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Geflügel

Neue Vorwürfe gegen Wiesenhof

von , am
25.07.2012

In aktuellen Medienberichten äußern sich ehemalige Mitarbeiter zu den Hygienezuständen im Schlachthof Möckern. Wiesenhof soll zudem das Haltbarkeitsdatum verlängert haben.

Im Wiesenhof-Bericht, den die ARD gestern abend ausstrahlte, kommen ehemalige Mitarbeiter zu Wort. © ARD Mediathek
Der Schlachthof Möckern in Sachsen-Anhalt sorgt weiter für Schlagzeilen. Gegenüber "Welt Online" und Report Mainz (ARD) berichteten jetzt ehemalige Mitarbeiter von den Arbeitsbedingungen im Betrieb. Übereinstimmend sollen mehrere ehemalige Angestellte berichtet haben, dass dort immer wieder große Mengen Fleisch auf den Boden fielen und trotzdem anschließend weiter verarbeitet wurden. Außerdem sagten Mitarbeiter - laut Welt Online unter Eid - aus, dass Fleisch umetikettiert und so das Haltbarkeitsdatum verlängert worden sei.
 
In der gestern ausgestrahlten ARD Reportage berichtet einer der Mitarbeiter, dass auf Anweisung hin nach der Betriebssperrung "gesperrtes Fleisch" zum Verkauf neu etikettiert worden sei. Zudem liegen Report Mainz Fotos zuständiger Überwachungsbehörden vor, die Bauarbeiten neben Schlachtbändern zeigen.

Wiesenhof weist Vorwürfe von sich

In einer Stellungnahme zur Medienberichterstattung von "Welt Online" und Report Mainz, weist Wiesenhof die Vorwürfe als "nicht haltbar" von sich. "Diese nachweislich falschen Informationen wurden diesen Medien vorsätzlich und in böswilliger Absicht von einer anonymen Quelle zugespielt und entbehren jeglicher Grundlage", lautet es in der Pressemitteilung. Wiesenhof wolle nun rechtlich gegen die falsche Medienberichterstattung vorgehen.
 
Für die in den beiden Medienberichten publizierten Vorwürfe liegen laut Wiesenhof eidesstattliche Erklärungen der involvierten Mitarbeiter vor, die die Behauptungen der "Welt Online" und von Report Mainz widerlegen. Auch von Seiten der zuständigen Veterinär- und Kontrollbehörde werde bestätigt, so Wiesenhof, dass der Betrieb den rechtlichen Anforderungen des Lebensmittelrechts und des Hygienerechts vollständig entspreche.

Hygienemängel aufgrund der Arbeitstaktung

"Welt Online" zufolge werfen Kritiker dem Unternehmen eine zu schnelle Arbeitstaktung und eine zeitweise zu hohe Laufgeschwindigkeit der Anlagen vor. Eine ehemalige Mitarbeiterin versicherte eidesstattlich, dass das Fließband zeitweise so schnell lief, dass immer wieder Hähnchen auf den Boden fielen. "Dann standen wir abends manchmal bis zu den Waden in den Hühnern", sagt eine Augenzeugin in der ARD Reportage. Der Stundenlohn sei außerdem an Schnelligkeit gekoppelt gewesen, so dass Mitarbeiter dazu neigten die Hygiene zu vernachlässigten.
 
Mittlerweile habe Wiesenhof nach eigenen Angaben die Produktionsmenge in Möckern gedrosselt. Das Unternehmen erklärte erst kürzlich, dass im Schlachthof Möckern am Tag 10.000 bis 20.000 Hähnchen weniger produziert werden. Laut Geschäftsführer Michael Schönewolf sei dies eine Reaktion auf die derzeit niedrigen Abnahmepreise und die hohen Futterpreise.
 
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