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Nutztierhaltung

Projekt vermittelt Wissen zur Nutztierhaltung

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am Samstag, 19.03.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Das Netzwerk Fokus Tierwohl will die moderne, nachhaltige und tiergerechte Nutztierhaltung vorantreiben. Alleine die bisherigen Teilnehmerzahlen belegen, dass der Plan voll aufgeht.

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18 Verbundpartner, 120 Impulsbetriebe, 480 verschiedene Referenten, über 550 Veranstaltungen und über 31.000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen seit Projektbeginn: Der Plan des Verbundprojekts Netzwerk Fokus Tierwohl scheint aufzugehen.

Die Verantwortlichen wollen Wissen zu Tierwohlfragen in der Nutztierhaltung bündeln, bewerten und nach zielgruppengerechter Aufbereitung vorrangig an Landwirte, aber auch Berater, Tierärzte, weitere Steakholder der Branche und an interessierte Verbraucher vermitteln. In Berlin stellten sie jetzt ihre bisherigen Erfolge vor.

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Denn erstmals haben sich die landwirtschaftlichen Einrichtungen bundesweit vernetzt und bedienen sich zum Wissenstransfer zu Tierwohlthemen bei Rind, Schwein und Geflügel dreier Informationspfade:

  • Die Projekt-Webseite www.fokus-tierwohl.de soll als zentrale Informationsplattform dienen. Hier finden Landwirte unter anderem Fachartikel, Leitfäden, Checklisten, Fachvideos, Vodcasts und Podcasts.
  • Daneben gibt es das Netzwerk der Impulsbetriebe Tierwohl. Insgesamt sind es 120 Landwirtinnen und Landwirte die Geflügel, Schweine oder Rinder halten. Hier sollen Transfer und Austausch zu den Tierwohlthemen stattfinden.
  • Bundesweit durchgeführte Veranstaltungen ergänzen das Projekt. Sie werden von den sogenannte Tierwohlmultiplikatoren vorbereitet und durchgeführt, die direkt bei den einzelnen Verbundpartnern in den Bundesländern sitzen. Interessierte finden auf der Projektwebseite den bundesweiten Veranstaltungskalender.

Die Verbundprojektpartner DLG und FiBL Deutschland sind für die didaktische Aufbereitung der Inhalte zuständig. Das Netzwerk Fokus Tierwohl ist Teil des Bundesprogramms Nutztierhaltung und wird somit vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) mit 15 Mio. Euro gefördert.

Von der Mobilstallhaltung, zum Umgang mit kranken und verletzen Schweinen bis zum Minipig

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Die Themen sind und waren dabei so vielfältig wie die Landwirte und Betriebe in Deutschland. Es ging um die Mobilstallhaltung von Geflügel, den Umgang mit kranken und verletzen Schweinen oder die Klauengesundheit bei Rindern.

Es gab aber auch speziell für interessierte Verbraucher und Hobbyhalter Veranstaltungen, die sich zum Beispiel mit der Haltung sogenannten Minipigs befassten. Gab es davor einige kritische Kommentare nach dem Motto, jetzt wollen uns die „Massentierhalter“ erzählen, wie wir unsere Schweine als Haustiere zu halten haben, so verstummten diese nach den Veranstaltungen meist.

Denn die Hobbytierhalter lernten vieles über die artgerechte Ernährung und weshalb die Anmeldung bei der Tierseuchenkasse so wichtig ist.

Wissensvermittlung Tierwohl auf dem richtigen Weg

Am 4. März 2022 informierte das Netzwerk Fokus Tierwohl nun in einem Austausch- und Vernetzungstreffen in Berlin über die bisherige erfolgreiche Arbeit. Vertreter aus Politik, Fachverbänden, Verwaltung und weiteren Förderinitiativen des Bundes diskutierten über Tierwohl im Fokus einer nachhaltigen Nutztierhaltung.

Frau Dr. Beate Bajorat, Geschäftsführerin des Verband der Landwirtschaftskammern e.V., machte zu Beginn der Veranstaltung nochmal deutlich, vor welchen großen Herausforderungen die tierhaltenden Betriebe in Deutschland derzeit stehen und das der Anpassungsbedarf sehr hoch sei. Die Corona-Pandemie verschärfe die Lage dramatisch. Hinzu komme aktuell der Krieg in der Ukraine, der aber teilweise ausgeblendet werden sollte, um den Fokus auf das Tierwohl zu erhalten.

Laut Bajorat sei es wie beim Klimaschutz: Wir müssen alle Kräfte bündeln, um die anvisierten Ziele nicht aus dem Blick zu verlieren. Veränderungen hin zu mehr Tierwohl müssten demnach immer durch Wissenstransfer begleitet werden. Da schließt sich für Bajorat wieder der Kreis zum Netzwerk Fokus Tierwohl. 

Das Interesse sei nach wie vor hoch. Viele Landwirtinnen und Landwirte wollen weiter in Tierhaltung investieren. Das wurde von Dr. Hanns-Christoph Eiden, Präsident Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, bestätigt. Das Projekt unterstütze Praktikerinnen und Praktiker auf den Weg zu einer zukunftsfähigen Tierhaltung, es rege die Vernetzung an und so würden sich die Teilnehmenden gegenseitig anregen.

An Ideen würde es laut Eiden nicht mangeln, sondern eine Frage der Umsetzungsmöglichkeiten, deshalb sei der im Projekt geleistete Wissenstransfer so wichtig.

Borchert: Landwirte müssen handeln, siehe Urteil Kükentöten

Das wurde in der anschließenden Diskussion bestätigt. So sagte zum Beispiel Jochen Borchert, Vorsitzender des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung, dass das Handeln notwendig sei. Die Gesellschaft wolle eine andere Tierhaltung. Die Frage ist, ob die Landwirte den Umbau selbst in die Hand nehmen und mitgestalten oder ob man abwartet. Dann sei aus Sicht von Borchert eine Klage gegen die jetzige Form der Nutztierhaltung unausweichlich. Wer daran zweifle, den erinnerte er an das Urteil zum Verbot des Kükentötens.

Knackpunt ist und bleibt die Finanzierung. Auch hier fand Borchert klare Worte. Würde man keinen Weg finden, den Nutztierhaltern die Mehrkosten zu erstatten, wandere die Nutztierhaltung ab. Das müsse verhindert werden, auch im Interesse der Ernährungssicherheit. So sei die überwiegende Zahl bereit umzustellen, aber sie brauchen Sicherheit, dass sie mit Umstellung nicht in rote Zahlen geraten. PD Dr. Hinrich Snell, Leiter des Referats Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung im BMEL stimmte Borchert zu, er habe den Hintergrund das Szenario so beschrieben, wie es unstreitig sei. Er machte auf die nach wie vor unterschiedlichen Vorstellungen unter den Koalitionsparteien aufmerksam, was der Markt regeln kann und was die öffentliche Hand regeln muss.

Es braucht eine Haltungs- und Herkunftskennzeichnung

Bochert machte auch nochmal deutlich, dass es neben einer Haltungs- auch eine Herkunftskennzeichnung brauche, am liebsten sofort und verpflichtend. Er warnte davor, aufgrund der aktuellen Lage abzuwarten, dann würde man in wenigen Jahren wieder ganz von vorne anfangen müssen. Wenn sie einen staatlichen Vertrag haben, kann es lw egal sein, wie es finaziert wird.

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