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Tierschutz

Kontrovers diskutiert: Tierschutz-Kontrollen bei Nutztieren

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Martina Hungerkamp, agrarheute
am
26.07.2018

Wie oft werden Nutztiere kontrolliert und welche Verstöße werden festgestellt? Diese Fragen sowie die Kontrollquote werden stark diskutiert.

In Deutschland unterzogen die Behörden im vergangenen Jahr rund 30.000 Betriebe mit landwirtschaftlichen Nutztieren einer Prüfung auf mögliche Missstände. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis90/Die Grünen hervor.

In 6.127 Betrieben kam es zu Beanstandungen und in 1.220 Fällen wurden sofort Ordnungswidrigkeits- oder gar Strafverfahren eingeleitet – die meisten davon in Niedersachsen (296), gefolgt von Baden-Württemberg (172), Hessen (171) und Nordrhein-Westfalen (158).

Kontrollen zu selten

Viele kritisieren nun, dass die Kontrollquoten zu niedrig und die Personalausstattung der Veterinärämter zu gering seien. Zum Beispiel würden Betriebe in Bayern nur alle 48 Jahre von Amtsveterinären überprüft.

Dem widersprechen unter anderem die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschland (ISN) und der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG):

  • So meint die ISN, dass es zwar offensichtlich Optimierungsbedarf gäbe, aber nicht die Zahl der Kontrollen müsse steigen, sondern deren Qualität.
  • Und der ZDG wies darauf hin, dass im Zuge der sogenannten Lebendtierbeschau jeder Mastdurchgang von einem Amtstierarzt begutachtet werde. Außerdem würden die starken Eigenkontrollen das gute deutsche System der Geflügelhaltung sichern.

Nicht empören, sondern fordern

Die Schweinehalterin Nadine Henke hat sich dem Thema auf ihrem Blog Brokser Sauen gewidmet. Sie fragt, warum die Landwirte so empört sind und sich ihrer Wut zum Teil auf unverschämte Art und Weise Luft machen.

Sie könne nachvollziehen, dass ihre Berufskollegen bei der Forderung nach noch mehr Kontrollen genervt sind. Schließlich gäbe es neben den Tierschutzkontrollen noch viele weitere Kontrollen wie die Lebendtierbeschau oder Kontrollen durch die Landwirtschaftskammer und private Initiativen wie QS.

Diese Kontrollen kosten jedes Mal Nerven und Zeit. Nadine Henke denkt, dass Landwirte sich gar nicht aufregen müssten. Es sei kein Verschulden der Landwirtschaft, dass nicht ausreichend Kontrollen im Bereich des Tierschutzes durch das Veterinäramt stattfinden.

Vielmehr sollten Landwirte selbst zu ihrem eigenen Schutz – vor Tierrechtsorganisationen als selbsternannte Stallpolizei – mehr Kontrollen durch die Veterinärämter fordern.

Mit Material von Bundestag, ISN, ZDG, Brokser Sauen
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