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Universität Göttingen

Prof. Spiller: 'Kontrollsystem in Tierhaltung unzureichend'

Mastschweine im Stall
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Birgit Greuner, LAND & Forst
am
27.01.2017

Das Kontrollsystem in der Tierhaltung reicht nicht aus, so Prof. Achim Spiller von der Uni Göttingen in der Frankfurter Allgemeinen. Nun verteidigte er seine Aussagen.

Knackevoll war der Hörsaal, in dem sich am Wochenbeginn die Fachschaft der Agrarstudenten von der Universität Göttingen mit Prof. Dr. Achim Spiller traf. Anlass war ein Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 13. Januar: Spiller und eine Mitarbeiterin kritisieren dort die ungenügend überwachte Einhaltung von Tierschutzvorschriften, obwohl die Vorschriften an sich strenger geworden seien.

Als Lösung schlug das Team vor, Tierhalter häufiger und gegebenenfalls auch verdeckt zu kontrollieren. So könne man Verstößen gegen geltendes Recht auf die Spur zu kommen.

Agrar-Fachschaft der Universität Göttingen verfasst Brief

Der Beitrag sorgte in der Branche für Aufsehen und Empörung. Umgehend verwahrte sich die QS GmbH gegen Vorwürfe, unzureichend zu kontrollieren. Die Studentische Fachschaft Agrarwissenschaften der Uni Göttingen verfasste einen Brief an ihren „Prof.“. Darin begründete sie auf zwei Seiten, warum der Artikel „Tierhalter härter kontrollieren“ für Bestürzung unter den Studenten gesorgt habe.

Spiller: 'Kontrollsystem in der Tierhaltung reicht nicht aus'

Prof. Spiller gab in der Diskussion mit den Studenten zu bedenken, dass einige seiner Aussagen in dem Beitrag unglücklich verkürzt worden seien. Grundsätzlich stehe er jedoch dazu, dass das Kontrollsystem in der Tierhaltung nicht ausreiche.

Auf den Vorwurf, er würde die Landwirtschaft in ein schlechtes Licht rücken, entgegnete der Agrarmarketingexperte, er sei nicht zuerst der Landwirtschaft, sondern der Wissenschaft verpflichtet.

'Einige relativ weit verbreitete Problemlagen in der Tierhaltung'

In einer Stellungnahme zu den Vorgängen gegenüber der LAND & Forst betont Prof. Spiller, dass er von einem Pauschalangriff auf alle Landwirte, der ihm vorgeworfen wird, weder geschrieben habe noch seine Ausführungen so gemeint waren. Aber: "Es gibt schon einige relativ weit verbreitete Problemlagen in der Tierhaltung, die nicht nur einzelne Betriebe betreffen. So findet Meyer-Hamme in ihrer Dissertation (2016) bei 35 % der großen und 50 % der kleineren untersuchten Schweinemastbetriebe Überbelegungen. Meine Frage ist schon, was dies über die Funktionsfähigkeit der Kontrollsysteme aussagt. Im Interesse aller Landwirte, v.a. derer, die die gesetzlichen Bestimmungen einhalten, sollte es doch liegen, dass bestehende Vorschriften auf allen Betrieben fachgerecht umgesetzt werden."

'Nicht mehr, sondern effektivere Kontrollsysteme'

In der Stellungnahme bejaht Prof. Spiller, dass es Verbesserungen bei den Kontrollen in den letzten Jahren gegeben habe. Diese mussten aber zäh und z. T. gegen landwirtschaftlichen Widerstand erkämpft werden. Qualitätssicherungssysteme seien eher unbeliebt, und zwar bei Bio- und bei konventionell wirtschaftenden Betrieben.

"Es geht mir darum, nicht einfach mehr Kontrollen durchzuführen, sondern die Kontrollsysteme effektiver zu machen. Diese Diskussion wollte ich anstossen - in einem Meinungsartikel, der wie für dieses Format üblich und notwendig, knapp und pointiert formuliert ist."

Die vollständige Stellungnahme von Prof. Spiller können Sie hier herunterladen...

Mit Material von Stellungnahme Prof. Spiller, Universität Göttingen
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