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Niederlande

Label für Tierwohl: Gut für Verbraucher und Landwirte

© Mühlhausen/landpixel
Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst ,
am
12.01.2016

Die größte Supermarktkette in den Niederlanden verkauft jetzt nur noch „Beter Leven“-Fleisch und Fleischprodukte. Ein dreistufiges Tierwohl-Label kennzeichnet alle Produkte, wenn in der Haltung der Tiere höhere Standards eingehalten werden. Beim Landwirt kommen 10 Cent je Kilogramm Schlachtgewicht an.

Bereits vor fünf Jahren wurde in den Niederlanden von der dortigen Tierschutzorganisation „Dierenbescherming“ (=Tierschutz) ein Tierwohl-Label mit dem Namen „Beter Leven“ (=besseres Leben) für die Schweine- und Hähnchenfleischproduktion sowie die Legehennenhaltung ins Leben gerufen. In drei Abstufungen (1-3 Sterne) wird das Label vergeben, wenn in der Haltung der Tiere erhöhte Anforderungen in Sachen Tierwohl erfüllt werden.

Vergleichbar ist das „Beter Leven“-Label im Grundsatz mit dem in Deutschland vor zwei Jahren gestarteten Label „Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes. Während dieses Label in Deutschland jedoch kaum bis gar nicht bekannt ist, erfreut sich „Beter Leven“ in den Niederlanden sehr großer Bekanntheit und Akzeptanz beim Verbraucher. Mit dazu beigetragen hat sicher auch die intensive Werbung für das Label, bzw. für die entsprechenden Produkte.

Nur noch „Beter Leven“-Frischfleisch im LEH

Jüngster Schritt, das Ziel einer großflächigen Verbreitung des Labels zu erreichen: ca. 90 % des  niederländischen Lebensmitteleinzelhandels hat sich auf freiwilliger Basis dazu verpflichtet, ab Januar dieses Jahres bei Schweinefleisch ausschließlich Produkte mit dem „Beter Leven“-Label in seinen Läden anzubieten (1-Stern-Stufe). Dies gilt vorerst für Frischfleisch, verarbeitete Ware soll später folgen. Nur etwa 20 bis 30 % des Schlachtkörpers können als Frischfleisch verkauft werden und nur dafür zahlt der Verbraucher den Label-Aufpreis gegenüber anderem Fleisch. Die höheren Produktionskosten beim Landwirt mussten bislang von diesen 20 bis 30 % Frischfleisch erlöst werden. Das war aber kaum möglich.

Mehr TIerwohl: Aufpreis von 10 Cent/kg Schlachtgewicht

Seit Januar dieses Jahres hat sich diese Situation jedoch deutlich geändert. Denn die niederländische Supermarktkette Albert Heijn, die mit einem Anteil von ca. 34 % im Lebensmittelsektor Marktführer ist, verkauft in ihren Märkten seit Januar auch bei verarbeiteten Fleisch- und Wurstwaren ausschließlich Produkte, die mit „Beter Leven“-Schweinefleisch hergestellt wurden.

Damit geht man schon jetzt einen Schritt weiter als die oben genannte freiwillige Vereinbarung des Lebensmittelhandels. Alleinlieferant bei Albert Heijn, bzw. seinen Fleischwarenzulieferern bzgl. „Beter Leven“ ist Vion. „Damit haben wir die Möglichkeit, ca. 85 % des Schlachtkörpers über das Label zu vermarkten“, erläutert Frans Stortelder. Stortelder ist beim niederländisch-deutschen Schlachtkonzern Vion für die Sparte Schweinefleisch verantwortlich. Die Rechnung sieht dann natürlich ganz anders aus. Und zum anderen rechnet Vion natürlich mit einer deutlichen Erhöhung der Nachfrage nach „Beter Leven“-Fleisch. Die liefernden Landwirte, die vertraglich an Vion gebunden sind, erhalten derzeit einen Aufpreis von 10 Cent/kg Schlachtgewicht für die Haltung mit mehr Tierwohl.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 01/2016 ab Seite 42. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

 

 

 

Schweinemast: 10 Tipps für mehr Tierwohl im Stall

Tipp 1: Großgruppen bieten folgende Vorteile: Der Platz pro Tier ist derselbe wie in Kleingruppen, aber jedes einzelne Schwein hat mehr Raum zur Verfügung, um sich frei zu bewegen. © Martina Hungerkamp
Tipp 2: Ein automatisches Filterverfahren kann helfen, die Luft im Stall frisch zu halten. Lüftungsklappen sorgen für frische Luft und ein optimales Stallklima. © Martina Hungerkamp
Tipp 3: Für einen komfortablen Boden sind Kunststoff-Elemente, die eine hygienische Oberfläche besitzen eine Lösung. Sie sollen robust und leicht zu reinigen sein. © Martina Hungerkamp
Tipp 4: Kleine Mengen an Sonnenblumenkernhülsenkönnen als Einstreu verwendet werden. Die Mastschweine spielen, suhlen und liegen in der Einstreu. © Martina Hungerkamp
Tipp 5: Je nach Lebendgewicht trinken die Mastschweine täglich 3 bis 10 Liter Wasser. Um die Zufuhr sicher zu gewährleisten, sollen genügend Tränken im Stall verteilt sein. © Martina Hungerkamp
Tipp 6: Schweine sind neugierige Tiere und beschäftigen sich gerne. Zur Beschäftigung können bewegliche und veränderbare Materialien im Stall aufgehängt werden. © Martina Hungerkamp
Tipp 7: Eine weitere Beschäftigungsmöglichkeit bietet das Raufutter - am besten Heu. Zirka 90 Prozent davon wird von den Schweinen aufgefressen. © Martina Hungerkamp
Tipp 8: Eine Schweinedusche im Stall kann zum Abkühlen oder einfach zum Spielen dienen. Die Schweine lassen sich gerne besprühen. © Martina Hungerkamp
Tipp 9: Ein einfacher Holzstamm kann den Schweinen als Scheuerbalken dienen. Die Schweine nagen sehr gerne am Holz, vor allem,wenn noch Rinde vorhanden ist. © Martina Hungerkamp
Tipp 10: Eine Bade- und Suhlmöglichkeit im Stall weckt und befriedigt die neugier der Schweine. Die Schweine baden, spielen und suhlen sich sehr gerne in einer Wanne. © Martina Hungerkamp
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