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Kommentar

Warum kommt es zu Tierquälerei?

Mastschweine liegen in einem Mastabteil
am Mittwoch, 22.07.2020 - 12:34 (Jetzt kommentieren)

Das Deutsche Tierschutzbüro wirft einem Schweinemäster Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vor. Aufhänger ist, dass der Betrieb an Tönnies in Rheda-Wiedenbrück liefert. Was steckt dahinter?

Medienwirksam prangert das Deutsche Tierschutzbüro einen Schweinemastbetrieb aus Rheda-Wiedenbrück an. Wie praktisch, dass er an das Schlachtunternehmen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück liefert. Aufmerksamkeit - und Spenden - sind den Tierrechtlern somit gewiss. 

Bitte, liebe Tierschützer, verstehen Sie mich nicht falsch. Ich weiß nicht, wie stark ich betonen soll: Wenn der Mäster tatsächlich gegen das Tierschutzgesetz verstoßen hat, dann gehört das angezeigt und sofort beendet.

Und bitte, liebe Landwirte, verstehen Sie mich auch nicht falsch: Die Art und Weise, wie Sie derzeit von sogenannten Tierschützern angegangen werden, ist nicht korrekt. Zu behaupten, dass zum Beispiel das "System" der Nutztierhaltung hier in Deutschland (mit) für die Corona-Pandemie verantwortlich sei, ist fachlich falsch!

In Ställe einzubrechen und heimlich Filmaufnahmen zu machen ist und bleibt mindestens Hausfriedensbruch. Das Argument, nur so die Missstände aufdecken zu können, ist vorgeschoben. Warum müssen die Aufnahmen denn unbedingt möglichst medienwirksam vermarktet werden? Warum nicht damit zum Landwirt und zu den zuständigen Behörden gehen und es direkt klären?  

Wie kommt es zu Missständen im Stall

Martina Hungerkamp

Das wäre verantwortungsvolles und mitfühlendes Verhalten! Dem Landwirt und dem Tier gegenüber. Natürlich darf kein Tier leiden. Aber von empathischen Menschen erwarte ich, dass sie nicht nur mit dem Finger zeigen, sondern hinterfragen, was Ursachen sind. Was ist auf dem Betrieb los? Ist es wirklich der geldgierige ausbeuterische Landwirt? Den mag es geben. 

Leider steckt hinter tierschutzrelevanten Verstößen oft die Überforderung des Betreuers, des Menschen, der für die Tiere verantwortlich ist. Immer wieder hört man in dieser Corona-Pandemie von Landwirten, die keine Ausweg mehr wissen. Bauern, die finanziell so unter Druck stehen, dass sie Selbstmord begehen. Nicht nur in den USA. Die kürzlich gefallene Entscheidung zum Aus des Kastenstands im Deckzentrum hat die Lage der Sauenhalter hier in Deutschland nicht verbessert.

Wenn Menschen Sorgen haben, vor Existenzangst nicht mehr schlafen können, dann macht sich Überforderung breit und das kann sich dann auf das Wohl der Tiere negativ auswirken.

Bei Problemen Hilfe anbieten und Hilfe annehmen

Bevor es soweit kommt, dass Tiere leiden oder - noch schlimmer - Landwirte keinen anderen Ausweg mehr finden, als ihrem Leben ein Ende zu setzen, gibt es Warnsignale: Jemand zieht sich ständig zurück, taucht nicht mehr beim Kegeln auf, ist antriebslos und lehnt Hilfe ab. Dabei gibt es Hilfe! Zum Beispiel helfen Hotlines Landwirten weiter, die in einer Krise stecken oder depressiv sind.

Tierleid ist nicht hinnehmbar. Aber in den seltensten Fällen steckt reine Profitsucht dahinter. Statt immer wieder solche Betriebe medienwirksam an den Pranger zu stellen, sollten alle genau hinsehen und helfen: Familie, Berufskollegen, Berater, Veterinärämter und auch Tierrechtler. Wer den Tieren helfen will, der sollte den Menschen helfen. Denn dann geht es meist beiden besser!

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