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Geflügel

'Privathof-Geflügel': Wiesenhof stellt neue Haltungsform vor

von , am
26.08.2011

Vilsbiburg - Mit einem neuen Konzept will Wiesenhof dem oft geäußerten Verbraucherwunsch nach mehr Tierwohl gerecht werden. Heute wurde das Konzept auf dem Betrieb der Familie Attenberger vorgestellt.

Privathof-Geflügel kommt beim Verbraucher gut an. Deswegen soll das Konzept auf Puten ausgeweitet werden. © ez/agrarheute
Im Betrieb der Familie Attenberger nahe Velden in Niederbayern filmen Kameras die Hähnchen. Sie sollen das Verhalten der Tiere in der etwas angepassten Umgebung dokumentieren. Seit einem Jahr werten Prof. Michael Erhard, Leiter des Lehrstuhls für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tierhaltung an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, und sein Forscherteam die Aufzeichnungen aus. Auch regemäßige Stallbesuche stehen auf dem Programm. Nach der Schlachtung werden die Tiere nochmals untersucht (Ballengesundheit, etc.). In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tierschutzbund und der LMU hat die PHW-Gruppe/Wiesenhof die Haltungsbedingungen für das neue "Privathof-Geflügel" erarbeitet.

Standards für Privathof-Geflügel

Hähnchen, die unter dem Namen "Privathof-Geflügel" in den Handel kommen, unterscheiden sich in einigen Punkten vom konventionell gehaltenen Tier:
 
  • Langsamer wachsende Rasse: Sasso (Elterntier von Label Rouge), zehn Tage längere Mastzeit für gleiches Gewicht
  • Geringere Besatzdichte: 15 Tiere/qm statt 20 bis 22 Tiere/qm
  • Ställe mit Tageslicht
  • Aktions-/Rückzugsmöglichkeiten: Strohballen, Picksteine, Sitzstangen (1,5 Strohballen und ein Pickstein je 1.000 Tiere, 20 Prozent der Hähnchen müssen bei erreichen des Schlachtgewichts gleichzeitig auf Sitzstangen Platz haben)
  • Kaltscharrraum (ähnliche einem Wintergarten, wird erst bei ausreichender Gefiederentwicklung geöffnet)
"Die zehn*zehn*25 Zentimeter großen Picksteine sind bis Lebensende fast aufgebraucht", berichtet Dr. Josef Bachmeier, Veterinär und Leiter Brüterei Süd. "Die werden unwahrscheinlich gut angenommen."
 
Momentan produzieren neben der Familie Attenberger elf weitere Betriebe für die neue Geflügelmarke, zwei je Schlachtwoche.
 
Tierschutz-Zertifizierung angestrebt
 
Das Konzept soll künftig nach einem Animal-Welfare-Standard, wie es ihn in den Niederlanden oder Großbritannien gibt, zertifiziert werden. Sollte der Deutsche Tierschutzbund demnächst eigene Standards herausgeben, strebt die PHW-Gruppe/Wiesenhof auch dort eine Zertifizierung an. "Wir gehen aber davon aus, dass unsere Erfahrungen auch die Basis für die Standards sind, die der Deutsche Tierschutzbund demnächst herausgeben wird", erklärte Peter Weshjohann, Vorstandsvorsitzender der PHW-Gruppe/Wiesenhof auf der Pressekonferenz.

Marktanteil von bis zu vier Prozent angepeilt

20 Prozent der Verbraucher sind nach Umfragen bereit, mehr für Tierwohl zu bezahlen. Das tatsächliche Kaufverhalten sieht jedoch häufig anders aus. Diese Erfahrung hat Wiesenhof bereits mit höherpreisigen Hähnchen aus der Auslaufhaltung gemacht. Das sogenannte "Weidehähnchen" fand nicht genügend Käufer - obwohl es 2004 mit dem Tierschutzpreis der bayerischen Staatsregierung ausgezeichnet wurde. 2007, als die Tiere nach dem Ausbruch der Vogelgrippe eingestallt werden mussten, wurde das Segment schließlich eingestellt.
 
Das "Weidehähnchen" lag im Verkaufspreis etwa doppelt so hoch, wie konventionelle Hähnchen, Biohähnchen kosten das dreifache. Das "Privathof-Geflügel" wird preislich 30 bis 40 Prozent über dem "normalen" Hähnchen liegen. Ab 4. Okober soll das "Privathof-Geflügel" bei ein bis zwei Handelspartnern auf den Markt gehen. Ab November gibt es die Hähnchen nach Aussage Wesjohanns überall zu kaufen. Wiesenhof rechnet mittelfristig mit einem Marktanteil von drei bis vier Prozent. Bleibt abzuwarten, wie der Verbraucher reagiert.
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