Login
Nordrhein-Westfalen

LANUV: Siloanstrich war Ursache für PCB in Agravis-Futter

Ein Lkw der Agravis Raiffeisen AG
Thumbnail
Jana Dahlke, agrarheute
am
06.12.2018

Eine Wandbeschichtung in den Silos von Agravis-Minden ist für die PCB-Belastung der Futtermittel verantwortlich.

Ursache für die Verunreinigung von Futtermitteln der Agravis Mischfutter Ostwestfalen-Lippe GmbH in Minden mit PCB ist eine Wandbeschichtung in Silos des Werkes. Das bestätigen Ermittlungsergebnisse, die das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) jetzt veröffentlichte.

Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministeriums ist das gefundene „Kongeneren-Muster“ charakteristisch für eine PCB-Kontamination und lässt sich in diesem Fall von der Quelle der Verunreinigung über die Futtermittel bis hin zu den Lebensmitteln verfolgen. Die PCB-Belastung rührt mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Innenanstrich der Silo-Zellen her, der aus den 1960er Jahren stammt. Aufgrund der Toxizität ist die Verwendung von PCB seit Ende der 1980er Jahre verboten.

Agravis auf dem Prüfstand

Im nächsten Schritt muss es darum gehen, das Geschehen vollkommen aufzuklären", sagte Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser und weiter: Die zuständigen Behörden prüfen jetzt, ob das Futtermittelunternehmen seiner gesetzlichen Verpflichtung zu Eigenkontrollen in den vergangenen Jahren ausreichend nachgekommen ist. Derweil sind alle Futtermittelhersteller aufgefordert sicherzustellen, dass keine PCB-haltigen Anstriche in ihren Betrieben verwendet werden oder wurden. Wir werden die Betriebe in den kommenden Monaten inspizieren." Bei der Bearbeitung des Geschehens habe es oberste Priorität, dass Lebensmittel und Futtermittel nicht in den Handel gelangten, sofern Höchstgehalte überschritten würden. Eine akute Gesundheitsgefahr habe nach bisherigen Erkenntnissen zu keiner Zeit bestanden.

Agravis-Sprecher Bernd Homann sagte in diesem Zusammenhang: Alle baugleichen Silozellen von Agravis sind vorsorglich gesperrt. Derzeit werden Proben aus diesen Silos untersucht. Erst wenn die Ergebnisse unbedenklich sind, werden die Silos wieder freigegeben." Jedoch könne das Unternehmen noch nicht sagen, wann die Untersuchungen abgeschlossen seien.

Bereits 2012 wurden am Agravis-Standort in Minden erhöhte PCB-Werte in Mischfuttermitteln festgestellt. Quelle der Verunreinigung damals war eine beschichtete Oberfläche der Abfülleinrichtung für die Futtermittelsäcke.

44 Betriebe sind in NRW betroffen

Aktuell unterliegen in Nordrhein-Westfalen noch 44 landwirtschaftliche Betriebe behördlichen Maßnahmen, weil sie Futtermittel mit überhöhten Gehalten an nicht-dioxinähnlichen polychlorierten Biphenylen (ndl-PCB) erhielten. Davon betroffen sind Halter von Legehennen, Masthähnchen, Puten und vereinzelt Betriebe mit Schweine-, Rinder- und Pferdehaltung. Auch Landwirte in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen haben verunreinigte Futtermittellieferungen erhalten. Einige Betriebe konnten bereits wieder freigegeben werden.

Untersuchungen der Eier und Schlachtkörper zeigten, dass diese nicht mit PCB oberhalb der Höchstwerte belastet waren. Nach Angaben der Behörden geht von den belasteten Produkten keine akute Gesundheitsgefahr aus. Wir werden diesen Fall genau analysieren und prüfen, welche Schlussfolgerungen gezogen werden müssen. Derzeit gibt es nach unserem Kenntnisstand keine Hinweise darauf, dass Futtermittel in einem größeren als dem bekannten Umfang von den aktuellen Belastungen betroffen sind", sagte in diesem Zusammenhang Dr. Hermann-Josef Baaken, Sprecher der Geschäftsführung des Deutschen Verbandes Tiernahrung (DVT).

Mehr Untersuchungen auf PCB in Futtermitteln

Im Rahmen der Eigenuntersuchungen der Wirtschaft werden Futtermittel routinemäßig nach einem festgelegten Programm auf PCB untersucht. Insgesamt 24.620 Proben wurden untersucht. In dem gesamten Zeitraum von rund zehn Jahren gab es lediglich eine einzige Probe, die über dem für das Futtermittel geltenden Grenzwert lag", hob Baaken hervor. Die Tendenz zur Untersuchung auf nicht-dioxinähnliche PCB habe in den letzten vier Jahren zugenommen.

Auch andere Hersteller von Mischfutterbetrieben sollen überprüft werden

Vor dem Hintergrund des aktuellen Geschehens wird das LANUV in den kommenden Monaten in einem Schwerpunkt-Monitoring Herstellerbetriebe von Mischfuttermitteln auf vergleichbare Beschichtungen in Lager- oder Silobehältern überprüfen. Insbesondere Anlagen älteren Datums werden durch das LANUV in Augenschein genommen und entsprechende Proben von Mischfuttermitteln und gegebenenfalls Oberflächenbeschichtungen genommen werden.

Mit Material von LANUV, Landwirtschaftsministerium NRW, DVT, Agravis
Das agrarheute Magazin
Aktuelles Heft Dezember 2018
Jetzt abonnieren
Auch interessant