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Nutztierärzte: Mangelnde Anerkennung und Numerus Clausus

Tierärztin mit Kuh
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Eva Eckinger, agrarheute
am
27.11.2018

Ein zunehmendes Problem auf dem Land: Nutztierärzten geht allmählich der Nachwuchs aus. Agrarheute-Leser diskutierten, welche Ursachen das haben könnte.

Zwar ist das Interesse am Tiermedizinstudium nach wie vor sehr hoch, doch gerade den Nutztierärzten geht allmählich der Nachwuchs aus, wie agrarheute berichtete. Über die Gründe wird bisher nur spekuliert. Tierarztpraxen auf dem Land, gleichgültig wie profitabel und gut aufgestellt sie seien, fänden immer seltener Käufer oder Mitarbeiter.

Wir wollten von unseren Lesern auf Facebook wissen, worin sie die Ursachen dafür sehen.

Immer im Einsatz und "schmutzige" Arbeit

Monika R. hält die Arbeitszeiten und -Umstände für hinderlich. Wer wolle sich heute schon noch so abrackern, fragt sie. 24 Stunden einsatzbereit, egal wie die Straßenbedingungen sind.

Selbst wenn der Milchwagen nicht mehr käme, der Tierarzt schaffe es immer irgendwie: "X mal am Tag zugesaut, vollgesch... getreten worden etc. Trotzdem nie ungeduldig oder unfreundlich. Es gehört viel Liebe dazu, dass auf sich zu nehmen. Ich kann nur sagen, Hut ab und kann nur bitten, weiter so."

Bequemlichkeit und mangelnde Anerkennung

Michael B. stimmt Monika zu. Ein Landtierarzt werde gerufen, egal welcher Tag oder welche Uhrzeit es ist. Es sei zudem ein harter Job, der nicht sehr in der Öffentlichkeit steht. Ein Kleintierarzt habe seine Praxis und seine Zeiten, sperre nach der Sprechstunde zu, setze sich in sein sauberes Auto oder habe Feierabend.

"Respekt an den Doc, der um 1 Uhr zu einer Kuh muss, wenn es schneit oder regnet. Der im kalten Stall im Mist rumsteiget, sich die Hände in der Milchkammer oder im Eimer abwäscht, dann geschafft nach Hause fährt und wenn es schlecht läuft in 14 Minuten wieder raus muss! Ich muss schon sagen: Zu wenig Anerkennung für diese Tierärzte!"

Einsatz von Antibiotika und Möchtegerntierschützer

Tierärztin Alexa R. sieht in den aktuellen Rahmenbedingungen ein Problem. Die Verantwortung sei groß, wenn man sich ständig für den Einsatz von Antibiotika oder anderen Medikamenten bei Gruppenbehandlungen rechtfertigen müsse und einem permanent gesagt werde, dass die Nutztierhaltung den Bach runter gehe. Oft seien Assistenzstellen schlecht bezahlt, weil die Universitäten zwar theoretisch, aber nicht gut genug praktisch ausbilden.

Sie kritisiert weiter: "Außerdem sind auch unter den Studenten bzw. Studentinnen immer mehr weichgespülte Möchtegerntierschützer, die schon von Tierquälerei sprechen, wenn man ein Ferkel am Hinterbein fängt und hochhebt, und es dann schreit. Alles selbst erlebt. Und trotzdem: ich liebe meinen Job und würde ihn immer wieder machen!"

Mehr Geld und Numerus Clausus

Lis M. berichtet, dass sie nicht gut genug für den Numerus Clausus war. "...und wie wir wissen, sagt ja nichts anderes etwas über die Eignung zum (Nutz)Tierarzt aus, als die Leistung in der Schule", bemerkt sie ironisch. Praktische Erfahrung und Spaß am Umgang mit Nutztieren würden nicht zählen. Da brauche man sich auch nicht wundern, wenn lauter Kaninchen, Katzen und Hundehalter Tierärzte werden und eben in die Haustierpraxis gehen, statt in den Nutztierbereich, so Lis.

Auch Tilo R. meint: "Mit Hund und Katze, Hamster und Meerschweinchen usw. ist es einfacher mehr Geld zu verdienen!"

Medien: Tierwohl contra Bild der kommerziellen Tierhaltung

Markus K. sieht die Medien und das Image der Tierhaltung für problematisch: "Ich denke, dass die in den Medien thematisierten Umstände der kommerziellen Tierhaltung dem Bild des tierlieben, helfenden Mediziners die emotionale Kraft nehmen. Dabei tritt das Grundmotiv, für das Tierwohl zu stehen, gegenüber der möglichen Realität, ein nur funktionierender Teil eines industriellen Apparates zu sein, wohl zu sehr in den Hintergrund." Dass die Medien zur Übertreibung neigen und Einzelfälle gern verallgemeinern würden, seit laut Markus bekannt.

Er meint: "Dagegen helfen Transparenz und überzeugende Kommunikation, um aufzuzeigen, dass die Arbeit der Tierärzte weiterhin mit den Grundwerten der Medizin vereinbar ist."

Mit Material von agrarheute/Facebook

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