. Die speziellen Futtermittelwerke zur Herstellung von Geflügelfutter brauchen eine durchgängige Lieferkette von einwandfreiem GVO-freiem Soja, welche für die benötigten Mengen jedoch nicht mehr garantiert werden kann.
 

Brasilianischer Soja systematisch verunreinigt

In Deutschland besteht darüber hinaus keine Rechtssicherheit bei der Auslegung der EG-Verordnung Nr. 1829/2003. Diese besagt, dass Futtermittel nur dann als "frei von Gentechnik" beurteilt werden darf, wenn Es weniger als 0,9 Prozent gentechnisch veränderte Organismen (GVO) enthält. Diese Verunreinigungen dürfen aber nur "zufällig" und aufgrund "technisch unvermeidbarer" Bedingungen entstanden sein. "Was wir heute in unserem laufenden Monitoring feststellen, ist eine systematische Verunreinigung der Sojapartien mit GVO-Soja, auch wenn die Kontaminationen sich unter dem Toleranzwert von 0,9 Prozent bewegen. Damit sind wir futtermittelrechtlich angreifbar", so Wendt. Es werden zudem immer häufiger Kontaminationen über dem Toleranzwert von 0,9 Prozent festgestellt.
 

Fütterungsalternativen suchen

Die deutschen Geflügelhalter möchten aber auch weiterhin ihrer Vorreiterrolle gerecht werden, so Thomas Storck: "Die deutschen Hähnchen- und Putenhalter waren die einzigen innerhalb der gesamten Fleischbranche, die sich zu GVO-freiem Futter bekannt haben. Sie werden sich auch künftig nicht der Möglichkeit versperren, wieder auf GVO-freie Fütterung zu setzen. Voraussetzung dafür seien jedoch stark veränderte Rahmenbedingungen und tragfähige Strategien für die Futtermittelproduktion der Zukunft."
 
Aus Sicht der Branche stellen Rezepturänderungen, die den Anteil von Soja am Futter reduzieren, eine Erweiterung des Anbaus von GVO-freiem Soja innerhalb Europas, der Einsatz alternativer Eiweißträger sowie die Nutzung neuer Technologien in der Futtermittelerzeugung zur effizienteren Nutzung des Eiweißes in der Tierernährung zu prüfende Ansätze dar.

Soja-Spezial Nr. 1: gv-freier Soja aus der Region

 
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