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Geflügel

'Landwirtschaftliche Hähnchenaufzucht nicht pauschal verunglimpfen'

von , am
13.01.2010

Berlin/Twistringen - Der Bundesverband bäuerlicher Hähnchenerzeuger wehrt sich gegen eine pauschale Verunglimpfung der landwirtschaftlichen Hähnchenaufzucht. Hintergrund ist eine Kampagne des Tierschutzbundes wegen Tierquälerei-Vorwürfen gegen Wiesenhof.

© digitier/Fotolia

Das Politmagazin Report Mainz berichtete in seiner Sendung vom Montag über Missstände in einer niedersächsischen Elterntierfarm in Twistringen.

Der BVH Bundesverband bäuerlicher Hähnchenerzeuger, einem dem ZDG Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft angeschlossenen Bundesverband, sieht, wie auch das betroffene Unternehmen, diese Vorkommnisse als absolut inakzeptabel an. "Wir wehren uns aber entschieden dagegen, das nun dieser Vorfall in einer der Hähnchenaufzucht vorgelagerten Stufe zum Anlass genommen wird, die gesamte deutsche Hähnchenhaltung in diese Ecke zu drängen," kommentiert Rainer Wendt, BVH-Präsident und ZDG-Vizepräsident die ausgestrahlten Bilder.

Deutscher Tierschutzbund startet Kampagne gegen Hähnchenaufzucht

Der Deutsche Tierschutzbund startete am gestrigen Dienstag eine Kampagne gegen die Hähnchenaufzucht in Deutschland. "Es ist unerträglich, dass ein Deutscher Tierschutzbund diesen von einer anderer Tierrechtsorganisation dargestellten Einzelfall, so schwer er auch sein mag, nun als Steigbügel nutzt, um die landwirtschaftliche Hähnchenaufzucht pauschal zu verunglimpfen," so Wendt weiter.

Tierschutz zentraler Aspekt in der deutschen Hähnchenhaltung

Der ZDG und BVH weisen darauf hin, dass Deutschland seit mehr als einem Jahrzehnt eine Vorreiterrolle beim Tierschutz in der Hähnchenaufzucht einnimmt. So wurden bereits 1999 unter Federführung des Bundeslandwirtschaftsministeriums bundeseinheitliche Eckwerte formuliert und 2009 die unter deutscher Ratspräsidentschaft entwickelte EU-Richtlinie zur Hähnchenhaltung in nationales Recht überführt. Deutschland ist hier der erste von 27 Mitgliedstaaten der diesen hohen Tierschutzstandard umgesetzt hat und dabei vor allem hinsichtlich der Besatzdichtevorgaben noch über diesen Standard hinausgegangen ist.

Die neue "Hähnchenhaltungsverordnung" gilt bereits seit dem 9. Oktober 2009. "Handel und Verbraucher können auch weiterhin sicher sein, dass deutsches Qualitätsgeflügel in modernen und tiergerechten Haltungsformen bei qualifizierter Betreuung aufgezogen wird," betont Wendt die Arbeitsweise der Mitgliedsbetriebe.

Bündnis 90/Die Grünen: Wiesenhof-Skandal nur Spitze des Eisbergs

Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über grausame Zustände in dem Wiesenhof-Betrieb hat der agrarpolitische Sprecher der Landtagsgrünen Christian Meyer hingegen auf mangelhafte Tierschutzkontrollen im Land hingewiesen. Die Landesregierung habe noch im letzten Jahr mit dafür gesorgt, dass die Tierschutzstandards schlechter und die Kontrollen lascher wurden, sagte der Grünen-Politiker am gestrigen Dienstag in Hannover.

So seien in Niedersachsen jetzt mehr als 20 Masthähnchen pro Quadratmeter erlaubt. Meyer: "Der Wiesenhof-Skandal ist nur die Spitze des Eisbergs. Federpicken, Kannibalismus, Geschwüre, Medikamenteneinsatz und brutale Schmerzen sind Folge der Massentierhaltung und der Billigproduktion." Der Grünen-Politiker warf der CDU/FDP-Regierung vor, diese tierschutzwidrigen Zustände "herunterzuspielen und im Landtag sogar noch offensiv für den Ausbau dieser Qualfabriken" zu werben. Als Beispiel führte Meyer die Auseinandersetzung um den sogenannten "Hähnchenhighway" bei Celle an.

Meyer wies in einer Presseerklärung darauf hin, dass billiges Hähnchenfleisch allein im Jahr 2008 mit 97 Millionen Euro Exportsubventionen bedacht wurde. Ein großer Schlachthof zur Verarbeitung der Masthähnchen aus diesen Agrarfabriken werde vom Land Niedersachsen mit über 800.000 Euro gefördert. "Im Jahr 2008 hat Wiesenhof-International 392.846 Euro EU-Agrarsubventionen eingestrichen. Das Geld sollte zurückgezahlt werden." (ots/pd)

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