Login
Geflügel

Mecklenburg-Vorpommern: Backhaus will weniger Antibiotika

von , am
23.11.2011

Schwerin - Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus will den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung minimieren. Dazu soll ab Januar ein Monitorinprogramm durchgeführt werden.

Till Backhaus, Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern fordert gemeinsam mit drei weiteren Ländern Flächen von Bund. © Angelika Lindenbeck
Antibiotika in der Tierhaltung standen heute auf bei einer Sondersitzung des Agrarausschusses in Mecklenburg-Vorpommern auf der Tagesordnung. Hintergrund war eine Studie des Landwirtschaftsministeriums in Nordrhein-Westfalen zum Einsatz von Antibiotika in der Masthähnchenhaltung. "Diese Studie kommt zu demalarmierenden Ergebnis, dass in Nordrhein-Westfalen in der Masthähnchenhaltung der Einsatz von Antibiotika auf der Tagesordnung steht", sagte Landwirtschaftsminister Backhaus.

Backhaus sieht Handlungsbedarf

Backhaus sieht auch für Mecklenburg-Vorpommern Handlungsbedarf. "Auch wenn im Fleisch keine Rückstände nachgewiesen werden, muss die Anzahl der Behandlungen und damit die Menge der eingesetzten Antibiotika deutlich eingeschränkt werden. Nach stichprobenartiger Auswertung liegt die durchschnittliche Behandlungsquote in Mastgeflügelhaltungen deutlich über zwei Behandlungen/Mastdurchgang. In Hähnchen- und Putenmastbetrieben wurden mitunter bis zu sieben unterschiedliche antibiotikahaltige Medikamente mit unterschiedlichen Wirkstoffen eingesetzt", so Backhaus.
 
Strategiegruppe einberufen
 
Der Minister hat deshalb eine Strategiegruppe zur Minimierung des Antibiotikaeinsatzes in Tierhaltungen unter Leitung des Ministeriums einberufen. Unter Mitwirkung der Tierhalter und Tierärzte, dem Tierschutzbeirat und der Futtermittelindustrie, aber auch der Verbraucherschutzzentrale M-V und anderer Gremien sollen Ursachen für den hohen Antibiotikaeinsatz in Tierhaltungen ermittelt werden und Lösungswege zur Minimierung aufgezeigt werden.
 
Monitoring ab Januar 2012
 
Als erstes wollen wir ein Eigenkontrollsystem für Tierhalter und Tierärzte einführen. Der nächste Schritt ist die Durchführung eines Monitoring ab 1. Januar 2012. Einbezogen werden ausgewählte Betriebe der Masthähnchen-, Puten-, Schweine- und Rindermast. Dabei sollen verschiedene Parameter erfasst und ausgewertet werden , wie Mastdauer, Tierverluste je Mastdurchgang, Behandlungstage je Mastdurchgang, Dosierung und Behandlungsdauer, etc. Unser gemeinsames Ziel muss die Überprüfung und die deutliche Minimierung des Antibiotikaeinsatzes in den Tierhaltungsanlagen sein, egal ob Geflügel, Schwein oder Rind."
 
Die Situation in Mecklenburg-Vorpommern
 
In M-V gibt es mehr als 800 Geflügelhaltungen mit insgesamt mehr als 8,6 Millionen Tieren. Es sind derzeit 378 Tierarztpraxen/Tierärztliche Hausapotheken angezeigt. Davon haben sich sechs Tierarztpraxen auf die Betreuung von Geflügelbeständen spezialisiert.  Zuständige Kontrollbehörde für Tierhalter und in den tierärztlichen Hausapotheken im Rahmen der Tierarzneimittelüberwachung ist das LALLF. Das System der zentralen Tierarzneimittelüberwachung, das heißt die Durchführung der Überwachung im ganzen Land durch nur eine Behörde, gibt es nur noch in Schleswig-Holstein.
 
Auf der Basis arzneimittelrechtlicher Bestimmungen wurden im Jahr 2011 in M-V bisher 445 Kontrollen in der Tierarzneimittelüberwachung durchgeführt:
  • Tierärztliche Hausapotheken: 121
  • Tierhaltungen: 324
Im Rahmen der 121 Kontrollen in den tierärztlichen Hausapotheken ergaben sich in fünf Fällen Verstöße gegen die gesetzlich geforderten Nachweispflichten. In zwei Fällen gab es eine Anhörung bezüglich des Antibiotika-Einsatzes in Geflügelbetrieben.
 
Von den insgesamt 324 Kontrollen bei Tierhaltern erfolgten:
  • 20 Kontrollen im Masthähnchenbereich
  • neun Kontrollen im Legehennenbereich
  • 15 Kontrollen im Putenbereich
Die Kontrollen in den Tierhaltungen im Jahr 2011 ergaben, dass die Arzneimittelanwendung in den meisten Fällen ordnungsgemäß nach den arzneimittelrechtlichen Bestimmungen erfolgte. Es wurden insgesamt 50 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Sieben Strafanzeigen wurden gestellt. Im Bereich der Geflügelhaltungsbetriebe wurde aber nur ein Geflügelhalter wegen einer Ordnungswidrigkeit belangt.
 
Darüber hinaus wird das zur Schlachtung anstehende Geflügel wie in allen anderen Bundesländern auf Rückstände von Stoffen mit pharmakologischer Wirkung untersucht. In diesem Jahr wurden bislang 61 Proben in Masthähnchenbeständen untersucht. Alle Proben waren ohne Beanstandungen.
 
Zusätzlich erfolgte die Probenentnahme auf Schlachthöfen, im Einzelhandel und bei Erzeugern im Rahmen der Lebensmitteluntersuchung. "Im Rahmen dieser Untersuchungen haben wir in Bezug auf Geflügelproben seit 2006 keinen positiven Fall zu verzeichnen. Das heißt, in den Proben fanden sich keine Rückstände von Arzneimitteln", betonte der Minister. 
Auch interessant