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Geflügel

Legehennenhaltung: Die richtige Fütterung ist ein wichtiger Faktor

von , am
15.06.2015

Die Fütterung von Legehennen ist ein wichtiger Faktor, um Federpicken und Kannibalismus zu verhindern. Was Hennenhalter sowie Futterhersteller beachten sollten, erfahren Sie hier:

Ein passendes Fütterungskonzept ist bei Legehennen bereits in der Aufzuchtphase wichtig. © reises/fotolia.de
Dem bedarfsgerechten Futter kommt in der Legehennenhaltung eine wichtige Aufgabe zu. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass man künftig wohl auf das Schnabelkupieren verzichten muss, kann die Fütterung dazu helfen, dem Federpicken oder dem Kannibalismus entgegenzusteuern. Beobachtungen zeigen, dass eine Herde, die gut frisst und ein angemessenes Körpergewicht hat, ruhiger und stabiler ist als eine Herde mit suboptimaler Futteraufnahme sowie ungleichmäßiger körperlicher Entwicklung.
 
Fütterungsexperte Robert Pottgüter gibt in der LAND & Forst einen Überblick, welche Punkte Sie dabei beachten sollten.

Wichtige Aufgaben des Futters: Nährstoffe und Beschäftigung

Futter hat in erster Linie natürlich die Aufgabe, den Nährstoffbedarf der Tiere zu decken. Im Hinblick auf Unarten wie Federpicken und Kannibalismus kommen aber zwei weitere Aspekte dazu: Die Fütterung der Tiere dient auch deren Beschäftigung. Solange die Tiere fressen, sind sie beschäftigt und haben weniger Stress. Außerdem soll das Futter die Tiere satt machen. Wer Hunger hat, hat ebenfalls Stress.

Rohfasergehalt von großer Bedeutung

Für ein Sättigungsgefühl sind der Rohfasergehalt sowie die Struktur des Futters von Bedeutung. Auch unverdauliche Rohfaserbestandteile sind keineswegs unnütz. Sie machen das Futter voluminös, füllen den Magen und haben eine positive Wirkung auf die Darmsituation.
Das Fressen von Federn kann man darüber hinaus als Suche nach Faser oder Struktur interpretieren. Auch die Gabe von Grit (kleine Steinchen) in der Einstreu hat sich bewährt. Hier gilt: nicht übertreiben - die richtige Menge macht’s, warnt Pottgüter.

Struktur: Mehlfutter immer erste Wahl - kein "Fast Food"

In diesem Futter sind zu viele grobe Anteile enthalten. Dies fördert selektives Fressen. © Pottgüter
Von der Struktur her ist stets Mehlfutter oder ein wirklich gutes Granulat die erste Wahl. Der Nachteil von pelletiertem Futter ist, dass man es als "Fast Food" bezeichnen könnte. Die Hennen haben es also in kürzester Zeit aufgenommen. Bei einem mehlförmigen Futter sind die Tiere deutlich länger mit fressen beschäftigt als bei Pellets. Dies gilt umso mehr, je feiner das Mehl ist - natürlich nur bis zu einer gewissen Grenze, so der Experte.

‚Gewohnheitstiere’: Gleichbleibende und homogene Futterstruktur

Eine homogene Struktur des Futters ist die Grundlage für eine gute und gleichmäßige Futteraufnahme. © Pottgüter
Bezüglich der Fütterung sind Legehennen ‚Gewohnheitstiere‘. Halten Sie die Futterstruktur deshalb durchgängig gleich. Optimal ist es, wenn sie sich durch die gesamte Haltungsperiode nicht ändert. 
Dass die Struktur homogen sein sollte, versteht sich fast von selbst. Ansonsten fördert man ein selektives Fressen und eine ungleichmäßige Nährstoffaufnahme ist die unausweichliche Folge.

Tägliche Futteraufnahme kennen und erfassen

Einen sehr wichtigen Aspekt lässt man in der Praxis oft außer Acht: Aus unterschiedlichen Gründen kann die täglich aufgenommene Futtermenge zwischen einzelnen Herden und in kurzen Zeitabständen stark variieren.
Damit man sicher beurteilen kann, ob die Tiere ausreichend versorgt sind, muss der Hennenhalter die tägliche Futteraufnahme kennen und erfassen. Frisst eine Herde zu wenig, sollte man Maßnahmen zur Förderung der Futteraufnahme ergreifen.

Auf ausgewogene Nährstoffversorgung achten

Bei scharfkantigem, harten Granulat kann es passieren, dass Küken die Aufnahme verweigern. © Pottgüter
Eine Nährstoffunterversorgung führt zu Mangelzuständen und kann unerwünschtes Verhalten fördern. Besonderes wichtig ist die Aminosäurenausstattung. So ist der jüngst recht preiswürdig gewordene Mais arm an Tryptophan, was jedoch für die Bildung des Stresshormons Serotonin und damit für die Stressregulation benötigt wird.
Der Natriumgehalt im Legehennenfutter sollte mindestens 0,18 % betragen.

Übergang zwischen Aufzucht und Legebeginn

Besondere Bedeutung bei der Legehennenfütterung kommt dem Übergang zwischen Aufzucht und Legebeginn zu. Den Übergang zwischen zwei extrem unterschiedlichen Futtern sollten Sie so gleitend wie möglich gestalten.
Der sachgerechte Einsatz eines Vorlegefutters heißt dabei, flexibel auf die jeweilige Herde und ihr Alter zu reagieren. Ist wegen der Futterlogistik kein sachgemäßer Einsatz möglich, sollte man besser darauf verzichten, anstatt durch fehlerhaften Einsatz Schaden anzurichten.

Gut zu wissen

  • In der Bio-Legehennenfütterung werden Futterrationen mit bis zu 7 % Rohfaser eingesetzt. Voraussetzung: die Tiere dürfen genug fressen.
  • Erhalten Legehennen Rohfaserträger (Luzerneheu, Lignocellulose, ganze Getreidekörner) separat neben dem „normalen“ Mischfutter, dient das in besonderem Maße der Beschäftigung.
  • Versuche mit einer Tryptophan-Zulage reduzierten signifikant die Tierverluste und Verletzungen.
  • Versuche deuten darauf hin, dass mit dem Einsatz organischer Spurenelemente (Zink, Mangan) ein guter Gefiederzustand unterstützt wird.
  • Das Vorlegefutter darf nicht zu früh (je nach Entwicklung etwa ab der 17. oder 18. Woche) und niemals zu lange gegeben werden. Faustregel: circa zehn Tage, maximal 1 kg/Tier.
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