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Geflügel

Neue Vogelgrippe erreicht Peking

von , am
16.04.2013

Peking - Die neue Vogelgrippe H7N9 breitet sich in China weiter aus und hat die Hauptstadt erreicht: Am Wochenende wurde der Erreger erstmals in Peking bei einem sieben Jahre alten Mädchen festgestellt.

Auch drastische Maßnahmen können die Ausbreitung der Vogelgrippe H7N9 in China nicht stoppen: Der bisher auf die Umgebung von Shanghai begrenzte Erreger infiziert ein Kind in Peking. © Jerzy/pixelio.de
Die anderen Patienten, bei denen das Virus nachgewiesen wurde, kamen aus Shanghai und umliegenden ostchinesischen Provinzen. Die Zahl der Infizierten stieg bis Sonntagabend laut chinesischen Medien auf 60. Auch die Zahl der Toten stieg demnach - um zwei Patienten auf 13.
 
Bislang hatten die Weltgesundheitsorganisation WHO und das chinesische Gesundheitsministerium nicht von einer Epidemie gesprochen, da die früheren Fälle lokal begrenzt auftraten. Ob sich die Lage mit dem Nachweis des Erregers in Peking ändert ist noch nicht klar.

Die Zahl der Opfer steigt

Nach Erkenntnissen der Gesundheitsbehörden gibt es keine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch. Das Mädchen war am Donnerstag mit Fieber, Husten, Hals- und Kopfschmerzen in ein Pekinger Krankenhaus gebracht worden. Nachdem es ihm in der Nacht auf Freitag schlechter ging, wurde es zeitweise auf eine Intensivstation verlegt. Mittlerweile sei es jedoch weitgehend in einem stabilen Zustand, sagte ein Arzt des Krankenhauses im chinesischen Fernsehen. Die Eltern der Kleinen handelten mit lebendem Geflügel in einem Außenbezirk Pekings, sagte der Mediziner als mögliche Erklärung für die Infektion des Mädchens.

Chinesische Forscher warnen

Nachdem das Virus bei Tauben in Shanghai festgestellt worden war, hatten chinesische Behörden 20.000 Hühner, Enten, Gänse und Tauben vorsorglich keulen lassen. Märkte wurden geschlossen, Tausende Vögel in anderen Provinzen geimpft. Offenbar konnte dies die Ausbreitung des Virus nicht verhindern. Unterdessen äußerte sich ein Forscherteam um Mitarbeiter des chinesischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten sehr besorgt über H7N9: "Wir sind beunruhigt über das plötzliche Auftreten dieser Infektionen und die potenzielle Bedrohung für die Bevölkerung", schrieben die Forscher in einem Artikel für das renommierte Fachblatt "New England Journal of Medicine".

Die Angst vor dem Virus wächst

"Ein Verständnis des Ursprungs und der Übertragungsart dieser Infektionen, weitere Überwachung und angemessene Gegenmaßnahmen sind dringend nötig", heißt es weiter. Der Warnruf der Forscher hat besonderes Gewicht, denn das Zentrum ist am Kampf gegen das Virus in China federführend beteiligt. Die Gruppe der H7-Viren befällt normalerweise Vögel. Mit H und N werden die Eiweiße der Virushülle Hämagglutinin und Neuraminidase abgekürzt, von denen es jeweils verschiedene Strukturen gibt.

EU sieht derzeit keine Gefahr

Nach Einschätzung der EU-Kommission stellt die neue Vogelgrippe H7N9 derzeit keine Gefahr für Europas Bürger dar. "Wir verfolgen die Entwicklungen, haben zurzeit aber keine Sorge", sagte der Sprecher von EU-Verbraucherschutzkommissar Tonio Borg. Die EU importiere weder lebende Tiere noch frisches Geflügel aus China. Nach derzeitigen Informationen sei das Virus nicht von Mensch zu Mensch übertragbar, sondern nur von Vögeln. Über den Erreger sei bisher wenig bekannt. In China sind seit März mehrere Menschen an der neuen H7N9-Influenza gestorben.
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