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Antibiotikaresistenzen

Multiresistente Keime kommen vor allem aus Krankenhäusern

Krankenhaus
am
07.08.2019
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Eine neue Studie zeigt: Multiresistente Keime kommen vor allem aus Krankenhäusern und werden über Pflegenetzwerke verbreitet. Die Landwirtschaft scheint nicht beteiligt zu sein.

Wissenschaftler der Universität Freiburg und anderer europäischer Forschungseinrichtungen haben in einer aufwändigen Studie untersucht, wie sich hochgradig antibiotikaresistente Keime verbreiten und wo sie ihren Ursprung haben.

Dabei zeigte sich: Die vielgescholtene Landwirtschaft ist offenbar an diesem Prozess nicht beteiligt. Viel mehr stehen im Zentrum der Keimausbreitung Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen.

455 Krankenhäuser in 36 Ländern beprobt

Für die Studie wurden in enger Zusammenarbeit mit einer internationalen Forschergruppe sechs Monate lang Keimproben gesammelt. Im Fokus stand dabei Klebsiella pneumoniae. Von diesem Stäbchenbakterium, das besonders schnell Resistenzen entwickelt, erfassten die Wissenschaftler in 455 Krankenhäusern in 36 europäischen Ländern Proben, sequenzierten deren DNA und untersuchten sie auf ihre Verwandtschaft hin.

"Extrem resistente Enterobakterien wie Klebsiella pneumoniae stehen mittlerweile auf der Weltrangliste der gefährlichen Keime der WHO auf Platz eins", erklärt Hajo Grundmann, Leiter der Infektionsprävention und Krankenhaushygiene am Uniklinikum Freiburg.

Keimverwandtschaften beweisen Herkunft

Bei der Studie zeigte sich, dass die genetische Ähnlichkeit zwischen den Keimproben abnimmt, je weiter man sich vom jeweiligen Krankenhaus entfernt. Da die Erreger bei Übertragung von einem Menschen auf den anderen mutieren, zeigt die abnehmende Verwandtschaft an, dass die Ursprünge in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen liegen und die Erreger nicht dort hingetragen wurden.

Die Bakterien würden zunächst zwischen Patienten innerhalb der Krankenhäuser weitergegeben, so die Ergebnisse der Studie, und dann innerhalb des Versorgungsnetzwerks der Kliniken. Das geschehe vorwiegend in Einrichtungen im Radius von 100 Kilometern, die Patienten hin- und her überweisen.

Grundmann empfiehlt deshalb, herauszufinden, wo sich die meisten "Überweisungswege" kreuzen, um dort gezielt mit Hygienemaßnahmen anzusetzen.

Tierhaltung am System nicht beteiligt

Multiresistente Keime in der Tierhaltung halte er schon für problematisch, so Grundmann. Bei der Verbreitung von Antibiotikaresistenzen innerhalb der Bevölkerung spielten sie jedoch kaum eine Rolle. Dafür hätten die beiden "Universen" zu wenig Kontakt.

Es gebe in Europa außerhalb der Krankenhäuser keine nennenswerten Reservoire für die von der Studiengruppe untersuchten Keime.

Der Verbreitung extrem resistenter Keime könne man am besten mit einer konsequenteren Krankenhaushygiene und der Erfassung von Risikopatienten (Auslandsaufenthalte, vorheriger Befall mit multiresistenten Erregern) begegnen.

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