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Geflügel

Polizei ermittelt wegen Brandstiftung

von , am
05.08.2010

Berlin - Vergangenes Wochenende verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf einen Neubau einer Hähnchenhaltungsanlage. Nach zahlreichen Protesten gegen diese Anlage stehen Tierschützer im Verdacht.

© Mühlhausen/landpixel

Vergangenes Wochenende verübten derzeit noch Unbekannte einen Brandanschlag auf einen Neubau einer Hähnchenhaltungsanlage in Sprötze im Landkreis Harburg. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

Da bereits Wochen zuvor Tierschützer gegen diese Anlage protestiert haben und eine mehrtägige Mahnwache vor dem Hof abgehalten haben, ermittelt die Polizei nach Angaben des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft nun auch in dieser Richtung. "Mit dem Brandanschlag ist eindeutig die Grenze einer sachlichen Auseinandersetzung überschritten worden und einem jungen Landwirt die Existenzgrundlage genommen worden", verurteilt Gerhard Wagner, Präsident des ZDG Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, die Ereignisse.

ZDG-Präsident: 'Brandstiftung hat mit Tierschutz nichts zu tun'

"Wir beobachten seit langem eine immer unsachlicher werdende Diskussion zum Thema Hähnchenhaltung. Klar ist: Mit einem solchen Akt der Brandstiftung ist eine neue Dimension erreicht, die mit Tierschutz rein gar nichts mehr zu tun hat", sagt Wagner. Denn der Tierschutz sei in der Hähnchenhaltung in Deutschland von großer Bedeutung.

Geflügelwirtschaft: Deutschland hat beim Tierschutz eine Vorreiterrolle

So nehme Deutschland im europäischen Vergleich eine Vorreiterrolle ein. Mit der Aufnahme der Hähnchenhaltung in die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung im Juni 2009 seien die Vorgaben zur Hähnchenaufzucht in Deutschland schärfer umgesetzt worden, als in der EU-Richtlinie vorgesehen. Basis dieser neuen Regelung sind die "bundeseinheitlichen Eckwerte", die unter Beratung mit Ländern und Tierschutz-Organisationen entwickelt wurden und an denen sich die Branche seit 1999 orientiert.

Der Zentralverband der Geflügelwirtschaft weist darauf hin, dass auch der Bau von neuen Anlagen strengen Tierschutz- und umweltrechtlichen Standards unterliege. "

AbL: Lehnen derartige Mittel im Kampf gegen 'Agrarfabriken' ab

Anlässlich des Brandanschlags auf eine leere Hähnchenmastanlage in Sprötze hat die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) ihre Ablehnung derartiger Mittel im Kampf gegen "Agrarfabriken" bekräftigt. Allerdings sei bisher nicht erwiesen, dass dieser Brand wirklich durch Tierschutz-Aktivisten gelegt worden sei.

Kritik: Landesregierung trägt zur Eskalation bei

Gleichzeitig warnte die AbL die niedersächsische Landesregierung davor, durch ihre massive Förderung agrarindustrieller, nicht artgerechter Haltungsformen in unverantwortlicher Weise zur weiteren Eskalation der Situation beizutragen. Wenn Agrarministerin Grotelüschen von "optimalen Rahmenbedingungen für Tier- und Verbraucherschutz" rede, dann sei das mehr als zynisch angesichts von Ställen mit Zigtausenden eng zusammengepferchter und qualgezüchteter Masthühner. "Frau Grotelüschen mag sich in ihren eigenen Putenställen vielleicht an solche Zustände gewöhnt haben", kritisiert AbL-Vertreter Eckehard Niemann, "bei den allermeisten Menschen verstärken solche Zustände und Äußerungen den Zorn über Agrarindustrielle und willfährige Politiker."

Ebenso unverständlich sei es, wenn die Landesregierung keinerlei Konsequenzen aus dem Erstickungstod von 40.000 Masthühnern im Kreis Uelzen ziehe und wenn Vertreter des Agrarministeriums selbst eine Umfrage bei den Kreisveterinären über ähnliche Vorfälle für nicht erforderlich hielten. (ots/pd)

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