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Ökolandbau

Ökologische Tierhaltung fordert eigene Zuchtziele

Kühe auf der Weide
am Mittwoch, 27.02.2019 - 05:00

Die Anforderungen an die konventionelle Tierzucht lasse sich mit der Ökotierzüchtung nicht mehr vereinen. Vertreter der Branche fordern daher eigenständige Züchtungen für die ökologische Nische.

Die zunehmend abweichenden Zuchtziele von der konventionellen Landwirtschaft machen eine eigenständige Ökotierzüchtung immer wichtiger. Zu diesem Fazit kam ein Fachforum auf der Biofach in Nürnberg am 14.2.19 am Beispiel von Rindern und Geflügel. Laut dem ehemaligen Hochschullehrer Prof. Onno Poppinga von der Universität Kassel ist die genetische Selektion mittlerweile fast das alleinige Thema der konventionellen Rinderzüchtung. Die Folge sei eine starke Zunahme des Generationenintervalls. Ein weiteres Problem sei der immer höhere Inzuchtgrad mit stark abnehmender Varianz innerhalb der Rassen. Der Druck auf den Ökolandbau, sich um eine eigenständige Rinderzüchtung zu bemühen, wachse deshalb, so Poppinga.

Tiere aus konventioneller Zucht sind zu teuer für die ökologische Landwirtschaft

Bullen in der konventionellen Zucht würden immer größer, schwerer und benötigten entsprechend mehr Futter. Im Geflügelsektor werden laut der Geschäftsführerin der Ökologischen Tierzucht gGmbH (ÖTZ), Inga Günther, sowohl konventionelle als auch Ökobetriebe von nur vier Konzernen mit Tieren versorgt. Diese seien gezielt für den konventionellen Sektor gezüchtet, was für die Ökobetriebe teils zu großen Problemen in der Praxis führe, denn die ökologische Tierhaltung brauche Hühner mit großen Mägen.

„Wir möchten mehr Futter ins Tier hineinbringen, damit es mit den schwankenden Qualitäten zurechtkommt, deshalb aber nicht unterversorgt wird. Konventionelle Zucht setzt aber auf kleine Mägen und konzentrierte Futtermittel“, erläuterte Günther.

Zweinutzungshuhn als Alternative zum Kükentöten

Die Geschäftsführerin der Ökologischen Tierzucht empfahl den Vertretern der ökologischen Geflügelhaltung zudem, die Geschlechtsbestimmung im Ei nicht zu propagieren. Dadurch mache sich die Branche angreifbar. Erzielt werde auf diesem Wege nämlich keine Vermeidung des Kükentötens, sondern nur eine Verlagerung der Tötung auf den Embryo. Besser wäre das Zweinutzungshuhn. Dafür gebe es durchaus Tiere; es stelle sich nur die Frage, ob sich damit die erforderlichen Preise für die Landwirte erzielen ließen.

Mit Material von AgE
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