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Kommentar

Mehr Tierwohl! Aber wer bezahlt die Zeche?

Ökologische Schweinehaltung
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Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst
am
18.07.2017

Staatliches Tierwohllabel und Nutztierstrategie sind vorgestellt. Mehr Tierwohl ist ein zentraler Punkt, aber wer zahlt es, fragt LAND & Forst-Redakteurin Christa Diekmann-Lenartz.

Christa Diekmann-Lenartz Porträt

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat jüngst seine viel beschworene nationale Nutztierhaltungsstrategie vorgestellt. Beim Lesen der sehr umfangreichen Schrift blieb die Frage offen, wer den angedachten Umbau der Tierhaltung bezahlen soll. Genauso ging es einem ein paar Wochen vorher bei der Vorstellung des Staatlichen Tierwohllabels.

Nutztierstrategie und Tierwohllabel verknüpfen

Nutztierstrategie und Tierwohllabel sind beides „Skizzen“ einer künftigen, gesellschaftlich akzeptierten Tierhaltung. Nach den Vorstellungen des Ministers sollen sie miteinander verknüpft werden, am besten auch noch mit der Brancheninitiative Tierwohl.

Dass mehr Tierwohl für mehr Akzeptanz der Tierhaltung heute unerlässlich ist, steht wohl außer Frage. Außer Frage steht aber auch, dass mehr Tierwohl mehr Geld kostet.

Wer das Ganze bezahlen soll, diskutierte vergangene Woche auch die Niedersächsische Geflügelwirtschaft, NGW, zusammen mit Politik, Lebensmittelhandel und Praxis. Alle beteiligten Gruppen waren also dabei und es zeigte sich, wie weit deren Vorstellungen zum Teil (noch) auseinanderliegen.

Klar ist nur, dass es wohl einen Mix aus Mehrerlösen vom Markt, staatlicher Förderung und Geld aus der Wertschöpfungskette geben muss.

Brancheninitiative braucht mehr Abnehmer

Für Letzteres gibt es bei der Brancheninitiative den Fonds, in den der Lebensmittelhandel einzahlt. Dieser Fonds war bislang bekanntlich zu knapp bemessen, in der bald startenden zweiten Runde steht deutlich mehr Geld zur Verfügung. Das ist gut.

Aber noch immer sind viele Abnehmer von Fleisch und Fleischwaren wie etwa die Gastronomie nicht dabei. Sie müssen unbedingt alle mit ins Boot geholt werden, wenn die Initiative eine größere Marktdurchdringung erreichen will.

Hähnchenfleisch aus Tierwohl-Ställen demnächst gekennzeichnet

Zweites großes Manko der Initiative ist, dass das Fleisch aus Tierwohl-Ställen nicht als solches gekennzeichnet ist, der Verbraucher es also nicht kaufen kann. Ab dem Frühjahr 2018 wird das zunächst für Hähnchenfleisch aber möglich sein. Das ist sehr gut.

Dann wird man sehen, ob der Verbraucher dieses Fleisch kauft. Es muss mehr kosten und es muss intensiv beworben werden. Anders geht der Weg nicht.

Tragfähiger Weg für Mehr an Tierwohl

Und so oder so, nach der Wahl im Herbst muss es allervordringlichste Aufgabe des Landwirtschaftsministers sein, einen tragfähigen Weg für das allseits geforderte Mehr an Tierwohl inklusive Finanzierung und inklusive Abbau von Hemmnissen beim konkreten Umbau zu finden - mit allen Beteiligten.

Sonst wandert die Tierhaltung ab. Dass staatliche Initiative und die der Branche zusammengehen, macht angesichts der großen Herausforderungen Sinn.

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